Auch ohne Besucher ist vieles zu tun im Bad Köstritzer Heinrich-Schütz-Haus

Bad Köstritz.  Die Mitarbeiter bereiten in der publikumsfreien Zeit Ausstellungen für 2021 vor und erledigen Reparaturen im Haus und Liegengebliebenes.

Im Heinrich-Schütz-Haus Bad Köstritz kümmern sich die Mitarbeiter um Museumsleiterin Friederike Böcher um die Ausstellungen und Veranstaltungen, die nach der Corona-Pause im Museum wieder stattfinden sollen.

Im Heinrich-Schütz-Haus Bad Köstritz kümmern sich die Mitarbeiter um Museumsleiterin Friederike Böcher um die Ausstellungen und Veranstaltungen, die nach der Corona-Pause im Museum wieder stattfinden sollen.

Foto: Christine Schimmel

Vom ganz normalen Tagesgeschäft spricht Friederike Böcher, wenn man sie fragt, was sie und ihre Mitarbeiter im Heinrich-Schütz-Haus Bad Köstritz jetzt eigentlich zu tun haben. Normal heißt in dem Fall allerdings ganz ohne Publikum. Auch wenn das Geburtshaus des weltbekannten Komponisten seit 17. März keine Besucher empfangen kann, hat das Team des Hauses alle Hände voll zu tun. „Natürlich würden wir es uns anders wünschen, aber gerade haben wir viel Ruhe, um über kommende Projekte nachzudenken“, sagt die Museumsleiterin. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Lange Zeit ohne die Museumsfamilie

Schon die Ostertage hätten sie noch nie so ruhig erlebt wie jetzt. Sonst sei das Osterwochenende vollgesteckt mit Terminen und Ritualen, die diesmal schmerzlich fehlten. „Keine Flötenkinder-Hausmusik, keine Schützhaus-Osternacht, kein Gottesdienst in der Kirche, kein Osterfrühstück in Roben“, zählt sie auf. Ebenso wenig war es ihr jemals in den Sinn gekommen, dass in ihrem geliebten Museum einmal rein gar nichts für die Öffentlichkeit stattfinden würde, keine Ausstellung, kein Konzert, keine Lesung, keine Musikprobe. „Tatsächlich mussten wir Etliches absagen, etwa Köstritzer lesen für Köstritzer, Musikalische Museumsrunden, die Probe der Spielleute und Konzerte. Viele Veranstaltungen sind uns über die Jahre ans Herz gewachsen und werden von uns lange vorbereitet. Wir treffen dann dabei auf interessierte Besucher und haben in ihnen eigentlich eine richtige Museumsfamilie, die uns sonst durchs Jahr trägt“, bedauert Böcher den nun fehlenden Publikumsverkehr.

Vorbereitung großer Veranstaltungen ab Ende 2020

Einfach nachholen könne man das Ausgefallene nicht. Auch wenn es wieder los geht mit dem öffentlichen kulturellen Leben, bietet das restliche Jahr nicht genug freie Termine – zumal dann vor allem an den Wochenenden viele Veranstaltungen in Stadt und Land um die Gunst der Besucher konkurrieren. Einige Termine hat das Schützhaus daher bereits aufs kommende Jahr verschoben, damit die Arbeit nicht ganz umsonst war und die Menschen doch noch in den Genuss der Themen kommen können. Böcher geht davon aus, dass Ende 2020 der Alltag wieder Einzug gehalten hat und legt ihre Kraft dementsprechend auf die Vorbereitungen dann anstehender großer Vorhaben. „In Vorbereitung des Heinrich-Schütz-Musikfestes im Oktober haben wir eine erste Videokonferenz abgehalten, für den Septemberkurs und das spektakuläre Wochenende der Barockmusik erarbeiten wir gerade die Flyer“, berichtet sie.

Alle Mitarbeiter seien zum Glück gesund und im Dienst und würden sich neben der Forschungsarbeit zu erworbenen Bildern, Noten und historischen Instrumenten auch der Inventarisierung von Postkarten, Notgeld und Kupferstichen widmen. „Wir putzen Vitrinen, der Hausmeister streicht das Bad und ein Fenster wird repariert“, erzählt sie von der Vielzahl der anstehenden Aufgaben, für die man jetzt jede Menge Zeit habe. Auch ein kürzlich erhaltenes Erbe einer privaten Noten-Sammlung arbeiten ihre Mitarbeiter gerade in den Notenbestand des Hauses ein. Auch das lässt sich jetzt gut erledigen.

Die Bären-Ausstellung findet definitiv statt

Eine Ausstellung, die für Friederike Böcher auf keinen Fall ausfallen darf, ist die „Verbärung der Welt“. Seit vielen Monaten recherchiert sie dazu und häuft Ausstellungsexponate wie Bücher, Bilder und Plüschbären an. Die zusammengetragene Materialflut ist riesig. „Das wird eine Ausstellung für die Seele. Und das brauchen wir jetzt doch alle am dringendsten“, findet sie. Zusätzlich brütet sie über Plänen für eine Ausstellung zu Adventskalendern Helmut Rudolphs anlässlich seines 40. Todestages 2021 sowie zu einer Schau mit dem Fokus auf die Bremer Stadtmusikanten. Auch 2024 hat man schon im Blick, dann nämlich hat der Nationalhymnenautor Hoffmann von Fallersleben 150. Todestag. Da er auch Kinderlieder geschrieben hat, gerät er ins Visier von Friederike Böcher und ihren Mitarbeitern.