Auf dem Wohnmobilhafen „Gessenpark“ in Gera treffen sich Urlauber aus Europa

Gera  Wie Nomaden die Freiheit genießen

Anneliese und Hans-Dieter Wawarta aus Durmersheim.

Anneliese und Hans-Dieter Wawarta aus Durmersheim.

Foto: Peter Michaelis

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„Mein Bett, meine Toilette, meine Dusche“, nennt Herbert Schilder die Vorzüge seines Reisens auf. „Vor zwei Jahren überlegten wir uns, eine Eigentumswohnung oder ein Wohnmobil zu kaufen. Wir entschieden uns fürs Letzteres.“ 7200 Kilometer zeigt der Tacho an. Mit dem Fahren wechselt sich das Landshuter Paar ab. Es ist auf einer vierwöchigen Tour durch die neuen Bundesländer. Berlin, Havelland, Ostsee umreist Schilder grob die Strecke. Frau Martina sagt: „Wenn ich ins Mobil steige, ist Urlaub.“ Sie sucht die Route aus. Gera ist eine Zwischenstation. „Es wäre schön, wenn es in jeder Stadt einen solchen Wohnmobilplatz gäbe. Der Gessenpark habe ja tolle Bewertungen im Internet erhalten. Zu Recht. Alles in der Nähe. Prima.“ Vor allem über die gute Nahverkehrsanbindung durch Bahn, Bus und Rad gerät das Paar ins Schwärmen. Das Lob fürs selbst gemachte Eis in Untermhaus kommt danach. Dass die Eheleute aber keine Thüringer Roster essen konnten, ärgert sie gewaltig. „Wir haben abends kein Lokal gefunden, auf dessen Karte Rostbratwurst eingeboten wurde. Da müssen die Gastronomen dran arbeiten“, urteilt Herbert Schilder.

Michael Recker aus Dülmen hatte dagegen eine andere Köstlichkeit probiert. Auf einer Fahrradtour nach Bad Köstritz musste eine Pause mit Gerstensaft gemacht werden. Bis Mitte September will er mit seiner Frau unterwegs sein. „Die Ziele suchen wir ein bisschen nach dem Wetterbericht aus. Regnet es, geht es in die Sonne. In einem Hotel würden wir festhängen.“ Nicht planen zu müssen, fasziniert die beiden, wenn sie mit ihrem Wohnmobil unterwegs sind. „Zu Hause ist gerade, wo ich parke“, scherzt ­Michael Recker. Auch er staunt über die Annehmlichkeiten, die der Wohnmobilhafen bietet.

Am 1. Juli 2015 eröffnete der Gessenpark. „Es gab keinen Innenstadtstellplatz und wir hatten die Möglichkeiten“, so Denis Rossmann, der ihn mit seinem Vater Dieter betreibt. „Im ersten Jahr zählten wir 500 Übernachtungen. In diesem Jahr werden wir etwa an die 1000 haben.“ Gäste aus Frankreich, den Niederlanden, Schweden, Dänemark, Italien, Österreich, Großbritannien und natürlich Deutschland wählten Gera als Zwischenstation. Von den 85 Bewertungen im Internet vergaben 65 Nutzer fünf Sterne und 17 vier Sterne. „Ein wirklich gut durchdachter und liebevoll angelegter Stellplatz. Zwar etwas weit in das Zentrum von Gera, aber die Bahn ist vor der Haustür“, schreibt Hannelore. Lulu Sommertag urteilt: „Das ist mal ein super Beispiel für einen gelungenen Stellplatz. Top!“

Für 2020 planen Rossmanns zwei weitere Plätze für Mobile bis zu einer Länge von zwölf Metern, eine weitere Toilette und eine Dusche kommen dazu.

Die Zwisslers aus Neu-Ulm sind in Eile. Sie wollen nach Berlin zum Barenboim-Konzert. Gera sei eine tolle Stadt, rufen sie. Unabhängig reisen, das schätzen die eingefleischten Mobilisten Anneliese und Hans-Dieter Wawarta aus Durmersheim (Baden-Württemberg) an dieser Form des Urlaubs. „Gefällt es uns, bleiben wir etwas länger.“ Ihnen gefällt es hier. Folglich verbringen sie ein paar Tage. Die Natur und die Stadt erkunden wollen sie. Dazu gehöre das Otto-Dix-Haus, der Küchengarten, die Villen, die Kirchen und die regionale Küche. „Haben wir uns sattgesehen und sattgegessen, ziehen wir weiter wie Nomaden“, sagt Anneliese Wawarta. Schließlich ist der Weg das Ziel.

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