Immer mit der Mode gehen: Geraer Familienunternehmen besteht seit 75 Jahren

Gera.  „Mode Korn“ in Gera besteht auf der Sorge seit 75 Jahren. Die Geschichte des Familienunternehmens.

Karl-Heinz Hockauf ist Inhaber des Geschäftes Mode Korn

Karl-Heinz Hockauf ist Inhaber des Geschäftes Mode Korn

Foto: Peter Michaelis

Jahr um Jahr verweilt beim Spaziergang auf der Sorge der Blick auf üppig blühende Surfinien. Acht bis vier Blumenkästen stehen von Anfang Mai bis Mitte Oktober auf den Fenstersimsen und schmücken die Fassade des Hauses 38. „Gute Erde von einer einheimischen Gärtnermeisterin und ordentlich gießen“, verrät Karl-Heinz Hockauf. Und er fügt ironisch an: „Der Standort auf der Sorge gefällt diesen Blumen wohl besser als anderen.“

In der Nummer 38 auf der einst pulsierenden Prachtstraße Geras gründete Heinz Korn nach Kriegsende Mitte Juni 1945 einen Stoff- und Resteladen. Als selbstständiger Vertreter wusste er, woher er Ware bekam. Die Lager an Militäruniformen und Bestände dieser Stoffe waren gefüllt und das Material sehr gut. Erste Stoffballen karrte der gelernte Kaufmann mit dem Handwagen vom Großhandel in der Wiesestraße in sein Geschäft. Es lief gut. Später konnte er sich ein Auto F7 mit Holzkastenaufsatz leisten. „Gewiss war nach dem Krieg das Essen wichtiger. Aber die Menschen brauchten auch etwas zum Anziehen. Aus den Stoffen schneiderten sie sich das Passende. Also bot mein Schwiegervater mit seiner Frau Helene nebenher Kurzwaren an“, erzählt Karl-Heinz Hockauf die Geschichte des Familienunternehmens weiter.

Durch Mut und Cleverness der Verstaatlichung entgangen

In den 50er-Jahren konnte Heinz Korn das Gebäude kaufen. „Das Haus habe ich mir mit der Familie abgehungert. Mit Ach und Krach konnten wir uns von Monat zu Monat über Wasser halten“, berichtete er damals zum 50. Geschäftsjubiläum. Durch Mut und Cleverness schaffte es der Unternehmer sogar, der Verstaatlichung zu entgehen. Er schloss einen Kommissions-Handelsvertrag mit der HO ab. „Reste Korn“ konnte so Stoffreste und Partieware direkt von Herstellerbetrieben in Glauchau, Crimmitschau und dem VEB Modedruck Gera beziehen. Dass der Laden auf Geras Einkaufsmeile sogar Schnittmusterbogen anbot, lockte noch mehr Kunden an. Sich modische Kleidung zu nähen, lag im Trend.

Mit Tochter Rita Korn wuchs die Nachfolgerin heran. Sie lernte im elterlichen Geschäft Verkäuferin und ihren Mann Karl-Heinz Hockauf kennen. Beide übernahmen 1981 das Unternehmen. Der Schwiegersohn besorgte Popeline, Baumwolle und Jersey als Meterware und zudem Gardinenstoffe aus der ganzen Republik. „Alles ist ja in den Westen gegangen“, blickt Karl-Heinz Hockauf zurück. Doch manche Überhänge konnte er ergattern. Fertige und hübsche Konfektion gab es oft nur unter dem Ladentisch zu kaufen.

Nach der Wende blieben Kunden weg. Der Umsatz ging zurück. Aufgeben war für die Eheleute keine Option. „Wir entschlossen uns deshalb, Damenmode zu präsentieren. Ich besuchte Messen, um Trends kennenzulernen“, so der heute 72-Jährige.

Schicke Damen-Kollektionenangeboten

Die Idee zahlte sich aus. Schnell wurde die Verkaufsfläche zu klein. „Wir renovierten das Gebäude, um mehr Platz zu schaffen. Fassade und Giebel blieben. Ich vermute, das Haus wurde Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut. Außerdem sollte das Bild der alten Sorge nicht zerstört werden. Am 28. September 1993 eröffneten wir Mode Korn. Für Männer-Kollektionen waren die Räumlichkeiten nicht gegeben.“

Frauen einzukleiden, macht Freude, so der Inhaber. Er stellt fest, die Mode ist sportlicher geworden. „Damen mit 70 Jahren ziehen sich wie 30-Jährige an und sehen schick aus.“ Zum Typ müssen die Sachen passen. Das bedarf einer guten fachlichen Beratung. Dafür stehen die Verkäuferinnen Andrea Krähe und Jana Maar. Sie sagen den Kunden auch, wenn ein ausgewähltes Stück das Erscheinungsbild der Dame nicht unterstreicht. Dagmar Roßmann kümmert sich ums Ändern.

Seit Jahren halten die Kunden dem Unternehmen die Treue. „Ich bin sehr zufrieden“, äußert sich eine Dame auf der Suche nach einem Anorak.

Corona und Interneteinkäufe hinterlassen wie bei vielen Einzelhändlern ihre Spuren. Karl-Heinz Hockauf ist sich sicher, dass mit der Wiederbelebung des Hertie-Kaufhauses, die gesamte Sorge eine Aufwertung erfahren würde.

Dem schlechten Zustand der Bürgersteige und den schlecht verfugten Pflastersteinen könnte jetzt schon Abhilfe geschaffen werden.