Aufbau der Wasserwehr Gera geht voran

Gera.  Konkret wird der Aufbau einer Wasserwehr in Gera. Für künftige Überschwemmungen will die Stadt auf die Mithilfe ortskundiger Geraer setzen.

Im Jahr 2013 hatte das Hochwasser der Weißen Elster unter anderem im Stadtteil Heinrichsgrün ganze Arbeit geleistet. Seitdem wird an der Etablierung einer Wasserwehr für Gera gearbeitet. Foto: Tino Zippel

Im Jahr 2013 hatte das Hochwasser der Weißen Elster unter anderem im Stadtteil Heinrichsgrün ganze Arbeit geleistet. Seitdem wird an der Etablierung einer Wasserwehr für Gera gearbeitet. Foto: Tino Zippel

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Auch wenn das Wort Katastrophe dieser Tage eigentlich niemand mehr hören will, in diesem Fall geht es um das Verhindern einer solchen. Seit dem letzten Hochwasser in Gera im Juni 2013 haben sich die Verantwortlichen Gedanken gemacht, wie man der Stadt und ihren Bewohnern bei einer neuen Flut Schützenhilfe leisten könnte. In der Stadtverwaltung entschied man sich, eine eigenständige Wasserwehr aufzubauen.

Schon vor der Flut 2013 verpflichtete das Thüringer Wassergesetz Kommunen zum Aufbau einer solchen Einheit, doch nur wenige Gemeinden schritten zur Tat. Dann kam die Überschwemmung und das Thema wurde aktuell. Seit Mai 2019 gibt es nun ein neues Wassergesetz, in dem der Aufbau der Wasserwehren weit nach vorn gerückt ist. Auch die Rechtsstellung solcher Wehren ist nun klar geregelt. „Wir wollen unsere Wasserwehr nicht an Feuerwehr oder THW angliedern, weil wir zusätzliche Freiwillige aktivieren möchten, die sich diesem ganz speziellen Thema widmen“, sagt Konrad Nickschick, Fachdienstleiter Umwelt der Geraer Stadtverwaltung. Jeder im Alter zwischen 18 und 99 kann mitmachen, denn die Aufgaben sind vielseitig. Das Einsatzprofil sieht Deich- und Brückenkontrollen, Beobachtung von Durchlässen, Anleitung anderer Freiwilliger im Befüllen und Aufschichten von Sandsäcken, Sicherungsmaßnahmen und die Weiterleitung wichtiger Informationen zur Koordinierungsstelle und an die Bürger vor Ort vor. Auch Firmen können der Wasserwehr beitreten, zum Beispiel um im Notfall mit Technik auszuhelfen.

Bürger jeden Alters ab 18 Jahre können mitmachen

Welche Voraussetzungen müssen Bürger mitbringen, die Teil der Wasserwehr werden wollen? „Neben einer guten Ortskenntnis sind Engagement für ihr unmittelbares Umfeld und ein Mindestmaß an körperlicher Fitness günstig“, sagt Nickschick, betont aber auch, dass durchaus auch Menschen gebraucht werden, die etwa für Telefondienste eingesetzt werden können. Der Einsatzort der Freiwilligen wird sich auf das Stadtgebiet Gera beschränken. Für elf Abschnitte soll es eigene Wasserwehren geben, die in der großen Geraer Wasserwehr vereint werden. „Die Gebiete sind entlang der Weißen Elster und an Gewässern zweiter Ordnung eingeteilt“, sagt der Fachdienstleiter. Schließlich müssen auch Zuläufe wie Langengrobsdorfer Bach, Schoßbach, Erlbach, Saarbach, Brahme und Fuchsklamm im Auge behalten werden. Dazu kommt, dass die Wehr nicht nur bei Hochwasser, sondern auch bei anderen Überschwemmungen, Starkregen und Eisgang zum Einsatz kommen kann. „Es ist gut, wenn dann in der Wasserwehr Ortskundige sitzen. Trotzdem wäre es auch von Vorteil, wenn Menschen aus Stadtteilen mitmachen, die nicht unmittelbar von einem Hochwasser betroffen wären“, betont Nickschick. Denn wenn in der Wasserwehr organisierte Geraer ihr eigenes Haus oder Grundstück schützen müssten, könne man sie nicht zur Arbeit anderswo anfordern. Im Einsatz sei es ohnehin so, dass die verfügbaren Kräfte dort eingesetzt werden, wo Not am Mann ist.

Im Einsatz von der Arbeit freigestellt und von der Stadt ausgestattet

Strukturell möchte man die Wasserwehren an die Ortsteilräte ansiedeln. Die Verantwortung trägt jeweils ein zu wählender Abschnittsleiter, der der jeweilige Ortsteilbürgermeister sein kann, aber nicht muss. Rechtlich gesehen sind die Freiwilligen geschützt. Der Arbeitgeber muss sie für den Einsatz frei stellen. Außerdem sind sie versichert und bekommen eine pauschale Vergütung während der Einsatzzeit. Sollte der Stadtrat diesen Sommer noch den Aufbau der Wasserwehr beschließen, könnte die Stadt sofort eine Anschubfinanzierung für die Ausstattung der freiwilligen Kräfte beantragen. „Die Versorgung mit erkennbarer Kleidung, Gummistiefeln, Schaufeln, Funkgeräten und anderer nötiger Ausstattung wird von uns geregelt“, verspricht Nickschick. Er hofft, dass man die ersten Freiwilligen bereits Anfang Juli zur Schulung schicken kann. Dort sollen sie zum rechtlichen Rahmen ihrer Tätigkeit aufgeklärt werden sowie fachliche Informationen erhalten.

Bisher hätten sich schon einige Bürger zum Mittun angemeldet. Aus einigen Ortsteilen hat es breite Unterstützung für das Vorhaben gegeben. Zwötzen, Milbitz/Thieschitz/Rubitz beispielsweise. Der Ortsteilrat Langenberg will sogar geschlossen der Wasserwehr beitreten. „Wenn wir für jeden Abschnitt fünf Leute finden würden, die bei der Wasserwehr mitmachen, wäre viel erreicht“, sagt Konrad Nickschick, will aber auch betonen, dass jeder einzelne ein Zugewinn ist. Schließlich sei er dann für die Aufgabe ausgebildet und könne sein Wissen weitergeben. Bewusst ist ihm, dass man die Freiwilligen auch während einer Zeitspanne motiviert halten muss, in der keine Hochwasser- und Überschwemmungsereignisse auftreten. Mit regelmäßigen Schulungen und ein bis zwei Übungen pro Jahr will man das schaffen. Den Wasserwehr-Verbund könnten die Freiwilligen außerdem auch nutzen, um das soziale Leben miteinander zu gestalten.

Hauptamtliche Mitarbeiterin als Ansprechpartnerin

Seit Oktober 2019 koordiniert eine Kollegin der Geraer Stadtverwaltung hauptamtlich den Aufbau der Wasserwehr. Sie hält auch auf kurzem Weg Kontakt zum Gewässerunterhaltungsverband Weiße Elster-Saarbach, in dem Gera den Vorsitz hat. Henrike Schneider ist auch die Ansprechpartnerin für Freiwillige, die sich der Wasserwehr anschließen wollen. Sie können sich bei ihr am besten über E-Mail an umwelt@gera.de melden.

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