Besuchsdienst für die jüngsten Geraer

Gera  Sieben Ehrenamtliche sichern hunderte Willkommensbesuche pro Jahr bei Neugeborenen in Gera ab

Julia wurde am Vortag des Willkommensbesuches drei Monate alt. Sie hatte angesichts der kleinen Präsente und der ihr zu Teil werdenden Aufmerksamkeit der Gäste ein quietschvergnügtes Lächeln aufgesetzt.

Julia wurde am Vortag des Willkommensbesuches drei Monate alt. Sie hatte angesichts der kleinen Präsente und der ihr zu Teil werdenden Aufmerksamkeit der Gäste ein quietschvergnügtes Lächeln aufgesetzt.

Foto: Peter Michaelis

Wenn ein Baby geboren wird, freuen sich nicht nur die Familie und Freunde über das Purzelchen. Auch die Stadt Gera beglückwünscht die jungen Eltern zum Nachwuchs. Dazu flattert dann nicht nur eine Grußkarte ins Haus, sondern ein Brief mit einem ganz besonderen Angebot: einem Willkommensbesuch.

Allein von März bis Mai dieses Jahres kamen 143 neue Geraer zur Welt. Genau 100 davon nahmen den Willkommensbesuch in Anspruch. Etwa 70 Prozent der Eltern öffnen dafür die Türen ihres Zuhauses. 2017 zählte man 817 neue Erdenbürger in der Stadt. Rechnet man das hoch, ahnt man, wie viele hundert Willkommensbesuche jährlich durchgeführt werden.

Sieben Ehrenamtliche besuchen hunderte Babys

Diese Aufgabe übernehmen sieben ehrenamtliche Mitarbeiter der Koordinierungsstelle Frühe Hilfen des städtischen Sozialdezernates, Fachdienst Kinder- und Jugendhilfe. „Seit 2009 führen wir die Besuche durch. Damals waren dafür noch Bundesfreiwillige im Einsatz, jetzt engagieren sich sieben aufgeschlossene Senioren: Silvia Bauer, Lutz Berger, Simone und Lutz Eger, Angelika Nack, Carola Peine und Harald Schöpp“, berichtet Monique Heinze von der Geraer Ehrenamtszentrale.

Jeden Montag treffen sich die Freiwilligen, um sich auf die anstehenden Besuche vorzubereiten und um sich über die schönen Begegnungen in den Familien auszutauschen. „Momentan haben wir jeder drei, vier Besuche pro Woche“, berichtet Harald Schöpp, der seit drei Jahren im Auftrag der Stadt die Neugeborenen im ganzen Stadtgebiet besucht. Früher hat er selbst in der Gesundheitsbranche gearbeitet. Nach dem Berufsausstieg zog er von Berlin nach Gera und suchte eine Aufgabe, die ihn aktiv am Leben teilhaben lässt. „Die Besuche bei den Familien halten mich fit in vielerlei Hinsicht. Einerseits im Kopf, weil wir über viele Dinge Auskunft geben können müssen, nach denen uns die frisch gebacken Eltern fragen. Andererseits körperlich, weil wir bei den Besuchen mitunter viele Treppen steigen müssen, denn nicht überall gibt es Fahrstühle“, sagt der Freiwillige. Das Lächeln der Babys ist ihm dafür Lohn genug. Es sei schön anhand der Neugeborenen zu sehen, wie Gera wächst.

„Ich mache das nicht aus Neugier, sondern weil die Willkommensbesuche eine feine Sache sind“, betont Harald Schöpp und bringt den Eltern nicht nur gern die Glückwünsche der Stadt und nützliche Präsente ­diverser Sponsoren vorbei, ­sondern auch ein umfangreiches Informationspaket.

Darüber waren auch Monika Schmidtke und Holger Näser erfreut. Das Geraer Paar wurde vor drei Monaten Eltern der kleinen Julia, die im SRH Wald-Klinikum etwas früher als geplant zur Welt kam. „Wir haben abends noch im Garten gegrillt, doch auf einmal wollte unser Baby auf die Welt“, berichtet die stolze Mama, die sich auf der Geburtsstation des Geraer Krankenhauses bestens betreut fand.

Auch der dicke Elternbegleitordner, den Harald Schöpp ihnen vor einiger Zeit vorbeibrachte, sei eine nützliche Sache. So hat man alle wichtigen Informationen griffbereit und muss sich nicht alles mühsam selbst zusammensuchen“, sagt die 35-Jährige und verweist auf darin aufgelisteten Notrufnummern, Ernährungstipps für Babys, auf eine umfangreiche Übersicht zu Kurs- und Freizeitan­geboten für Familien, auf eine Liste der Kinderärzte, Hebammen, Kindergärten und zu Wickelplätzen und Stillmöglichkeiten in den Geschäften sowie einen hilfreichen Kalender zur Entwicklung des Babys im ersten Lebensjahr. Auf die dort verzeichneten Angebote für Erste-Hilfe-Kurse für Eltern weist Harald Schöpp immer gesondert hin. Denn als ehemaliger Mitarbeiter eines Rettungsdienstes weiß er, dass es ihnen viel Sicherheit vermitteln kann, zu wissen, wie man dem eigenen Baby in Notsituationen helfen kann, bis ein Arzt eintrifft.

Das Angebot ist keine Selbstverständlichkeit

Obwohl sich Monika Schmidtke und ihr Lebenspartner vom Klinikpersonal, der Hebamme und dem Kinderarzt schon sehr gut informiert fühlen, durch den Willkommensbesuch konnten sie noch ein paar Fragen loswerden. „Es ist schön, wenn man so eine Hilfe zur Seite hat“, betont Monika Schmidtke. Aus Tschechien stammend weiß sie, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Jetzt freuen sie und Julias Papa Holger Näser sich schon auf den von der Stadtverwaltung organisierten Babyempfang im Dezember, bei dem sie auf jeden Fall dabei sein wollen.

Geraer, die Interesse an diesem Ehrenamt haben, können sich in der Ehrenamtszentrale unter Telefon (0365) 8 38 30 21 melden.Die finanzielle Unterstützung der Thüringer Ehrenamtsstiftung ermöglicht es, den Ehrenamtlichen die Fahrscheine für öffentliche Verkehrsmittel für die Anreise zu den Familien zu stellen. Trotz vereinbarter Besuchtermine stehen die Freiwilligen leider ab und an vor verschlossenen Türen. Die überwiegende Mehrzahl der stolzen Eltern heißt die von der Stadt gesandten Gäste aber herzlich willkommen.

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