Bis zu 30.000 Bäume müssten im Kommunalwald Gera gefällt werden

Gera.  Wald der Stadt Gera ist mit seinen Baumarten gut aufgestellt. Dennoch macht die Trockenheit dem Wald zu schaffen.

Mit dem Revierförster Ronald Felgner im Stadtwald Gera unterwegs. 

Mit dem Revierförster Ronald Felgner im Stadtwald Gera unterwegs. 

Foto: Ilona Berger

Täglich dreht Ronald Felgner seine Runde. Drei bis vier Stunden dauert sie. An seiner Seite ist Dona, die sieben Jahre alte Terrier-Dame. Bei den Kontrolle laufen der Revierförster und sein Hund um die 20 Kilometer. Heute sind beide im Gebiet Brettschneide unterwegs.

Dort zäunte im Herbst 2019 das Technische Hilfswerk Gera eine Fläche von 0,4 Hektar ein, um die 3000 gepflanzten Eichen, Vogelkirschen wurden am Rand beigemischt, vor Rehwild- und Hasenverbiss zu schützen. Ronald Felgner ist zufrieden. „90 Prozent der Eichen sind gut angewachsen. Die Wurzeln stecken tief genug in der Erde und die wurde ordentlich angetreten.“ Im nächsten Jahr sei hier Kulturpflege angesagt. Mähen des Begleitgrüns wie Gräser und Brombeersträucher. Jetzt bietet es den Setzlingen noch Schutz. Spielt das Wetter mit, sollen bis April auf den Kahlflächen in Frankenthal, Kraftsdorf und Martinhöhe insgesamt 35.000 Pflanzen in den Boden. Dazu gehören zum Beispiel Flatterulme, Esche und Spitzahorn.

Um den Stadtwald ist es in diesem Jahr noch schlechter bestellt als 2019. Dem Borkenkäfer dienen durch anhaltende Trockenheit geschwächte Nadelbäume als Brutstätte. Diese können zu ihrem Schutz kein Harz mehr bilden. Der Schädling hat leichtes Spiel. „60 Prozent des Fichten- und 30 Prozent des Kiefernbestandes sind befallen. 20.000 bis 30.000 Bäume müssten gefällt werden“, urteilt der Fachmann. Selbst die über 100 Jahre alten Altbuchen im Bereich Vollersdorfer Straße/Jagdhof leiden unter akutem Wassermangel. „Sie sterben von der Krone ab, obwohl sie sich zwei Meter über den Boden noch grün zeigen. Bis zu 80 Zentimeter tief ist alles trocken“ Sichtbar seien seit August Schäden bei den Alt- und Jungbeständen von Kiefern im Revier bei Dürrenebersdorf. Wassermangel sei gleichfalls die Ursache für den schwarzen Schleimfluss, der vermehrt an Eichen und Buchen zu finden ist. Der Pilz dringt über die Äste in den Baum ein, unterbindet das Wachstum. Rund um den Stamm zeigen sich morsche Stelle. Einige hat es in der Brettschneide erwischt. Aber nur Totholz, das gefährdet, muss weg.

10.000 Festmeter Holz geschlagen

Neben dem Käfer machte der kurzzeitige Kälteeinbruch den Bäumen zu schaffen. Im Bereich Hofer Straße und Stadtrodaer Straße erfroren die Mai-Triebe.

2800 Festmeter dürfen 2020 geschlagen werden. „Jetzt sind wir schon bei 10.000 Festmeter durch den Käferbefall. Der Preis für viele Holzarten ist im Keller. Mit dem Geld aus dem Verkauf werden die Setzlinge refinanziert.“

Ein düsteres Bild vom kommunalen Wald malt Ronald Felgner nicht. „Bei uns gibt es keine Monokultur. Unser Revier ist bei den Holzarten breitgefächert aufgestellt. Vor 25 Jahren habe ich mit dem Umbau begonnen.“ Naturgemäße Waldwirtschaft nennt er diesen. Bis zu zehn verschiedene Baumarten stehen auf einer Fläche von einem Hektar. Das sind unter anderem Esche, Ulme, Birke und Ahorn.

Für 86.000 Euro Wege instand gesetzt

Ronald Felgner liebt seinen Beruf. Genau schaut er sich in den 54 Abteilungen seines Waldes um, notiert welche Pflegemaßnahmen notwendig sind. Schwarze oder gelbe Markierungen an Bäumen bedeuten, jene dürfen nicht beschädigt werden. Er nennt sie Zukunftsbäume. Aber auch um das instand setzen der befahrbaren Wege muss sich Revierförster kümmern. Die Stadt gab dafür in diesem Jahr 86.000 Euro aus. Diese Gelder stammen aus einem Soforthilfeprogramm des Landes. Durch die Holzernte mit schwerem Gerät wie Harvester sind einige Wege in Mitleidenschaft gezogen wurden. Auf 68 Kilometer Straßen- und Bebauungsgrenzen muss der Förster ebenfalls achten. Die Verkehrssicherheit darf nicht gefährdet werden.

Der schönste Fleck für Ronald Felgner ist der Bereich von der Martinshöhe bis zum Spörlstein. „Dort kann ich schon das Ergebnis meiner Arbeit sehen, als ich vor 25 Jahren angefangen habe: artenreiche Mischwälder mit Douglasien und Weißtanne.“ Während die Spaziergänger im Wald die frische Luft aufsaugen, ab und an einen Hasen entdecken, spitzt der Förster das Ohr: „Je mehr Spechte ich höre, desto mehr Schädlinge gibt es.“