Bisschen Heimat steht auch in den Niederlanden im Fenster

Niederpöllnitz.  Niederpöllnitz hat Schwibbogen mit Motiven aus der Gemeinde anfertigen lassen.

Bernd Liebetrau, Vorsitzender des Heimatvereins Niederpöllnitz, hält einen von 75 Schwibbögen mit Niederpöllnitzer Motiven in der Hand. 

Bernd Liebetrau, Vorsitzender des Heimatvereins Niederpöllnitz, hält einen von 75 Schwibbögen mit Niederpöllnitzer Motiven in der Hand. 

Foto: Ilona Berger

Europaweit als Fliesen-, Platten- und Mosaikleger gearbeitet, ist André Stieghorst im osterzgebirgischen Schmiedeberg gelandet. Doch mit seiner Heimat Niederpöllnitz verbinden ihn die Eltern, der Bruder mit Familie und eine WhatsApp Gruppe ehemaliger Mitschüler vom Einschulungsjahrgang 1984. „Wir sind 24 Leute.“

Sie tauschen sich aus, wissen viel voneinander. So erfährt André Stieghorst immer das Neueste, auch was im Ort der Gemeinde Harth-Pöllnitz passiert. Aber dass seine Idee so gut ankommt, damit hätte er nie gerechnet. Rasant verbreitete sich der Vorschlag, einen Schwibbogen mit Motiven von Niederpöllnitz bauen zu lassen. Nicht nur die einstigen Klassenkameraden drängten. Einwohner schlossen sich an. Die Mund-zu-Mund-Propaganda funktionierte.

Es wurde nach Postkarten und alten Fotos mit Sehenswertem gekramt. Eine Fundgrube war die Heimatstube. Die Bilder wurden dem 42-jährigen Stieghorst, der sich nach einer Firma umschaute, zugeschickt. Er entdeckte sie in Schmiedeberg. Weil sich immer mehr Leute einen beleuchteten Schwibbogen zum Verschenken fürs Weihnachtsfest wünschten, nahm sich der Heimatverein der Aktion an. Aus 20 Bestellungen sind über 70 geworden. „Ich bat den Vorsitzenden Bernd Liebetrau um Hilfe, mir fehlte einfach die Zeit“, sagt André Stieghorst.

Kirche, Kulturhaus undTurmruine ausgewählt

Der Entwurf des Schmiedeberger Service-Ateliers begeisterte den Verein und er kümmerte sich fortan um das Vorhaben. „Als Motive für den Schwibbogen haben wird uns vorab für unsere Kirche, das alte Kulturhaus und die Turmruine mit spielenden Kindern davor, entschieden. Eine LED-Minilichterkette sorgt für ein festliches Flair“, berichtet Bernd Liebetrau. „Etwas Eigenes zu haben, erfüllt schon mit Stolz.“

„Um die zehn Stunden benötigte unsere Grafikerin allein für die Zeichnung. Fünf Stunden dauerte die Herstellung. Das Birkenholz darf nicht beschädigt werden. Wir verwenden verschiedene Furnierarten für Details wie die Dächer. Liebe zum Detail ist uns sehr wichtig“, erzählt Diana Schönberg, die Chefin des Ateliers.

„Etwa 100 Schwibbogen-Motive mit regionalen Sehenswürdigkeiten von Städten und Dörfern sind aus unserer Werkstatt gekommen.“ Ein Trend, der anhält.

Der Niederpöllnitzer Schwibbogen wird zur Adventszeit unter anderem Wohnungen in Berlin, Nürnberg und München schmücken. „So weit sind wir in Deutschland verstreut“, ergänzt André Stieghorst. Ein Exemplar wird in Sittard, einer Stadt im südlichen Teil der niederländischen Provinz Limburg, stehen. Dort wohnt ein Freund von Stieghorst.

Schwibbogen werden auch auf den Fensterbänken der Heimatstube Niederpöllnitz leuchten. Wegen Corona muss der geplante Adventsmarkt am 29. November vor dem Kulturhaus ausfallen. Der etwa acht Meter hohe Tannenbaum, er kommt in diesem Jahr aus Uhlersdorf, wird aber am 28. November vom Feuerwehrverein aufgestellt und dekoriert, ebenfalls der überdimensionale Schwibbogen aus Metall.

Viele Bürger bedauern, dass 2020 die Weihnachtsfeier der Vereine nicht stattfinden kann. „Wir halten Kontakt über die sozialen Netzwerke“, so Bernd Liebetrau.