5000 Liter Desinfektionsmittel für Gera: Chemiewerk Bad Köstritz als Helfer in Not

Gera.  Das Chemiewerk Bad Köstritz hat für den Katastrophenstab der Stadt Gera Desinfektionsmittel hergestellt.

Lars Böttcher, Geschäftsführer des Chemiewerkes Bad Köstritz.

Lars Böttcher, Geschäftsführer des Chemiewerkes Bad Köstritz.

Foto: Peter Michaelis / Archiv

In der Krise erwies sich das Chemiewerk Bad Köstritz als Helfer für den Katastrophenstab Gera. Ein Gespräch mit Chemiewerk-Geschäftsführer Lars Böttcher. Corona-Blog: Pandemie lässt Thüringer Export einbrechen - Zwei Schulen geschlossen

1. Wieso half das Chemiewerk mit Desinfektion aus?

Der Katastrophenstab der Stadt Gera war auf der Suche nach Desinfektionsmitteln und hatte uns angesprochen, ob wir sozusagen als Nachbarschaftshilfe solche herstellen können. Auch wenn unsere Anlagen nicht für solche Produkte geeignet sind, wollten wir helfen. Empfänger war und ist nur der Katastrophenstab der Stadt Gera. Meiner Kenntnis nach wurden die Mittel anschließend von der Berufsfeuerwehr Gera in kleine Kanister und Flaschen abgefüllt und an soziale Einrichtungen abgegeben. Seit Beginn der Pandemie haben wir circa 5000 Liter bereitgestellt.

2. Wie wurde das Mittel denn produziert?

Nach einem einfachen Rezept der WHO. Es besteht im Wesentlichen aus 80 Prozent Alkohol, Wasser sowie etwas Glycerin zur Hautpflege und einem „Schuss“ Wasserstoffperoxid, um eventuell vorhandene Mikrobiologie im Desinfektionsmittel selbst abzutöten. Wasserstoffperoxid zersetzt sich aber schnell und ist bei der Anwendung nicht mehr da. Im Wesentlichen ist es also ein reines Mischen dieser vier Komponenten im richtigen Verhältnis. Die Schwierigkeit war, die Rohstoffe, allen voran den 96-prozentigen unvergällten Alkohol, zu beschaffen. Der Katastrophenstab konnte den Alkohol bereitstellen.

3. Wäre die Produktion als „Standbein“ denkbar?

Wir stellen normalerweise nur anorganische Spezialprodukte her, da ist das für uns keine Option. Nur dank einer Allgemeinverfügung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin durften wir und andere Betriebe der chemischen Industrie hier überhaupt aushelfen. Im Juli hatten wir die letzte Charge „produziert“, seitdem kam keine weitere Nachfrage seitens der Stadt Gera. Falls notwendig, sind wir aber bereit, erneut zu helfen.