Der autonome Bus „Emma“ ruckelt in Gera um die Kurven

Gera-Lusan.  Jana Schumann, die bis vor kurzem eine Eisdiele in Gera betrieb, ist eine der vier Sicherheitsfahrer für den autonomen Bus.

Jana Schumann schult derzeit zur Sicherheitsfahrerin um. Am 14. Dezember startet die Testphase für den automatisierten Nahverkehr im Geraer Stadtteil Lusan.

Jana Schumann schult derzeit zur Sicherheitsfahrerin um. Am 14. Dezember startet die Testphase für den automatisierten Nahverkehr im Geraer Stadtteil Lusan.

Foto: Peter Michaelis

Wie auf einem Schiff steht Jana Schumann im selbstfahrenden Bus. Die Beine etwas weiter auseinander gestellt, dass sie ein mögliches Stocken gut abfedern kann. Gelb-Schwarz ist das Quadrat auf dem Busboden markiert, das ihr gehört. Sie nennt sich Operator und ist die Fahrerin, die eingreift, wenn die Technik Hilfe braucht.

Die 43-Jährige gehört zu den vier Sicherheitsfahrern, zwei Frauen und zwei Männer, die seit Montag und noch bis Freitag das Steuern von Emma, dem selbstfahrenden Bus aus Frankreich, lernen. Die vier Buchstaben stehen übrigens für elektrisch, mobil, markant, automatisiert. Angestellt sind die Fahrer bei der Fahrschule Fischer Academy. Auf jeder Pizza-Rechnung, die das Haus in der Heinrichstraße verließ, wurde für den Job geworben. Die TAG Wohnen steckte zudem Karten in die Briefkästen von 2000 Haushalten, erzählt Claudius Oleszak, Prokurist des Wohnungsunternehmens. Mindestens 21 Jahre sollten die Bewerber sein und seit drei Jahren den Führerschein der Klasse B haben.

Jana Schumann hat ihren Führerschein seit 20 Jahren und fährt gern Auto. Sie wurde über Social-Media-Plattform Facebook auf ihren neuen Job aufmerksam. „Dort habe ich das Video gesehen“, erzählt sie. Auch wenn sie aus heutiger Sicht von einer „spontanen Entscheidung“ spricht, erklärt sie, dass es „schon einen Moment gedauert“ habe. Letztlich hätten ihr Stammgäste geraten: „Mach du das doch“.

Dass die Geraerin neue Wege gehen will, entschied sie schon im Mai. Im ersten Lockdown kündigte sie den Pachtvertrag für ihre Milchbar an der Ecke Leipziger Straße/Sorge. Zehn Jahre stand sie dort hinterm Tresen. Ende Oktober hat sie zugemacht. „Ich bin erleichtert“, sagt sie, auch wegen des neuerlichen Lockdowns.

Am Mittwoch war sie mit Emma das erste Mal auf dem Rundkurs Ahornstraße – Eichenstraße – Nürnberger Straße – Parkplatz Einkaufszentrum und Zeulsdorfer Straße unterwegs. Zunächst im 5 km/h-Modus. Maximal 15 Stundenkilometer schnell soll der Bus dort ab Montag sieben Haltestellen anfahren, von 8.20 bis 17.33 Uhr. „Es fühlt sich noch total langsam an. Ich bin richtig froh darüber, wenn der Bus reagiert“, schildert sie. Zwei Joysticks hat sie auf einem gelben Pult vorm Bauch. Rechts und links steuert der eine, vor und zurück der andere. „Noch reagiert Emma ruckelig, wenn es um die Kurven geht“, sagt Frau Schumann.

Mehrmals musste eingegriffen werden, weil Fahrzeuge falsch parkten. Dann kann der Bus nicht die eingemessene Strecke nehmen und muss per Hand um das Hindernis herum gelenkt werden.

Auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums wird der Sicherheitsfahrer immer übernehmen. „Hier ist es sehr unübersichtlich, durch ein- und ausparkende Fahrzeuge. Heute entstanden komische Situationen, weil Autofahrer nicht so richtig wussten, was passiert. Emma reagiert langsam, ehe sie losfährt“, beschreibt Jana Schumann ihre Erlebnisse.

Trotz der neuen Technik hatte sie einen Blick für das Umfeld und entdeckte an der Haltestelle Stammkunden aus der Eisdiele, die sie im Bus wohl gar nicht vermuten.

Der Gastronomie will die 43-Jährige ganz den Rücken kehren. 25 Jahre war sie in dem Metier unterwegs. Vor der Selbstständigkeit vor allem im Bankett- und Tagungsbereich von Hotels in Rheinland-Pfalz, Sachsen und Bayern. Voraussichtlich bis zum Februar 2021 sollen die Testfahrten mit einer Unterbrechung in der Weihnachtsfahrt laufen. „Danach möchte ich gern versuchen, beim Geraer Verkehrsbetrieb eine Umschulung zur Straßenbahnfahrerin zu machen“, sagt sie. Noch hat sie sich dafür nicht beworben und auch keine Zusagen. Würde sie irgendwann einmal auf der Linie 3 eingesetzt, könnte sie dann an ihrer früheren Eisdiele vorbeifahren. Das Haus gehört seit dem Frühjahr dem Horten-Eigentümer.