Drogenprozess in Gera: „Das gibt es nur in James-Bond-Filmen“

Gera.  Wie eine Drogendealerin aus Gera die Zivilfahnder der Polizei enttarnt: Ein Prozess am Amtsgericht Gera gibt Einblicke ins Drogenmilieu.

Blick auf das Justizzentrum in Gera.

Blick auf das Justizzentrum in Gera.

Foto: Tino Zippel

Das Amtsgericht Gera hat am Donnerstag eine Drogendealerin aus Gera zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Weil die 29 Jahre alte Angeklagte voll geständig war, setzte das Schöffen­gericht die Strafe zur Bewährung aus. Die Frau hatte der Polizei wertvolle Ermittlungshilfe geleistet.

Mit Marihuana-Verkauf den Eigenkonsum finanziert

Die Frau kooperierte schon nach einer Hausdurchsuchung im Dezember 2019 umfassend mit den Ermittlungsbehörden, weil sie hoffte, so ihr Kind zurückzubekommen. Das Jugendamt hatte durch die Durchsuchung Kenntnis erlangt, dass die Frau über ein Jahr im Drogengeschäft aktiv war und deshalb das Kind entzogen. Die Frau handelte stets mit kleinen Mengen Marihuana, von dessen Verkauf sich die Hartz-IV-Empfängerin den Eigenkonsum finanzierte.

„Oft haben mich andere Eltern gefragt, ob ich etwas von der für mich gekauften Menge abgebe. Deshalb habe ich angefangen, sie vorm Einkaufen zu fragen, ob sie etwas brauchen“, sagt die Frau, die Erzieherin werden wollte, aber den Lehrgang zur Sozialbetreuerin wegen einer Schwangerschaft abbrechen musste. Außer einer Stelle im Bundesfreiwilligendienst fand sie bislang keine andere Arbeit.

Jugendamt nimmt der Angeklagten das Kind weg

Sie verkaufte die Drogen auch in ihrer Wohnung. „Ich muss den Topf auslöffeln, den ich mir eingebrockt habe, und akzeptieren, dass Handel mit Marihuana strafbar ist“, sagt die Frau, die Sympathie für eine Legalisierung der Droge äußerte. Um ihr Kind zurückzubekommen, hat die Angeklagte in diesem Jahr bereits eine Entgiftung absolviert.

Ratgeber für Profis, wie man nicht auffällt, gefunden

In ihrer Wohnung hatten die Ermittler Ende 2019 Drogen gefunden, die unter anderem im Backofen versteckt waren. Zudem entdeckten sie einen „Ratgeber für Profis, wie man nicht auffällt“. Die Frau hatte zudem die Kennzeichen von zivilen Polizeifahrzeugen samt Namen der Besatzung auf Zetteln notiert. „Die standen in unserer Straße und waren ehrlich gesagt sehr auffällig“, sagt die Frau, die auch digitale Kennzeichentafeln bei den Polizeiwagen gesehen haben will, die sich während der Fahrt verändert haben. „Möglicherweise haben die Drogen Halluzinationen ausgelöst“, sagt Staatsanwältin Jana Kohlros. „Das gibt es nur in James-Bond-Filmen“, ergänzt der Vorsitzende Richter Siegfried Christ.

Die Staatsanwältin plädiert auf ein Jahr und vier Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung. Verteidiger René Palm schließt sich an – das Gericht folgt dem Antrag. Als Bewährungsauflage benennt Christ eine stationäre Drogentherapie. Zudem muss die Frau zwei unangekündigte Drogenscreenings negativ überstehen und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Das Urteil ist rechtskräftig.