Vier Jahre eingeplant: Ältestes Fachwerkhaus in Gera wird saniert

Gera-Untermhaus.  Ein Abenteuer Geraer Baugeschichte: Schon vor 67 Jahren wird das Gebäude als baufällig beschrieben. Umso mehr überrascht, was noch zu retten ist.

Der Westgiebel des ältesten Hauses von Gera-Untermhaus vom  Hof des Otto-Dix-Hauses aus gesehen. Alte Fachwerkbalken wurden bewahrt. Neue, wo erforderlich, ergänzt.

Der Westgiebel des ältesten Hauses von Gera-Untermhaus vom Hof des Otto-Dix-Hauses aus gesehen. Alte Fachwerkbalken wurden bewahrt. Neue, wo erforderlich, ergänzt.

Foto: Sylvia Eigenrauch

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Neben der Marienkirche in Untermhaus hat sich ein Untermhäuser dem ältesten Haus des Stadtteiles am Gries 5 angenommen, das zugleich das älteste Geraer Fachwerkhaus ist. Einst gehörten zu ihm Elemente eines Umgebindehauses. Einige will der Eigentümer jetzt retten.

Farn wuchs schon in den Zimmern

Das Dach war eingebrochen und Farn wuchs schon in den Zimmern als Immobilienmakler Silvio Dietsch sich zur Sanierung des Denkmales entschloss. „Es war eine Vollkatastrophe“, beschreibt er den Zustand, den er als Herausforderung sah. Seit sechs Jahren widmet er sich auch der Projektentwicklung. Und dieses Haus hatte es ihm schon länger angetan.

Die Wetterfahne von 1519 ist verschollen

500 Jahre alt ist der Fachwerkbau auf einem Natursteinsockel. Zumindest ist das aus der Wetterfahne zu schlussfolgern, die einst den sechseckigen Treppenturm schmückte. Von ihr berichtet auch Klaus Brodale, der frühere Stadtarchivar, in seinem Buch „Bausteine zur Ortsgeschichte in Untermhaus und Cuba“. Dass die Wetterfahne im Städtischen Museum bewahrt wird, vermerkte Clement Toepel, der 1953 bis 1971 das Museum leitete, auf einer Fotocollage des Hauses aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Trotz umfangreicher Recherchen konnte Matthias Wagner, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stadtmuseum, nicht ermitteln, wo sie heute aufbewahrt wird. Silvio Dietsch hat sie inzwischen nach alten Fotos neu arbeiten lassen. In Kupfer.

Mehr Bauteile als erwartet, können erhalten werden

Auf der Baustelle begann voriges Jahr der Rückbau. Vier Monate lang. Danach startete das abenteuerliche Herantasten an die Substanz. „Wir haben das Konzept schon drei oder viermal umgeschrieben, weil mehr erhaltenswürdig ist“, sagt Silvio Dietsch, der den Architekt Thomas Hopp an seiner Seite weiß. Inzwischen hat der Westgiebel wieder festen Stand und zeigt seine Fachwerkkonstruktion. „Das ist der eigentliche Schatz. Diese Konstruktion“, sagt Dietsch. Wie der Westgiebel soll auch der Ostgiebel das sanierte Haus schmücken. Doch zum Gries gähnt derzeit ein Loch.

Hier war offensichtlich später das Umgebindehaus angebaut worden. Davon übrig seien noch die beiden Holzbohlendecken. Deren Balken und Bretter wurden ausgebaut. Derzeit begutachtet ein Fachmann, ob beide erhalten werden können. „Ich habe hier absolute Vollprofis an Bord“, sagt der Makler, der alle beauftragten Geraer Handwerker von anderen Baustellen kennt. Ins Schwärmen gerät er auch über die „harmonische Zusammenarbeit“ mit den Mitarbeitern der Städtebauförderung und Denkmalschutzbehörde in der Geraer Stadtverwaltung.

Bis zu vier Jahre kann die Sanierung dauern

Dass die Sanierung bis zu vier Jahre dauern kann, davon geht der 50-Jährige heute aus. Beim Ausfachen mit Lehm oder beim Putzen mit diesem Naturmaterial will er selbst zupacken. 160 Quadratmeter Wohnfläche auf drei Ebenen sollen entstehen. Die Nutzung des Dachgeschosses ist eine Kompromisslösung. Sonst wäre der Bau nicht wirtschaftlich, sagt der Untermhäuser, der über die Investitionssumme nicht spricht aber froh sei, dass er Städtebaufördermittel einsetzen kann. Ein neues Treppenhaus wird gebaut und die vorhandene Wendeltreppe im Turm saniert.

„Es ist herzerwärmend, wenn ich erlebe, wie ältere Untermhäuser mir von ihren Erlebnissen mit diesem Haus erzählen. Jetzt sind sie gespannt, wie es weitergeht“, erzählt Makler Dietsch.

Kommentar: Das Alte darf überdauern

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