Ein buntes Lädchen in Weida wird 30 Jahre alt

Weida.  Annett Marschallek eröffnete 1990 ihr Geschäft in Weida und hielt trotz einiger Tiefen bis heute durch.

Heike Kunz von der IHK (links) überreicht die Urkunde zum 30-Jährigen Bestehen an Annett Marschallek in deren Bunten Lädchen.

Heike Kunz von der IHK (links) überreicht die Urkunde zum 30-Jährigen Bestehen an Annett Marschallek in deren Bunten Lädchen.

Foto: Marcel Hilbert

2020 ist ein besonderes Jahr für Annett Marschallek. Sie ist Oma geworden, feiert im Dezember runden Geburtstag und „am 20. März vor genau 30 Jahren durfte ich meine Gewerbegenehmigung aus dem Rathaus holen“. Das Datum ist der Weidaerin deshalb so präsent, da sie am 20. März dieses Jahres ihren Laden „Maschas Buntes Lädchen“ vorerst schließen musste. Corona. „Es ist ein komisches Jahr“, bringt es die freundliche Geschäftsfrau auf den Punkt, als sie am Donnerstagvormittag die Urkunde der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostthüringen zum 30-jährigen Bestehen entgegen nehmen darf.

Die Zwangspause in diesem Jahr, bis 24. April, darf sicher zu den Tiefs gezählt werden, von denen es reichlich gegeben habe, wie sie erzählt. Dass sie sich trotzdem durchgebissen und ihren Optimismus nicht verloren hat, das macht sie im Rückblick schon stolz.

Aber von vorn: „Geboren in Weida, aufgewachsen in Weida, 1987 habe ich in Gera Gebrauchswerber gelernt, heute würde man Schaufensterdekorateur sagen“, verrät Annett Marschallek, die seit Kindertagen den Spitznamen Mascha trägt. 1989 war sie fertig mit der Lehre, „dann kam der ganze Umbruch“. Nach einigem Überlegen spielte sie mit dem Gedanken, ein Werbebüro zu gründen. „Mein Vater, Rallyefahrer, lernte in der Wendezeit den Motorsportverein in Naila kennen und dort wiederum einen fränkischen Händler, der fragte, ob ich nicht Kommissionsware im Bereich Deko und Geschenkartikel anbieten wolle.“

Die Idee verfing. „Ich habe dann mein Sparbuch geplündert und selbst noch Holz- und Keramikwaren eingekauft und dann am 3. September 1990 meinen Laden eröffnet.“ Sie macht eine kurze Pause und erzählt dann: „Die Menaschen standen Schlange und am Abend war der Land halbleer gekauft.“ Das war noch in der Stegstraße 2 in Weida, wo sie die ersten fünf Jahre ihre bunte Ware anbieten konnte.

Es folgte der Umzug in die Poststraße 2a, wo sie heute noch verkauft. Allerdings, räumt sie ein, war dies nicht leicht und sie sei nicht nur einmal fast gescheitert. „Ich habe auf jeden Fall gelernt, wie wichtig es ist zu kommunizieren, wenn es zum Beispiel Schwierigkeiten gab, Rechnungen zu bezahlen.“ Nachdem sie einige Zeit fast ausschließlich für die Ladenmiete arbeitete und sich in zusätzlichen Nebenjobs fast aufrieb, sei ihr der Vermieter stark mit der Miete entgegen gekommen. Die Motivation weiterzumachen sei ganz viel von außen gekommen, sagt Annett Marschallek, sie habe große und bedingungslose Unterstützung von Freunden gespürt.

Ihre Mutti, die schon damals im Laden half, als sie nebenher zum Beispiel im Weidaer Café Sieben arbeitete, würde sie auch heute noch unterstützen, in dem sie für den Laden kreativ ist und Dinge näht. Ansonsten schmeißt sie den Laden allein. Deko- und Geschenkartikel, Bastelsachen, „Genussartikel“ wie Wein und ähnliches, aber auch Pokale hält sie auf etwa 90 Quadratmetern parat – eben ein buntes Lädchen. Während die Muttis stöbern können Kinder in der Malecke kreativ sein, einige der Bilder hat Annett Marschallek geschenkt bekommen und über die Kasse gehängt.

Wichtiges Standbein ist neben dem Verkauf aber der Service. Als Geschenkladen biete sie das stilvolle Verpacken als gesonderte Dienstleistung an, insbesondere für gestaltete Geldgeschenke als Alternative zum Umschlag. „Ein Laden lebt von Dingen, die man nicht im Internet bekommt“, sagt die Weidaerin. Und zählt hier durchaus auch die zwischenmenschliche Note dazu. „Wir haben viel Stammgäste und viele schätzen das kleine Gespräch nebenher.“

Die gab es in der Corona-Zwangspause freilich nicht. Dank der Soforthilfe, sagt die Geschäftsfrau, konnte sie sich finanziell über Wasser halten. Nach der Wiedereröffnung sei das Geschäft dann glücklicherweise wieder gut angelaufen. Zum runden Geschäftsgeburtstag hatte sie sich überlegt auf Werbeanzeigen, Rabattaktionen und Sekt zu verzichten und spendete stattdessen 250 Euro für den Wünschewagen des ASB, der davon letzte Wünsche für Schwerkranke erfüllen möchte.