Ein Hoch auf kriminalistisches Gespür in Gera

Gera.  Echtes Interesse an der Dokumentation alter Mordfälle in Gera bescheinigt Hans Thiers dem Publikum der Buchreihe, in der der 3. Band erscheint.

Zur Leipziger Buchmesse im März erscheint der dritte Band von „Mordfälle im Bezirk Gera“ von Hans Thiers. Der Autor steht in der Geraer Marienstraße, wo sich zwischen 1960 und 1990 eines der dokumentierten Verbrechen ereignete.

Zur Leipziger Buchmesse im März erscheint der dritte Band von „Mordfälle im Bezirk Gera“ von Hans Thiers. Der Autor steht in der Geraer Marienstraße, wo sich zwischen 1960 und 1990 eines der dokumentierten Verbrechen ereignete.

Foto: Peter Michaelis

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Hans Thiers ist ein gefragter Mann. Der Kriminalrat a. D. hat alle Hände voll zu tun, alle Termine für dieses Jahr unter einen Hut zu bekommen. Mit seinem pünktlich zur Leipziger Buchmesse erscheinenden dritten Buch „Mordfälle im Bezirk Gera III“ kommen nun noch etliche Lesungen, Buchvorstellungen, Krimi-Dinner-Abende und „Krimi Kultur Touren“ mit Gästeführer dazu.

Thiers widmete sich zwei Jahre lang der Recherche von 23 Tötungsverbrechen der Jahre 1960 bis 1990. Wieder hat er in aufwendiger Feinarbeit ein fundiertes Sachbuch erarbeitet, das eine saubere, objektive Dokumentation liefert. „Ich bin immer darauf bedacht, nur Fälle zu beschreiben, die sich mit Dokumenten untersetzen lassen, denn es geht darum, echtes kriminologisches Vorgehen darzustellen“, sagt er und kündigt Auszüge von Tatortbefundsberichten, Protokolle von Vernehmungen, Passagen gerichtsmedizinischer Gutachten und polizeilicher Maßnahmepläne an, die die Aufklärung der Mordfälle plastisch machen. Die Entscheidung darüber, was im Buch landet, hängt von den Fakten, der kriminalistischen Taktik und der Geständnisbereitschaft der Täter ab. „Aber es sind auch Fälle dabei, deren Aufklärung kompliziert oder ohne Erfolg war“, erklärt der Autor.

Echtes Interesse statt schnöde Sensationsgier

Etwa 20.000 Besucher verfolgten seit 2014 schon seine rund 350 Lesungen in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Und das Interesse bricht nicht ab: 2020 stehen rund 50 Termine an. Noch immer ist der Geraer überrascht über die große Resonanz der Öffentlichkeit. Dennoch geht er vom Erfolg des dritten Bandes aus, da ihm das Publikum statt mit schnöder Sensationsgier immer wieder mit echtem Interesse an den Mordfällen begegnet und sich oft noch selbst an die Umstände der alten Taten erinnert. Thiers’ detailverliebte Aktensuche im Thüringer Staatsarchiv in Rudolstadt ist da unverzichtbares Mittel, den Menschen mittels wissenschaftlicher Aufarbeitung von den Tötungsverbrechen zu erzählen.

Noch immer liegt dem studierten Diplomkriminalisten die Aufklärungsquote der Fälle am Herzen. 1980 bis 1990 leitete er die Morduntersuchungskommission, weiß also, wovon er spricht. „Mir saßen damals viele Mörder gegenüber“, erzählt er und spricht von einem gewissen Stolz, der die Aufklärungsarbeit begleitet hat. „Die Täter sind unter uns. Um ihre Verbrechen aufklären zu können, muss man sachlich bleiben, das ist ganz wichtig“, sagt er auf die Frage, wie es ihm gelingt, zu den Geschehnissen Distanz zu halten. Als Familienvater sei er aber immer doppelt motiviert gewesen, Täter einer gerechten Strafe zuzuführen. Persönlich erinnert er sich vor allem an die Morde, die noch immer nicht geklärt sind oder deren Täter nie ermittelt werden konnten.

Buch ist dritter und letzter Band

Weil ihn sein Verleger Michael Kirchschlager überredete, hat Hans Thiers überhaupt dieses Buch in Angriff genommen – quasi als Festgabe zum 25-jährigen Jubiläum des Arnstädter Verlages. Es soll nun aber definitiv sein letzter Mordfälle-Band sein. „Für mich geht es nicht um den Unterhaltungswert, sondern um die sachlich korrekte Aufarbeitung historischer Fälle. Krimis schreiben kommt für mich also auch nicht in Frage“, erteilt der frühere Kriminalist Fragen nach weiteren literarischen Ambitionen eine Abfuhr.

Nächste Termine zum Buch:

21.3., ab 10 Uhr: Autogrammstunde und Lesung im Ortsteilbüro Langenberg

1.4., 19.30 Uhr: Buchpräsentation in der Bibliothek Gera

3.4., 18 Uhr: Krimi-Dinner in der Küche im Keller

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