Einfach und klar

Der Gebrauchsgrafiker Günter Kerzig kreiert in den 60er Jahren für Gerana Werbemittel und den ba-du-san-Fisch. Die Verpackung, die zum Spielzeug wird, ist ein Design-Klassiker.

Günther Kerzig, der Erfinder des Badusan-Fisches im Museum für Angewandte Kunst Gera. Foto: Martin Gerlach

Günther Kerzig, der Erfinder des Badusan-Fisches im Museum für Angewandte Kunst Gera. Foto: Martin Gerlach

Foto: zgt

Gera Rund 250 Exponate zur Werbegrafik in der DDR von 1950 bis 1970 zeigt gegenwärtig die Ausstellung "Zwischen Johanna und Klementine" im Museum für Angewandte Kunst. Einige stammen vom Geraer Gebrauchsgrafiker Günter Kerzig, Jahrgang 1932, der seit Anfang der 60er Jahre in Gera tätig ist. Sie zeigen natürlich nur einen winzigen Ausschnitt aus Kerzigs rund 50 Schaffensjahren.

Wie sehr Werbung dem Zeitgeist verpflichtet ist, lässt sich "Zwischen Johanna und Klementine" gut beobachten. Andererseits wirken manche Exponate erstaunlich zeitlos, darunter auch die von Günter Kerzig. Als der junge Gebrauchsgrafiker 1960 nach Gera kam, wurde er sofort als Atelierleiter bei der Dewag eingestellt. Bis 1969 war er für die - der lange Name lautet: Deutsche Werbe- und Anzeigengesellschaft - tätig. Seine Zeit als Atelierleiter dort sei auch die Hauptzeit seiner Zusammenarbeit mit Gerana Kosmetik gewesen, erzählt er. Als deren Höhepunkt, das kann man heute ohne Übertreibung sagen, entstand ein Design-Klassiker: der ba-du-san-Fisch. Ein Spielzeug für die Badewanne, das man als Schaumbadverpackung kauft.

Eine solche Idee war 1964 nicht neu, als Kerzig diesen Auftrag übernahm. Solche Spielzeugserien seien damals im Westen bereits gang und gäbe gewesen, sagt Günter Kerzig. Meist waren das disneyartige Figuren mit großen Köpfen. Davon wollte er bewusst abgehen. Zudem - und sie steht natürlich auch in der Vitrine neben dem Fisch - habe es ja bereits die ba-du-san-Flasche in Nierenform seines Kollegen Helmut Montag gegeben. Sie hat bereits diese weiße Verschlusskappe. Die Vorgabe war diese Kappe wegen des Wiedererkennungswertes beim Spielzeug beizubehalten. Auch nimmt der Fisch die Grundform der Nierenflasche in gewisser Weise auf. Die Nierenform wiederum war Anfang der 60er Jahre absolut modern. Man denke nur an die berühmten Nierentische. Vielleicht muss man sich für diese Zeit auch noch vor Augen führen, dass damals ein gesamtes Sortiment Körper- und Schönheitspflegeprodukte gut in ein kleines Drogerieregal passte.

Das Schaumbad von Gerana war ein absolutes Luxusprodukt. Die Verpackungen haben die Ausstellungsdesigner so platziert, dass man recht gut den alten Preis lesen kann: 12.95"Mark. Das war ein Wahnsinnspreis, sagt Kerzig. Und es sei auch ein Wahnsinnsaufwand bei der Verpackung getrieben worden. So war ursprünglich die Nierenflasche in einer ovalen Schachtel verpackt, die vom Buchbinder mit der Hand hergestellt wurde. Allein die Schachtel kostete schon ein paar Mark. Als dann mehr Schaumbad hergestellt wurde, sei man von dieser aufwendigen Verpackung abgekommen. Kerzig entwarf eine Faltschachtel, die nicht so teuer war. Allerdings wurde das Schaumbad weiter für 12.95"Mark verkauft. Erst mit der Rosa-Schachtel sank der Preis auf 6 Mark.

Doch zurück zum Fisch, den man, gefüllt mit 200 ml ba-du-san, auch heute noch kaufen kann. Allerdings wird er nicht mehr von Gerana produziert, der Betrieb existiert ja nicht mehr. Wie der Gestalter Fischform und Füllmenge damals in Einklang brachte, war mühsam, aber auch verblüffend. Nachdem er mit vielen Skizzen die Fischform gefunden hatte, baute Kerzig seinen Fisch aus Gips, lackierte ihn und ermittelte per Wasserverdrängung die Füllmenge. Im Prinzip habe er solange probiert, bis sie in etwa stimmte.

Später gab es dann nicht nur Fisch und Ente und nicht mehr nur in grün, das Kerzig gewählt hatte, weil das Bad nach Konifere duftet. Selbst ein Sparschwein war eine Zeit lang im Angebot, doch mit diesen "Viechern" habe er nichts mehr zu tun gehabt. Als vor ein paar Jahren ba-du-san wieder auf den Mark kommen sollte, hat Kerzig nicht nur genehmigt, dass sein Fisch verwendet werden kann, er hat auch seinen eigenen Fisch zur Verfügung gestellt, damit ein Werkzeug für die Produktion hergestellt werden konnte. Übrigens unterscheidet sich der "neue" vom "alten" Fisch etwas in der Verschlusskappe. Gab es beim "Alten" unter der Kappe noch einen Schraubverschluss, verschließt beim "Neuen" die Kappe den flüssigen Inhalt. Damit man sie beim Auf- und Zudrehen gut greifen kann, hat sie nun Riffeln.

Sicher ist Kerzigs Credo, ein Produkt einfach und klar in Szene zu setzen, das Geheimnis, warum seine Arbeiten in 50 Jahren keinen Staub angesetzt haben. Über seine Arbeit, seine Art zu gestalten und über Werbegrafik in der DDR von 1950 bis 1970 sprechen er und andere Gebrauchsgrafiker am 2. Februar, 16 Uhr, im Museumsfoyer.

! Museum für Angewandte Kunst, dienstags bis sonntags, 11 bis 18 Uhr

Bild 1: 1964 entwickelte der Gebrauchsgrafiker Günther Kerzig für Gerana

Baden mit badusan, badusan... - DDR- Werbegrafik in Gera zu sehen
Baden mit badusan, badusan... - DDR- Werbegrafik in Gera zu sehen
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