Fortsetzung geplant: Fahrgäste nehmen Gera-Intercity gut an

Gera.  Seit einem Jahr ist Ostthüringen wieder ans Fernverkehrsnetz auf der Mitte-Deutschland-Schiene angebunden: Auch im neuen Jahr fahren Intercity dank des Freistaates Thüringen.

Ein Intercity nach Düsseldorf wartet am Geraer Hauptbahnhof auf die Abfahrt.

Ein Intercity nach Düsseldorf wartet am Geraer Hauptbahnhof auf die Abfahrt.

Foto: Tino Zippel

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Nach einem Jahr haben sowohl die Deutsche Bahn als auch das Thüringer Infrastruktur­ministerium ein positives Fazit für den Gera-Intercity gezogen. Seit Dezember 2018 ist die Stadt damit wieder ans Fernverkehrsnetz angeschlossen. Das Land lässt sich diesen Status einiges kosten.

Seit Dezember 2018 endet die Intercity-Linie aus dem Ruhrgebiet nicht mehr in Weimar, sondern fährt weiter über Jena nach Gera und hält auch in Stadtroda und Hermsdorf-Klosterlausnitz. „Die Angebotsausweitungen werden von den Fahrgästen positiv aufgenommen, daher hat sich die Verlängerung der Intercity-Linie nach Gera aus Sicht der Deutschen Bahn bewährt“, sagt Bahnsprecher Jörg Bönisch.

Land Thüringen leistet Ausgleichszahlung

Die Besonderheit besteht darin, dass zwischen Erfurt und Gera auch Nahverkehrstickets für die Züge gelten. Dafür kassiert die Deutsche Bahn eine Ausgleichszahlung. „Durch den integrierten Fernverkehr konnte ein wichtiger Beitrag dazu geleistet werden, Ostthüringen wieder an den Fernverkehr anzubinden“, sagt Antje Hellmann, Sprecherin des Infrastruktur­ministeriums. Das Land investiere rund 750.000 Euro pro Jahr in dieses Angebot.

Genaue Fahrgastzahlen möchte Bahnsprecher Bönisch nicht nennen. Aus Wettbewerbsgründen veröffentliche die Deutsche Bahn keine relationsbezogenen Fahrgastzahlen im Fernverkehr. „Die Züge zwischen Erfurt und Jena sind stärker ausgelastet als die zwischen Jena und Gera“, fügt er als Einschätzung an.

Schweigen über die Zahl der ausgefallenen Fahrten

Noch fehlt die Oberleitung zwischen Weimar und Gera. Dieselloks ziehen die Fernverkehrszüge. Der Traktionswechsel zwischen Diesel- und Elektrolokomotive in Gotha habe sich bewährt. „Die notwendigen Prozesse laufen stabil“, sagt Bönisch. Drei Intercity fahren täglich ab und nach Gera. Verschlossen gibt sich die Deutsche Bahn auf die Frage, wieviele der Fahrten ausgefallen sind. Die Betriebsstabilität der Fernverkehrszüge auf der Mitte-Deutschland-Schiene liege über dem Bundesdurchschnitt, so die Auskunft.

84 Prozent der Fernverkehrszüge haben den Angaben zufolge Gera pünktlich erreicht – damit liegt die Pünktlichkeit der Züge über dem Bundesdurchschnitt. Allerdings kamen demnach auch gut 15 Prozent der Züge mehr als sechs Minuten zu spät an - oder kamen tatsächlich gar nicht in Gera an. Im November streikte die planmäßige Diesellok.

Weil die Ersatzlok ebenfalls in der Werkstatt stand, konnten die Züge über einen Umweg nur bis Jena-Göschwitz fahren. „Es finden regelmäßige Abstimmungen mit DB Fernverkehr statt, bei denen das Land auf eine gute Angebotsqualität hinwirkt. Insbesondere sollen auch bei Bauarbeiten die Reiseketten von Erfurt über Jena nach Gera sichergestellt werden“, sagt Ministeriumssprecherin Hellmann.

Weiterer Ausbau der Linie geplant

„Die direkte Reiseverbindung zwischen Kassel, Erfurt und Gera ist ein weiterer Schritt zu mehr Fernverkehr in den Regionen gemäß der Unternehmensstrategie ,Starke Schiene‘“, sagt Bahnsprecher Bönisch. Die Deutsche Bahn verwirkliche mit der Verlängerung der IC-Linie auf der Mitte-Deutschland-Verbindung nach Gera einen weiteren Schritt zum Zielkonzept: Die langfristig von Aachen bis nach Chemnitz geplante IC-Linie soll neue Fernverkehrsverbindungen auf der Ost-West-Achse schaffen und Ballungszentren wie das Rheinland und das Ruhrgebiet mit mittel- und ostdeutsche Städte besser miteinander verbinden.

Auch im neuen Fahrplanjahr wird die Deutsche Bahn wird das bisherige Fahrplanangebot von drei täglichen Fahrten je Richtung aufrechterhalten. Um mehr Fahrten im Sinne eines regelmäßigen Taktverkehrs anbieten zu können, sei die Elektrifizierung des 115 Kilometer langen Streckenabschnitts Weimar–Gera–Gößnitz notwendig. „Erst nach dieser erfolgten Infrastrukturmaßnahme ist eine Ausweitung der Verbindungen realisierbar“, sagt Bönisch.

Die Deutsche Bahn plant, dass die Oberleitung im Jahr 2028 in Betrieb gehen soll.

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