Feuerwehrleute hätten sterben können - Innenminister fordert harte Strafen nach Anschlag in Gera

Gera/Bad Köstritz  Nach dem Anschlag bei einem Löscheinsatz auf Feuerwehrleute in Gera hat Thüringens Innenminister harte Strafen für die Täter gefordert. Der Polizei fehlt bisher jedoch eine erfolgversprechende Spur zu den Tätern.

Feuerwehrleute bei dem Großbrand in der Geraer Innenstadt.

Feuerwehrleute bei dem Großbrand in der Geraer Innenstadt.

Foto: Bodo Schackow

Nach dem Anschlag auf Feuerwehrleute bei einem Löscheinsatz in Gera hat Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) harte Strafen gefordert. Sollten die Täter gefasst werden, hoffe er, dass „die Justiz dazu auch den Mut aufbringt“, sagte er gestern dieser Zeitung. Für die Einsatzkräfte habe Montagabend Lebensgefahr bestanden.

Unbekannte hatten an mehreren Hydranten das Wasser abgedreht, als Feuerwehrleute einen Brand in einem leer stehenden Fabrikgebäude am Bahnhof löschen wollten.Die Einsatzkräfte überstanden den Anschlag unbeschadet. Sie hätten allerdings sterben können, machte gestern der Leiter der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule in Bad Köstritz (Kreis Greiz), Jörg Henze, deutlich. Bei einem Besuch des Ministers in der Einrichtung unterstützte er Forderung nach harten Strafen.

„Man muss sich einmal vorstellen: Da riskieren ehrenamtliche Feuerwehrleute ihr Leben, um einen Brand zu löschen, und dann wird ihnen das Wasser abgedreht“, ärgerte sich der Experte. „Ohne Löschwasser können sich die Flammen rund um die Feuerwehrleute sofort wieder ausbreiten und im schlimmsten Fall den Frauen und Männern ihren sicher geglaubten Rückweg abschneiden.“

Atemluft reicht für maximal 20 Minuten

Das sei extrem gefährlich, weil die Einsatzkräfte nur für etwa 20 Minuten Atemluft mit sich führten. In der verbleibenden Zeit in einen unbekannten Gebäude einen neuen Ausweg zu finden, wäre kaum möglich. „Gelinge das nicht, ersticken die Feuerwehrleute oder verbrennen“, macht Jörg Henze die drastischen Folgen deutlich.

Denn mit den erneuten Aufflammen des Feuers steigen auch wieder die Temperaturen stark an. Die Einsatzkleidung biete aber nur für eine gewisse Zeit Schutz, könne den Flammen aber nicht dauerhaft standhalten, ergänzt der Schulleiter.

Minister Maier: „Es ist beängstigend, wie schnell das geht.“

Maier stimmte gestern dieser Schilderung zu. Er hatte zuvor an der Ausbildungsstätte in einer Brandsimulationsanlage selbst erfahren, wie es ist, wenn Löschwasser plötzlich ausbleibt und die Flammen wieder hochzüngeln. Es sei beängstigend, wie schnell das gehe, sagte der Minister anschließend.

Die Polizei in Gera hat von Amts wegen Ermittlungen aufgenommen. Zudem erstattete die Stadt Gera Anzeige. Zu Hintergründen und möglichen Tätern liegen bisher noch keine Erkenntnisse vor, sagte gestern ein Polizeisprecher.

20 Feuerwehrleute Opfer von Straftaten

Im Vorjahr wurden 20 Feuerwehrleute Opfer von Straftaten. Unter anderem kam es zu sieben Körperverletzungen und fünf Bedrohungen, erklärte das Innenministerium. Zudem erlebten 69 Mitarbeiter von Rettungsdiensten Angriffe. 32 von ihnen erlitten Körperverletzungen, neun wurden bedroht. Insgesamt erfasste die Polizei 54 Straftaten gegen Rettungssanitäter und Notärzte in Thüringen.

„Leben der Einsatzkräfte gefährdet“: Unbekannte drehen bei Großbrand in Gera Hydranten zu

„Wütend über soviel Dummheit“: Anzeige gegen Lösch-Saboteure nach Großbrand in Gera

Zu den Kommentaren