Florentine mag Flaschendrehen in Rubitz

Gera-Rubitz.  Der ASB-Besuchshundedienst ist mehrmals im Landgut Rubitz.

Der Besuchshundedienst des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) war  im Seniorenpflegeheim Landgut Rubitz zu Gast. Ihr Florentine beim Flaschendrehen,

Der Besuchshundedienst des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) war im Seniorenpflegeheim Landgut Rubitz zu Gast. Ihr Florentine beim Flaschendrehen,

Foto: Peter Michaelis

„Die sind treuer als mancher Mann. Deshalb mag ich sie“, sagt Marianne Schmidt in die Runde. Gekicher. Sie streichelt Keks. Flugs verschwindet das Leichtgewicht vom Schoß der 87-Jährigen. „Typisch männliches Wesen, die wissen nicht, was sie wollen.“ Schallendes Gelächter. Der 2,5 Kilogramm schwere Chihuahua sucht sich eine Neue. Sie ist erst 82 Jahre. „Bei mir bleibt er sitzen“, behauptet Waltraud Scheffler. „Keks kann ja in jedes Loch kriechen, so klein ist er. Ich hatte mal einen Collie. Lang ist es her.“

Wöchentlich kommendie tierischen Gäste

Die 82-Jährige sowie andere Bewohner treffen sich gern, wenn sich der ASB-Besuchshundedienst im Seniorenheim Landgut Rubitz anmeldet. „Eine angenehme Abwechslung“, sieht Günther Tatsch die Stuhlrunde. Er ist fast 91 Jahre, stammt aus Bad Köstritz und lebt schon zwölf Monate hier. „Ich bin in der Landwirtschaft aufgewachsen mit Rindern, Schweinen und eben Hunden“, erklärt der gelernte Eisenbahner seine Verbundenheit zu Tieren. Er fügt an: „Tiere sind die besseren Menschen. Wirklich.“

Wöchentlich kommen die Gäste auf vier Pfoten ins Heim. Sie werden schon freudig im Saal mit Leckerli und Schmuseeinheiten erwartet. Heute sind gleich sechs tierische Besucher da, die sich bedingungslos auf die Bewohner einlassen. „Die Hunde schauen weder nach Äußerlichkeiten noch nach Beeinträchtigungen. Sie wenden sich an jeden. Ängstliche Menschen werden beim Kontakt ruhiger. In sich gekehrte Personen blühen auf, zeigen Emotionen“, hat Stephanie Leschke beobachtet. Stefanie Schröter ergänzt: „Durch das Streicheln entkrampfen sich oft die Hände der Patienten. Unsere Spiele regen Motorik und Denken an.“

Beide junge Frauen haben den ASB-Besuchshundedienst des Regionalverbandes Ostthüringen im Oktober 2017 gegründet. Die etwa 22 Mitglieder mit ihren 25 Hunden sind ehrenamtlich unterwegs. Neun Einrichtungen in Gera und Umgebung nutzen das Angebot.

Hunde müssenPrüfung ablegen

„Jede Hunderasse eignet sich als Besuchshund, egal ob Labrador, Pudel, Mischling oder Puggle. Vorausgesetzt der Eignungstest wird bestanden“, sagt Leschke. „Wir prüfen sie in Alltagssituationen. Schauen, wie sie bei Geräuschen, stürzenden Personen oder bei Rollstuhlfahrern reagieren. Wir wollen wissen, ob sich der Hund auch von ungeschickten Händen anfassen lässt. Zeigt er sich aggressiv, fällt er sofort raus. Mit diesen Tests können wir auf sein Wesen schließen. Ausgeglichenheit und Menschenfreundlichkeit sind unabdingbar“, erklärt Stephanie Leschke, die als Rettungssanitäterin arbeitet. Ihre Bailey, ein Labrador, soll nun die von den Senioren im Schnüffelteppich versteckten Leckerlis finden. „Flott“, ruft Marianne Schmidt, als es ihr zu lange dauert, Margarete Meißner zu. Sie will es der zehn Monate alten Hündin schwermachen. Doch Bailey ist klug. Längst weiß sie auch, dass ihr eine Belohnung winkt ebenso Florentine, die das Flaschendrehen mag.

Mit Lissi üben die Bewohner ihr Gedächtnis. Sie werfen den Schaumwürfel in die Mitte. Die Zahl müssen sie mit der vom Mischlingshund gewürfelten addieren oder subtrahieren. Das Rechnen geht flink. Einige Senioren sagen schon das Ergebnis, bevor Stefanie Schröter die Aufgabe gestellt hat. Alle sind zum Scherzen aufgelegt. Es wird immer lauter im Stuhlkreis. Aus einer Muffinform holt Sparky Bälle heraus. Was der Puggle von Ilona Heidl danach erwartet, lässt das Hundeherz höherschlagen: eine Belohnung. Er tänzelt vor Freude. Nach einer Dreiviertelstunde löst sich die Runde auf. Schwerstarbeit haben die Hunde geleistet. Für Außenstehende sieht alles leicht aus. „Meist schlafen die Tiere danach“, sagt Stefanie Schröter. Sie muss später zur Arbeit beim Hausnotrufdienst. Stress sei das keiner für die 28-Jährige. „Ich tue etwas Gutes für mich und Sinnvolles für mein Tier.“ Neben den Hunden, die kleinen Vierbeiner besuchen die bettlägerigen Patienten, gehören zwei Ponys zum Besuchshundedienst. Sie begrüßen die Bewohner nur bei schönem Wetter.