Gastronomie im Geraer Umland: „Die Not macht erfinderisch“

Münchenbernsdorf/Hohenölsen/Wünschendorf/Weida.  Lokale wollen sich mit Außerhausverkäufen über Wasser halten.

Antje Stenzel, Inhaberin der Rotbuche in Hohenölsen, lässt sich ihren Optimismus nicht nehmen.

Antje Stenzel, Inhaberin der Rotbuche in Hohenölsen, lässt sich ihren Optimismus nicht nehmen.

Foto: Peter Michaelis

Die verschärften Corona-Maßnahmen im November treffen die Gastronomie besonders hart. Mit den Schließungen der Gaststätten und Restaurants fehlen den Betreibern zum zweiten Mal in diesem Jahr wichtige Einnahmen. Viele von ihnen hoffen, dass bald wieder geöffnet werden kann. Lieferservices erleben wohl in den großen Städten wieder starken Zuspruch. Doch was passiert mit den Lokalen in kleineren Gemeinden? Wir haben in einigen Restaurants nachgefragt. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog.

In Münchenbernsdorf kann Karin Müller, Inhaberin des Traditionslokals Reichspost“, auf Erfahrungen aus dem Frühjahr zurückgreifen. Schon während der letzten coronabedingten Schließung hat sie Thüringer Küche außer Haus angeboten. Abholung und Barzahlung hat über neun Wochen lang gut für sie und ihre Gäste funktioniert. „Ich bin von Herzen gern Gastwirtin, und auf die Art habe ich eine Beschäftigung und weiter Kontakt zu den Leuten“, erzählt Karin Müller. Ein Ersatz für das Geschäft im Restaurant ist der Außerhausverkauf auf lange Sicht nicht. Aber sie hofft, damit im November die Fixkosten zu decken. Freitags bis sonntags von 17 bis 20 Uhr und am Sonntag auch in der Mittagszeit können Gäste hier das Essen für zu Hause abholen.

Ab Donnerstag läuft das Außerhausgeschäft auch in Hohenölsen im Gasthaus „Zur Rotbuche“. Inhaberin Antje Stenzel findet das zwar „nicht mit dem offenen Geschäft zu vergleichen“, möchte aber „den Gästen einen Gefallen tun und präsent bleiben“. Auch sie hat bereits im Frühjahr Essen zum Abholen angeboten: „Das lief vor allem sonntags, da kamen die Leute mit ihren Töpfen und Assietten“. Für die Schließzeit im November gibt es eine eingeschränkte Speisekarte, dafür jede Woche mit anderem Menü. Die aktuellen Angebote werden als Flyer verteilt, auf die Website gepackt und über soziale Medien verbreitet. „Die Not macht erfinderisch“, sagt Antje Stenzel. Ihre Öffnungszeiten hat sie ebenfalls angepasst: Donnerstag bis Samstag gibt es Abendessen und sonntags können Speisen zum Mittag abgeholt werden.

Dienstags bis samstags können Hungrige in Wünschendorf Abendessen in der „Elsterperle“ bestellen. Hier ist auch eine Lieferung in nahe gelegene Nachbarorte möglich. Die übernimmt Geschäftsführerin Simone Kalies sogar selbst. „Meist nutzen das die älteren Leute, die nicht mehr so oft aus dem Haus gehen“, berichtet sie von der letzten Schließzeit des Restaurants. Der Außerhausverkauf habe sie damals „über die schwierige Zeit gerettet“. Das hofft sie nun auch für den November. Aber sie blickt optimistisch in die Zukunft: laufende Kosten können derzeit gedeckt werden und „die Solidarität in Wünschendorf ist sehr groß“. Für die kommenden Wochen hat sich Simone Kalies ebenfalls eine angepasste Speisekarte ausgedacht: Aus dem Schnitzeltag am Mittwoch sind Schnitzeltage von Dienstag bis Samstag geworden. Von 17 bis 20 Uhr kann Essen abgeholt oder geliefert werden. Sonntags stehen Kloßgerichte zum Mittag zur Auswahl.

Weniger optimistisch blickt Dildeep Janagal, Inhaber des italienischen Restaurants „Da Papu“ in Weida in den geschlossenen November. Weil nur Außerhausverkäufe angeboten werden können, seien Bedienungen nicht notwendig. Dementsprechend müsse umgeplant und ein paar Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden. Täglich von 11 bis 21.30 Uhr mit einer Pause zwischen 14 und 17 Uhr kann hier Essen abgeholt werden. Auch Lieferungen werden angeboten – im Umkreis von höchstens 15 Kilometern. Bestellt wird telefonisch. An der Speisekarte auf der Website arbeitet das Team gerade, in der Hoffnung, dass dadurch mehr Einnahmen kommen als zur letzten Schließzeit.