Gedemütigt in der Tripperburg

Unter dem Titel „Falsch erzogen“ erschien am 15. August in der „Edition Outbird“ der dritte Roman der Geraerin Mona Krassu.

Mona Krassu Autorin Gera

Mona Krassu Autorin Gera

Foto: Angelika Bohn

Worum geht es in Ihrem Buch, das Sie am 10. September in der Geraer Bibliothek vorstellen?

Es handelt von einem wenig bekannten Thema der DDR-Vergangenheit, von der Disziplinierung durch Medizin in den sogenannten Tripperburgen. Eine solche gab es zum Beispiel in der ehemaligen Poliklinik Mitte in Halle/Saale. Dort hatte man Frauen und junge Mädchen zwangseingewiesen, weil sie nicht ins sozialistische System passten. Sie wurden misshandelt und gedemütigt. Diese Tatsachen verknüpfe ich mit dem Schicksal meiner Hauptfigur Solveig Eckstein. Anfangs aus Unwissenheit, später als Auflehnung gegen ihren Stiefvater, gerät Solveig zunehmend in Konflikt mit dem Diktaturstaat DDR.

Wie kamen Sie zu diesem Thema, wie recherchierten Sie?

Aufmerksam wurde ich durch einen Beitrag auf MDR Kultur, der ein Sachbuch von Florian Steger und Maximilian Schochow über Disziplinierung durch Medizin vorstellte. Das Thema hat mich gebissen. Über eine Journalistin aus Stuttgart fand ich schließlich eine Frau, die mir von ihren persönlichen Erfahrungen berichtete. Nach so vielen Jahren war sie immer noch von Scham gezeichnet und ich musste ihr schwören, dass ich ihren Namen nicht nenne. Natürlich las ich auch besagtes Sachbuch. Außerdem durfte ich die Räume der ehemaligen Poliklinik in Halle besichtigen, um mir ein Bild zu machen und der Atmosphäre nachzuspüren.

Wie erlebten Sie den Schreibprozess zu einem solch beklemmenden Thema?

Teils konnte ich nachts nicht schlafen. Nach dem Gespräch mit dieser Frau musste ich auf der Rückfahrt im Auto weinen. Daraufhin beschloss ich, meine Leser nicht zu überfordern. Ich will jedoch sensibilisieren und über das Thema aufklären. Denn ich finde, dass unsere Demokratie gegenwärtig schon wieder auf sehr wackligen Füßen steht.