Gedenken in Gera: Gegen das Virus Antisemitismus eintreten

Gera.  Zwei Veranstaltungen am Geraer Synagogen-Denkmal und ein Gottesdienst erinnern an die Novemberpogrome 1938

Das Aktionsbündnis Gera gegen Rechts hatte am Nachmittag zu einer eigenen Gedenkveranstaltung eingeladen. Jakob German (links) und Ruben Gerczikow  von der Jüdischen Studierendenunion halten ihre Reden.

Das Aktionsbündnis Gera gegen Rechts hatte am Nachmittag zu einer eigenen Gedenkveranstaltung eingeladen. Jakob German (links) und Ruben Gerczikow von der Jüdischen Studierendenunion halten ihre Reden.

Foto: Peter Michaelis

Am Ende wurden die Namen verlesen. Namen über 200 jüdischer Bürger aus Gera, die dem Terror der Nationalsozialisten zum Opfer fielen, der sich spätestens in jenen Novembertagen 1938 Bahn brach. „Es ist nicht lange her, nur etwa ein Menschenleben“, sagt Jakob German am Mahnmal für die ehemalige Geraer Synagoge in der Schülerstraße. Gut 70 Menschen gedachten hier am Montagnachmittag der Opfer der Novemberpogrome vor 82 Jahren und dessen, was folgen sollte.

„Es liegt an uns, dass ‘Nie wieder!’ nicht zur leeren Phrase wird“, betonte Ruben Gerczikow, der wie Jakob German zur Jüdischen Studierendenunion Deutschlands gehört. Die jüdischen jungen Männer waren wie Sandro Witt vom Deutschen Gewerkschaftsbund Redner der Gedenkveranstaltung des Aktionsbündnisses Gera gegen Rechts. Mit der zeitigeren Veranstaltung wollte man sich distanzieren vom offiziellen Gedenkakt der Stadt. Zu diesem seien wieder alle Stadtratsfraktionen und so auch die AfD eingeladen gewesen, woran scharfe Kritik geäußert wurde.

Das Aktionsbündnis hielt an seinem Format fest, obwohl das städtische Gedenken coronabedingt weitgehend ohne Gäste vor Ort stattfand. Knapp 20 kamen, Mandatsträger der AfD waren nicht darunter. Dafür wurde die von Cat Henschelmann musikalisch umrahmte Veranstaltung mit Geras Oberbürgermeister Julian Vonarb (parteilos) und dem katholischen Pfarrer Bertram Wolf live ins Internet übertragen.

Während zuvor auch der teils offene Antisemitismus auf Corona-Demos angeprangert wurde, nannte Pfarrer Wolf den Antisemitismus selbst ein Virus, für das Bildung und Kultur die Gegenmittel sind. Er betonte, dass gerade das Bereichernde des jüdischen Lebens für die Gesellschaft zu wenig im Fokus stünde und erinnerte an den jüngst erfolgten Auftakt fürs Themenjahr „900 Jahre jüdisches Leben in Thüringen“ im Jahr 2021.

Die anschließende ökumenische Andacht in der Geraer Trinitatiskirche besuchten schließlich rund 40 Menschen.