So soll der „Hirsch-Park“ in der Geraer Reichsstraße entwickelt werden

Gera.  Ein „urbanes Quartier mit Wohnungen und Gewerbe“ soll auf dem ehemaligen Modedruck-Gelände an der Reichsstraße entstehen.

Die denkmalgeschützte, aber abrissreife Ruine auf dem Modedruck-Areal (Archivfoto)

Die denkmalgeschützte, aber abrissreife Ruine auf dem Modedruck-Areal (Archivfoto)

Foto: Peter Michaelis

Nachdem im April 2018 im OB-Wahlkampf des parteilosen Kandidaten Norbert Hein das Wohnbauprojekt „Hirsch-Park“ für die Modedruck-Brache an der Geraer Reichsstraße auftauchte, ist es schnell wieder still um die Entwicklung des Geländes geworden. Bis jetzt. Der Geraer Bauausschuss hat nun einstimmig der Einleitung des B-Plan-Verfahrens für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Wohnen im Hirsch-Park“ zugestimmt. Der Stadtrat könnte am 5. November den Startschuss für das Planverfahren geben.

„Es ist geplant, auf der innerstädtischen Industriebrache der ehemaligen Großfärberei Louis Hirsch, später VEB Modedruck, ein urbanes Quartier mit Wohnungen und Gewerbe zu errichten“, heißt es im Antrag des Vorhabenträgers aus dem Juli. Bei diesem handelt es sich laut der städtischen Vorlage um die GGV Gerana Grundbesitz und Vermögensverwaltung GmbH mit Sitz in München. Die Münchener um den Investor Leo Benz hatten vor wenigen Jahren das 16.000 Quadratmeter große Areal zwischen Geschwister-Scholl- und Reichsstraße von der Stadt gekauft und inzwischen weitere angrenzende Flächen erworben.

Im Ausschuss und auch in der Beschlussvorlage ist unter anderem von 150 bis 200 neuen Wohneinheiten die Rede, „überwiegend frei finanzierte Wohnungen mit gehobenen Qualitätsstandards“. Die Bebauung soll durchlässig sein, sodass Innenräume mit Spielplatz und Wasserspielen auch für Bewohner aus der Nachbarschaft nutzbar würden. Den ruhenden Verkehr und die Bewohner-Stellplätze will man weitestgehend aus dem Quartier selbst heraushalten und in einer begrünten Quartiersgarage an der Geschwister-Scholl-Straße bündeln.

Hangbereich im Flächennutzungsplan der Stadt als Grünfläche ausgewiesen

Widerspruch gab es jedoch im Bauausschuss dazu, dass unter anderem für diese Quartiersgarage Flächen am Hang östlich der Geschwister-Scholl-Straße im B-Plan vorgesehen sind. Laut Uwe Raubold (Linke) sei der Hangbereich im Flächennutzungsplan der Stadt als Grünfläche ausgewiesen. Man solle „auf das vorhandene Grün achten“, meinte auch Norbert Geißler (CDU), der wie Uwe Raubold und Michael Kneisel (Bürgerschaft Gera) prinzipiell begrüße, dass sich jemand der Brache annehmen will.

Geißler und Kneisel gaben aber auch zu bedenken, man müsse aufpassen, nicht zu viele Wohnungen zu schaffen, wo gleichzeitig der Leerstand nach wie vor hoch sei. Heiner Fritzsche (SPD) erinnerte hier zum wiederholten Male an die fehlende Entwicklungskonzeption Wohnen. Die liege inzwischen im Entwurf vor und befinde sich in interner Abstimmung, erklärte Geras neuer Baudezernent Michael Sonntag (parteilos) dazu.

Große Teile des Projektes sollen an ein anderes Unternehmen übergeben werden

Frank Leon Blömer, der in Gera den Münchener Investor vertritt, bestätigte indes, dass man mit dem eingeleiteten B-Plan-Verfahren große Teile des Projektes an ein anderes Unternehmen übergeben werde. „Eines, das Erfahrung mit dieser Größenordnung hat, schließlich ist es ein viel größeres Bauvorhaben geworden, als ursprünglich gedacht“, so Blömer. Er widerspricht jedoch der Annahme, dass dies nur deshalb geschehe, um Geld für ein anderes Projekt des Investors in Gera einzusammeln, das seit längerem stockt: das Studentenwohnheim in der Eisenbahnstraße. Dass lange nichts passiert sei, habe vor allem mit dem Wegfall der Fördermittel zu tun. Das Herausrechnen bereits erbrachter und geplanter Leistungen sei zeitaufwendig, sagt er, betont aber, dass seit Kurzem wieder Bewegung im Haus ist und die Arbeiten demnächst allmählich wieder anlaufen würden.

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