Sozialstatistik: Gera ist alt und jung zugleich

Sylvia Eigenrauch
| Lesedauer: 2 Minuten
Vier junge Mütter schieben Kinderwagen mit kostbarer Fracht die Sorge hinunter. Für 2018 betrug die Geraer Geburtenrate 1,79 und lag damit höher als in Thüringen (1,59) und im Bundesdurchschnitt (1,57).

Vier junge Mütter schieben Kinderwagen mit kostbarer Fracht die Sorge hinunter. Für 2018 betrug die Geraer Geburtenrate 1,79 und lag damit höher als in Thüringen (1,59) und im Bundesdurchschnitt (1,57).

Foto: Peter Michaelis/Archiv

Gera.  In Thüringen steht Gera doppelt an zweiter Stelle. Die Zahlen legen nahe, die Jungen zu halten.

„Die Demografie in Gera bedeutet nicht nur Alterung, sondern auch Verjüngung“. So fasst Martin Heinrich, Referent für Grundsatzfragen und Steuerungsunterstützung im Geraer Sozialdezernat, die aktuelle Geraer Sozialstatistik zusammen.

Die Geraer Stadtratsmitglieder werden informiert

Auf der Grundlage des für die Jahre 2018 bis 2023 beschlossenen Sozialplanes informiert er in den Stadtratsausschüssen in diesen Tagen über die neuesten Zahlen. Dem Ausschuss für Kultur und Sport empfahl er als Schlussfolgerung, darauf zu achten, Angebote für die Älteren zu unterbreiten und die integrative Funktion von Sport und Kultur für Jüngere zu nutzen.

Gera hat rund 100.000 Wohnberechtigte

Ende 2018 zählte Gera rund 100.000 Wohnberechtigte mit Haupt- und Zweitwohnsitz. Drei Trends in der Altersstruktur macht Heinrich aus. Zum einen gibt es eine große Gruppe der 50 bis 70-Jährigen, die Jahrgänge der sogenannten Baby-Boomer. In der „demografischen Mitte“ fehlen 40- bis 50-Jährige, die nach der Wende ihre Heimat verließen, und folglich auch ihre hier nicht geborenen Kinder.

Drittens gebe es tendenziell mehr Geburten durch Zuzug junger Menschen. Für 2018 betrug die Geraer Geburtenrate 1,79 und lag damit höher als in Thüringen (1,59) und im Bundesdurchschnitt (1,57).

68 Prozent der ausländischen Einwohner sind noch nicht 30

Die Einwohnerzahlen sind weiter rückläufig. Nur 2016 und 2017 bildeten eine Ausnahme, weil Flüchtlinge nach Gera kamen. Der Ausländeranteil lag 2012 bei 1,7 Prozent. 2018 betrug der Wert 6,9 Prozent. „68 Prozent der ausländischen Bevölkerung ist unter 30 Jahren“, so Heinrich.

Dass Gera alt und jung zugleich ist, beweist im Landesvergleich Platz zwei in beiden Kategorien. Beim Alterungsquotient liegt Gera hinter Suhl, beim Jugendquotient hinter Weimar. „Noch 30 Jahre wird uns diese Situation begleiten“, prognostiziert Heinrich. „Die Chance besteht jetzt darin, die junge Bevölkerung hier zu halten“, sagt er. Die meisten sind jetzt noch Schüler. Im Schuljahr 2011/12 lernten an Geras allgemeinbildenden Schulen 6200 junge Leute. Im Schuljahr 2018/2019 waren es knapp über 7000.