Gera: Kartenzahlung noch nicht überall möglich

Gera.  Bestätigen Einzelhändler den coronabedingten Trend zum bargeldlosen Bezahlen? Umgehört in der Geraer Innenstadt.

In der Geraer Milchbar kann weder mit EC- noch mit Kreditkarte bezahlt werden. 

In der Geraer Milchbar kann weder mit EC- noch mit Kreditkarte bezahlt werden. 

Foto: Luise Giggel

Die Corona-Pandemie hat in den letzten Monaten auch das Zahlungsverhalten der Menschen beeinflusst. Das resümiert zumindest eine Anfang der Woche veröffentlichte Studie der Bank ING: „Die Vorliebe für Bargeld hat in einem Maße abgenommen, für das es sonst wohl eine Generation gebraucht hätte“. Im Vergleich zu den Nachbarländern hängen Deutsche immer noch mehr am Bargeld, schreiben die Autoren der repräsentativen Umfrage, die im Mai durchgeführt wurde. Allerdings würde die Hälfte der Deutschen weniger bereitwillig als bisher zum Bargeld greifen. Grund dafür sei die Vorsorge gegen eine mögliche Ansteckung mit dem Coronavirus, weshalb auf Bargeld, das durch viele Hände geht, vermehrt verzichtet werde. Ist dieser Trend auch in Gera spürbar und mussten Geschäfte eventuell schon technisch nachrüsten, wo bisher keine Kartenzahlung möglich war? Wir haben uns in der Geraer Innenstadt umgehört.

Gleich mehrere Gründe gegen die Kartenzahlung zählt Stefan Elstermann, Inhaber des Kosmetik Eck in der Johannisstraße, auf: Anschaffung und Abbuchungen würden zu hohe Kosten verursachen. Zudem sei die Kartenzahlung auch gar nicht hygienischer, wie behauptet werde. „Meine Kunden wissen, dass das hier nicht geht und halten selbst auch nicht viel von Kartenzahlung“, sagt er. Das habe sich auch durch Corona nicht geändert.

Ähnlich sieht es in der Fleischerei Landhof, in der Leipziger Straße aus. Ein Kartenlesegerät gibt es auch hier nicht. „Unsere Kunden fragen sehr selten nach der Möglichkeit, mit Karte zahlen zu können. Das ist auch durch Corona nicht mehr geworden“, verrät eine Mitarbeiterin.

Anders als im „Unverpackt Gera“ am Markt. Wie eine Mitarbeiterin berichtet, ist die Nachfrage nach Kartenzahlung im Frühjahr mit den Coronafällen gestiegen. Inzwischen ist das Verhältnis von Bar- und Kartenzahlung aber wieder auf Vorjahresniveau: „Über den Daumen zahlen zwei Drittel der Kunden bar“.

Susan Bütger, Inhaberin der Tee-Passage auf der Sorge, beobachtet Ähnliches. Corona sei so etwas wie der Initialzünder gewesen – generell steige die Nachfrage nach Kartenzahlung. „Das ist weltweit Usus und kommt auch in Gera an.“ Händler sollten ihrer Meinung nach diesen Schritt gehen und Anbieter von Kartenlesegeräten vergleichen. Sie selbst habe ihres schon zwei Mal gewechselt. „Wenn wir junge Leute in die Stadt holen wollen, können wir nicht vor der Entwicklung die Augen verschließen“, findet sie.

Jana Schumann, die seit zehn Jahren die Milchbar Gera führt, hat dagegen ein Schild „Keine Kartenzahlung möglich!“ an ihre Kasse geklebt. Es werde zwar immer mal wieder vereinzelt nachgefragt, lohne sich aber für sie gerade als Saisonbetrieb unternehmerisch nicht. „Eine Kugel Eis mit Karte zahlen muss nicht sein“, sagt sie. Die durch ein entsprechendes Gerät entstehenden Kosten auf die Kunden umlagern, bringe schließlich auch nur Gemecker.

Im Tabakdepot Petzold in der Schloßstraße kann bargeldlos bezahlt werden, jedoch erst ab einem Betrag von 15 Euro. „Sonst werden die Gebühren zu hoch“, erklärt Inhaberin Kerstin Petzold. Hinzu kommen Miete für das Gerät, Papier und Strom. Nur wenige ihrer Kunden nutzen diese Möglichkeit, die Kerstin Petzold auch nicht hygienischer als Bargeld findet. Immerhin habe sie im Gegensatz zu manchen Supermärkten in ihrem Geschäft Zeit, das Gerät zwischendurch mal zu desinfizieren.

Insgesamt war demnach nur in einigen Läden im Frühjahr ein kurzer Anstieg der Nachfrage nach Kartenzahlung bemerkbar, der mit Corona zu tun haben könnte. Niemand der befragten Geraer Einzelhändler habe bisher pandemiebedingt technisch nachgerüstet.