Gera: „Künstler verlieren derzeit ein Stück ihres Lebensinhalts“

Gera.  Zwischen-Zeit: Jana Prochnow, Psychotherapeutin und Ehefrau von Künstler Thomas Prochnow, rät zu Schöpferischem.

Jana Prochnow

Jana Prochnow

Foto: Sabrina Weniger Fotografie

Jana Prochnow arbeitet als Oberärztin für Psychiatrie und Psychotherapie am SRH Wald-Klinikum Gera und ist mit dem Künstler Thomas Prochnow verheiratet. Insofern erlebt sie sowohl als Medizinerin als auch hautnah als Ehefrau, wie sich die Coronapandemie auf Künstler auswirkt.

„In dieser Situation ist es erst einmal gut und wichtig, dass man sich einander als Partner hat“, sagt Jana Prochnow und meint das durchaus auch pragmatisch. „Für meinen Mann als Bildender Künstler in Vollzeit wäre es momentan schwer zu überleben, wenn er mich nicht hätte“, konstatiert die Mutter zweier Kinder. Sie kann deshalb den Forderungen des Geschäftsführers vom Künstlerbund Dresden Torsten Rommel nach Erweiterung der Bundeshilfen nur zustimmen. „Bis jetzt greifen diese kaum für Bildende Künstler. Jene sind sowieso daran gewöhnt, wenig Geld mit dem zu verdienen, was sie mit Leidenschaft betreiben. Aber wenn dann noch Hilfe kaum greift, ist das einfach ungerecht“, so Jana Prochnow.

Sie ist überzeugt, dass eine solche Pandemie seelisch nicht unerheblichen Schaden anrichten kann. „Dann, wenn man nicht in der Lage ist, sich auszudrücken, weil man mit elementaren Alltagssorgen beschäftigt ist. Wird einem noch dazu die Plattform genommen – Konzerte, Filme, Bühnenstücke, Lesungen oder Ausstellungen – geht damit ein Stück Lebensinhalt verloren. Künstler haben sich schließlich bewusst für diesen Ausdruck entschieden und dieser hat zugleich einen therapeutischen Effekt für sie selbst.“ Der soziale Austausch, die Rückkopplung auf die eigene Arbeit sei der Antrieb für die Kreativität.

Dass Jana Prochnow selbst schon immer aktiv an kreativen Findungsprozessen ihres Mannes beteiligt war, erleichtere die Situation etwas. „Wir beide sprechen weniger über das Kreative an sich, viel mehr über ausgefallene Ausstellungen, über nötige Fixkosten und wie Aufträge doch irgendwie realisiert werden können.“ Letztlich merke sie, dass all das auch ihren Mann zunehmend frustriert.

„Die Situation des fehlenden Ausdrucks und Austauschs geht nicht spurlos an unserer Gesellschaft vorbei. Und je länger etwas andauert, umso schwieriger wird es“, ist Jana Prochnow überzeugt. Ihr Rat als Psychotherapeutin: Den sozialen Kontakt keinesfalls abreißen lassen, Beziehungen stärken. Und: Die individuelle Situation neu überdenken, intensiver und stringent an Themen und Ausdrucksmöglichkeiten arbeiten, um mit ihnen später in Austausch treten zu können.