Gera: Nach Post von Heinz Rühmann folgte Einberufung

Gera.  18 Bürger aus Gera haben in einem Buch „Persönliche Geschichte zur Wende“ notiert.

Irina Schultheiß, Leiterin der Geschichtswerkstatt in Gera-Lusan stellt die Publikation  „Persönliche Geschichten zur Wende" vor.

Irina Schultheiß, Leiterin der Geschichtswerkstatt in Gera-Lusan stellt die Publikation „Persönliche Geschichten zur Wende" vor.

Foto: Peter Michaelis

Robby Peiskers Bekannter fuhr zu seiner Schwester in den Westen. Auf dem Besuchsprogramm stand ein Ausflug nach Berg am Starnberger See. Dort sahen sie das Wohnhaus des Schauspielers Heinz Rühmann. Der damals 26-jährige Peisker mochte den „Typ“. Also kramte der Geraer eine alte Autogrammkarte hervor und schickte diese mit der Bitte um eine Signatur an den Mimen.

Der Gedanke an eine Antwort des Schauspielers verflog schnell, der der Einberufung nicht. Eines Tages lag Post im Briefkasten. Absender war H.R. Klosterweg 29 D-8137 Berg 2. Rühmann hatte ihm geschrieben. Zwei Tage danach kam der schriftliche Befehl zum Einrücken. Ob die Post des Schauspielers der Auslöser war, bleibt offen. Peisker erzählt nun von seiner kurzen Armeezeit. Einer von vielen Episoden in dem Buch „Persönliche Geschichten zur Wende“, herausgegeben von der Geschichtswerkstatt in Gera-Lusan und TAG Wohnen. Unterstützt wurde das Projekt auch von der Bundesstiftung Aufarbeitung.

18 Zeitzeugen, zwischen zehn und 42 Jahren damals, berichten, was sie während der Wendezeit 1989/1990 erlebt haben. Es ist viel Persönliches zu lesen, kurze und lange, nüchterne und emotionale Geschichten. Die Schreiber offenbaren ihre Zuversicht, Träume und aber auch ihre Ängste. Selbst Kurioses wird den Lesern nicht vorenthalten wie beim Abholen des Begrüßungsgeldes und dem anschließenden Ausgeben.

Die Idee für das Buch entstand schon im vergangenen Jahr. „Wir haben mit etwas mehr Beteiligten gerechnet“, sagt Irina Schultheiß. Die Leiterin der Geschichtswerkstatt ist dennoch stolz auf die Publikation. „Über die politischen Geschehnisse dieser Zeit gibt es jede Menge Bücher auf dem Markt. Wir wollten etwas ganz Authentisches.“ Der Stil der Autoren wurde beibehalten. Private Fotos oder Dokumente aus dem Stadtarchiv ergänzen den kleinen Band.

Etwas Schade ist, dass einige Autoren nur unter ihren Initialen veröffentlicht haben.

Das Buch ist in der Geschichtswerkstatt Gera-Lusan, Kastanienstraße 7, erhältlich. Weitere Infos unter Telefon 0365/54 80 02 99