Gera: Straßenkünstler im Innendienst

Gera  Bei „Open Arts“ wird das Szenelokal Manufaktur diese Woche zum Streetart-Atelier für acht Künstler, denen Gäste über die Schultern schauen dürfen

Benjamin Hemmann bringt seinen Entwurf an die Wand.

Foto: Peter Michaelis

„Unsere Manufaktur hat uns auch so schon sehr gut gefallen.“ Nein, es geht nicht darum, sich die Wände verschönern zu lassen, sagen Sandra und Michael Müller lachend. Das ist vor allem ein schöner Nebeneffekt. Vielmehr sollen die Künstler eine Spielwiese bekommen, die sich ihnen in der Form wohl nicht so oft bietet. Und sie sollen Aufmerksamkeit bekommen.

„Open Arts“, also „offene Künste“, heißt das Format, das die beiden Inhaber des Szene­lokals „Manufaktur“ und des angeschlossenen Tattoostudios „Das Inkstitut“ in der Humboldtstraße nach Gera geholt haben. „Ich kenne das aus dem sächsischen Raum“, sagt Michael Müller, der mit dem Geraer Graffitikünstler Christian Gutschke die Veranstaltung organisiert. Das Besondere: Aus der Kneipe wird seit Dienstag und noch bis morgen täglich ab 15 Uhr ein offenes Atelier, bei dem jeder Interessierte bei freiem Eintritt den insgesamt acht Streetart-und Graffiti-Künstlern aus dem Ostthüringer Raum bei der „Arbeit“ zusehen und den Biergarten besuchen kann. Die Besucher werden Zeuge, wie die Kunstwerke entstehen.

Ob nun das realistische Kindergesicht von Christian Gutschke, seit mindestens 20 Jahren hobbymäßig mit Graffiti-Kunst unterwegs, oder die Retro-Arbeit von Benjamin Hemmann – den Motiven wurden eigentlich keine Grenzen gesetzt. „Wir haben nur ein grobes Thema vorgegeben: Umwelt, Mensch, Tier“, sagt Michael Müller, dessen Medium für seine Kunstwerke zwar eigentlich die menschliche Haut ist, der sich aber ebenfalls derzeit mit einem großen Motiv an einer der Wände im Eingangsbereich verewigt.

Das Thema passt zur Philosophie, für die das Geraer Lokal ohnehin steht. Das zieht sich von der komplett veganen Karte in der Aktionswoche durch bis zu den etwa 300 für die Künstler bereitgestellten Spraydosen mit rein wasserbasierten Farben.

Am Sonnabend, 13. Juli, gibt es dann erst eine kleine interne Präsentation, unter anderem mit den Sponsoren, denen Sandra und Michael Müller für ihre Unterstützung des Projektes danken. 18 Uhr bis 20 Uhr gibt es dann eine Art Ausstellungseröffnung für die Öffentlichkeit – „Ich möchte es ungern ­Vernissage nennen“, meint Michael Müller grinsend. Gekrönt wird der Abend ab 21 Uhr mit einer Hip-Hop-Party mit DJ Ekko (Eintritt 7 Euro). Und ab dann ist die „Manufaktur“ auch Galerie, die entstandenen Werke eine Dauerausstellung, schließlich werden sie nicht aufgehängt, sondern an die Wand gesprüht.

Und dort sollen sie dauerhaft bleiben. Zwar wollen die Initiatoren aus „Open Arts“ gern eine jährlich wiederkehrende Veranstaltung machen, das aber in wechselnden Örtlichkeiten, sagt Michael Müller: „Die Manufaktur haben wir gewählt, weil wir zum einen die Idee relativ kurzfristig realisieren wollten, zum anderen, um im Kleinen zu testen wie es läuft.“ Orte, wo das Konzept umzusetzen wäre, gebe es in Gera sicher einige, meint er. Und noch ein Gedanke spielt für ihn eine Rolle: „Das ist auch ein kleiner Baustein für Gera 2025.“ Schließlich ist ein Schwerpunkt der Geraer Kulturhauptstadtbewerbung die Kultur „von unten“, von privaten Initiativen und aus der Bevölkerung.

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