Gera verzehnfacht Fläche mit Eingemeindungen

Gera.  Ab 1905 erlebte Gera sieben Eingemeindungen. In den Jahren 1912, 1919, 1922, 1923, 1950 und 1994 kamen Gemeinden dazu.

Ein Ortseingangsschild von Gera.

Ein Ortseingangsschild von Gera.

Foto: Peter Michaelis

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Der Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert war in Gera durch einen industriellen Aufschwung charakterisiert. Er brauchte Flächen für Fabriken. Zeitgleich wurden dörfliche Strukturen abgelöst. In diesem Sinn wurden in den eingemeindeten Orten vermehrt Standorte für mittelständische Gewerbebetriebe, Handelsvertretungen, Fabriken und die zur Versorgung der Bevölkerung erforderlichen Einrichtungen erschlossen. Neben der Errichtung moderner, größerer Schulgebäude, wurde auch die Infrastruktur in den Vororten verdichtet, um die Anbindung an die Stadt Gera zu verbessern.

Die Vervierfachung des Geraer Stadtgebietes von 1912 bis 1924

Nachdem bereits 1905 Bieblach und 1912 Debschwitz eingemeindet worden waren, bewirkte die Politik des Jahres 1919 mehr als die Verdopplung der Grundfläche Geras durch die Eingemeindung von Pforten, Untermhaus, Tinz, Milbitz, Thieschitz, Rubitz, Zwötzen, Leumnitz und Lusan. Auf diese Art und Weise wuchs nicht nur die Grundfläche des Geraer Stadtgebietes von 1522 Hektar auf 3639 Hektar an, sondern die Bevölkerungszahl Geras stieg damit von 45.634 im Jahr 1900 auf 73.661 Personen im Jahr 1919. Wenngleich die Verträge zunächst lediglich von den Gemeindevertretern der Orte Pforten, Leumnitz, Tinz und Oberröppisch unterzeichnet wurden, so erfolgte die Eingemeindung der übrigen genannten Gemeinden schließlich auch gegen den Widerstand der Gemeindevertreter per Notgesetz. Die Eingemeindung Oberröppischs wurde 1925 revidiert, erfolgte jedoch zusammen mit Unterröppisch im Jahr 1950 erneut und besteht bis heute fort.

Nach der Eingemeindung Ernsees 1922 erfolgte die nächste Eingemeindungswelle im Jahr 1923 mit den Orten Scheubengrobsdorf, Windischenbernsdorf, Frankenthal und Töppeln, wobei Töppeln 1924 wieder ausgemeindet wurde. Betrachtet man die Entwicklung im Zeitraum von 1912 bis 1924, so kann konstatiert werden, dass sich in diesen zwölf Jahren die Fläche der Stadt Gera von 1331,72 Hektar auf 5588,38 Hektar mehr als vervierfacht hat.

Die Eingemeindungen der Jahre 1950 und 1994

Weitere größere Eingemeindungen erfolgten in den Jahren 1950 und 1994. Vor 70 Jahren wurde unter anderem auch das erst 1933 mit dem Stadtrecht versehene Langenberg (mit Stublach) eingemeindet. Darüber hinaus erfolgte 1950 kamen Roschütz, Zschippern, Lietzsch, Kaimberg, Poris-Lengefeld, Taubenpreskeln, Liebschwitz, Röppisch, Zeulsdorf, Dürrenebersdorf und Langengrobsdorf zu Gera. Im Rahmen der Eingemeindungsproblematik des Jahres 1950 hob Clement Toepel, der damals für dieses Prozedere zuständige Bürgermeister, die Eingemeindung von Kaimberg besonders hervor, indem er notierte: „Die in Kaimberg abgehaltene Gemeindevertretung mit Gemeindeversammlung ist wohl als die positivste und markanteste der von mir vorgenommenen Eingemeindungen anzusehen. Nicht nur, dass diese Versammlung sehr gut besucht war, zeugte dieselbe auch von einem laufenden guten Einvernehmen mit dem Gemeinderat und zeigte darüber hinaus auch eine rege und wertvolle Diskussion.“

Von den 482 Kaimberger Einwohnern am 4. Juli 1950 waren zwischen 90 und 100 Personen der Einladung zu dieser Gemeindeversammlung gefolgt. Betont wurde, dass Kaimberg über umfangreiche Bauflächen sowie einen ausgedehnten Waldbestand verfügte. Allerdings herrschten in allen neu eingemeindeten Orten auch Zweifel darüber, ob die Stadt Gera den Anforderungen und Besorgnissen in den Ortsteilen auch gerecht werden könnte. So wurde in Kaimberg unter anderem beklagt, dass ein starker Mangel an Schuhwerk herrschte. Besonders die Schulkinder, die für die letzten Schuljahre nach Zwötzen laufen mussten sowie viele Werktätige, die ihrer Arbeit in Gera nachgingen, hatten einen hohen Bedarf an Schuhen, dem bis dahin nicht abgeholfen werden konnte. Auch die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sowie der schlechte Zustand der Straßen und Wege wurden vielerorts thematisiert. Somit erhofften sich die Bürgerinnen und Bürger dieser Orte eine Verbesserung der Situation in ihren Ortsteilen durch die Zugehörigkeit zur Stadt Gera.

Zwölf Eingemeindungen im Jahr 1994

Im Jahr 1994 konnte der seit 1989 kontinuierlich im Rückgang befindlichen Einwohnerzahl Geras durch die Eingemeindung weiterer Orte und damit den Zugewinn von 5170 Einwohnern noch einmal kurzzeitig abgeholfen werden. Zu den zwölf Gemeinden, die 1994 zur Stadt Gera eingemeindet wurden, zählten Roben (mit den Ortsteilen Roben, Rusitz, Steinbrücken), Röpsen (mit Röpsen, Dorna und Negis), Söllmnitz (mit Söllmnitz, Lauenhain und Wernsdorf), Thränitz (mit Thränitz, Collis und Stern), Weißig (mit Weißig, Gorlitzsch und Schafpreskeln), Naulitz, Aga (mit Lessen, Reichenbach, Großaga, Kleinaga und Seligenstädt), Cretzschwitz, Falka (mit Großfalka, Kleinfalke, Niebra und Otticha), Hermsdorf, Hain (mit Wachholderbaum) sowie Trebnitz (mit Trebnitz, Laasen). Durch diese Eingemeindungen erreichte die Fläche der Stadt Gera 1994 eine Gesamtgröße von 151,9 Quadratkilometer, das heißt 15.190 Hektar.

Seit den ersten beiden Eingemeindungen vor 115 und 108 Jahren hatte sich die Grundfläche des Geraer Stadtgebietes somit fast verzehnfacht.

Die Autorin des Beitrages ist die Leiterin des Geraer Stadtarchivs. Ihr Beitrag ist Teil der diese Woche veröffentlichen „Nachrichten aus dem Stadtarchiv“.

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