Gera: Waldgeister stehen am Bornberg

Ilona Berger
| Lesedauer: 3 Minuten
Wolfgang Heiland mit seinen Waldgeistern am Zeulsdorfer Bornberg.

Wolfgang Heiland mit seinen Waldgeistern am Zeulsdorfer Bornberg.

Foto: Peter Michaelis

Gera.  Wolfgang Heiland aus Gera-Zeulsdorf ist beim Schnitzen mit der Kettensäge in seinem Element.

Mit zwei Frischlingen fing es an. Weil die Holztiere nicht so gelungen sind, lehnen sie kaum sichtbar an einem Stapel im Garten von Wolfgang Heiland und verwittern. Zum 65. Geburtstag schenkten ihm seine drei Söhne einen Gutschein zum Erlernen der Grundlagen fürs Schnitzen mit der Kettensäge. Der Vater brachte einen Adler, aus einem Stück gesägt, mit. Er thront bis heute auf einem Baumstamm vor dem Hauseingang in Gera-Zeulsdorf.

Über ein Jahrzehnt ist seitdem vergangen. Wolfgang Heiland hat das Arbeiten mit Holz vervollkommnet. Klappt mal was nicht, wird das Stück einfach zu Feuerholz. Im neuesten Objekt, ein Wanderschuh, blühen gelbe Margeriten. Die Vorlage stammt aus Bad Elster. „Ich war im März dort zu Kur. Vor einem Geschäft habe ich einen solchen bepflanzten Schuh gesehen. Der hat mir sehr gefallen“, sagt Ehefrau Heidi. Sie fotografierte ihn ab, notierte die Maße und zeigte das Bild. Prompt erfüllte ihr der Mann den Wunsch.

Die wohl schönste Liebeserklärung machte der inzwischen 75-Jährige seiner Heidi zum 60. Geburtstag. Er schenkte ihr ein riesengroßes Herz aus Eiche. Freunde bekommen zu Jubiläen Pilze oder andere Unikate des Kettensägen-Schnitzers. Ein Sohn mag Schildkröten. Neben den lebendigen, die jetzt Winterruhe halten, sitzt ein stilisiertes Riesentier am Teichrand. Etwas weiter weg ist aus einem Stamm ein Gesicht herausgeschnitten. Im Mund steckt eine Zigarre. Eine Erinnerung an Wolfgang Heilands Vater, der gern mal schmauchte. Er war Holzbaumodellmeister. Und beim Urgroßvater oder Onkel hockte einst der Zweijährige zwischen langen Spänen, spielte damit oder schaute zu, was auf der Hobelbank passierte. „Vielleicht der Grund für mein spätes Hobby“, überlegt Wolfgang Heiland, der Ingenieur für Gießereitechnik studierte.

Das Material für seine Objekte wächst im eigenen Wald. Knapp acht Hektar gehören der Familie. Ein Teilstück befindet sich am Bornberg. Dort sind vor zwei Jahren Waldgeister geboren. Vier säumen den Weg. Neue sollen irgendwann der kleinen Truppe Gesellschaft leisten.

„Hauptsächlich Eichen wachsen auf dem Areal. Durch die Trockenheit mussten viele Bäume gefällt werden. Die Plätze der Figuren ergaben sich aus der Notwenigkeit, ob die Eichen wegmüssen oder nicht. Manche Stümpfe habe ich stehengelassen. Sie dienen als Sitzgelegenheit für Spaziergänger.“ Will Wolfgang Heiland einen solchen Stamm verwenden, bedarf es der „Sichtung des Werkstückes“, erklärt er. Nach dem Entfernen von Borke und Splintholz kommen Phantasie und Frau ins Spiel. „Sie sucht nach Motiven und ist für die Kosmetik der Waldgeister zuständig. Das Ölen, damit die Figuren lange erhalten bleiben.“ Bevor der 75-Jährige schließlich zur Kettensäge greift, formt er daheim aus Knete sein künftiges Objekt. Dann stapft er in voller Montur in den nahe gelegenen Wald. Arbeitsschutzkleidung sei wichtig, damit nichts passiert. Rutsche man mal mit der Säge ab, kann schnell ein Finger absein.

Schicht um Schicht schneidet er aus dem Stamm das Motiv heraus. Beim „Versägen“ werden Augen oder Mund irgendwie ans Gesicht angepasst, egal, ob ein Mundwinkel etwas höher hängt. In drei Tagen versucht Wolfgang Heiland seine Exponate zu vollenden.

Jetzt sehnt er besseres Wetter herbei. Es drängt ihn nach draußen in die Natur. Holz über Holz stapelt sich ein paar Schritte von der Autoeinfahrt zu den Heilands. Es will verarbeitet werden. Der Winter war lang genug und die Modelleisenbahn ist wieder verstaut.