Geras Textil-Blütezeit vorm KuK

Gera  Das Projekt Geranien vom Kollektiv Raumstation aus Weimar widmet sich in dieser Woche der Kunst und nimmt Bezug auf die Textilindustrie

Ein Teil der Textilblumen des Studenten Michael Usling. Sie stehen auf der Freifläche vor dem Kultur- und Kongresszentrum Gera. Bis zum Sonntag sollen sie den öffentlichen Raum beleben und zum Meinungsaustausch anregen.

Ein Teil der Textilblumen des Studenten Michael Usling. Sie stehen auf der Freifläche vor dem Kultur- und Kongresszentrum Gera. Bis zum Sonntag sollen sie den öffentlichen Raum beleben und zum Meinungsaustausch anregen.

Foto: Ilona Berger

„Das könnten bunte Lollis oder auch stilisierte Blumen sein“, bemerkte eine Passantin im Vorübergehen. „Sieht aber schön aus.“ Komisch findet ein Mann „die Stäbe mit den Kugeln“. Doch sie würden die Blicke auf sich lenken.“

Das beabsichtigt Michael Usling. 23 solcher Textiler-Stabblumen stecken fest verankert seitlich vor dem Kultur- und Kongresszentrum Gera in der Erde. Usling, ein Kanadier aus Toronto, will durch seine Kunst mithelfen, den öffentlichen Raum zu beleben.

„Ich war während einer Exkursion das erste Mal hier und inspiriert von den Blumen auf der Wiese. Dann habe ich recherchiert und gesehen, welche Rolle Gera einst in der Textilindustrie zukam“, sagte der Student. „Die Stoffe für meine Objekte sollten unbedingt aus der Stadt sein.“ Er suchte Kontakt zur Thorey Gera Textilveredelung GmbH. „Ihm wurde der Betrieb gezeigt und er durfte sich kostenlos Recyclingstoffe für die Umsetzung seiner Idee aussuchen. Das eine Ende der einen Meter langen Metallstäbe umhüllte Michael Usling mit nicht transparentem Stoff, darüber kam eine durchsichtige Bahn. So erscheinen die Blüten rosa, grün, blau oder gemustert. „Eine Woche habe ich für die Kunstobjekte benötigt“, sagte er. „Eine Blume wächst, gedeiht, verändert sich. Sie symbolisiert für mich den Wandel eines Ortes“, begründete der 27-Jährige seine Idee. Er studiert im zweiten Semester eines englischsprachigen Masterprogramms „Kunst im öffentlichen Raum und neue künstlerische Strategien“ an der Bauhausuni in Weimar.

Bis Sonntag können die überdimensionalen Blumen bestaunt werden und zu Diskussionen anregen. Dann sollen sie auf Wanderschaft gehen und auf einem anderen Platz irgendwo in Thüringen zum Meinungsaustausch anregen.

Cansu Naz Tekir aus der Türkei hat gestern die Aktion ihres Kommilitonen mit der Kamera begleitet. Die Dokumentation möchte dieser auf seiner Webseite ( www.michaelusling . com) veröffentlichen.

Am Mittwoch laden zwei Studierende aus Kolumbien und den USA ein. Sie bauen aus textilem Material Tipis, deren Oberflächen mit Gebäuden Geras bedruckt werden. Die Tipis bieten Raum zum Treff.

Ein Konzert steht am Donnerstag mit arabisch-spanischen Gitarrenklängen auf dem Programm. Das Duo spielt ab 19 Uhr auf der kleinen Bühne vor dem Framo. So heißt das Freiraumaktivierungsmobil des Kollektives Raumstation der Weimarer Bauhaus-Universität. Viele fleißige Helfer haben diese am Montagnachmittag gebaut.

Wer möchte, kann am Donnerstag sein Instrument mitbringen und auch musizieren.

Nächste Aktionen: 22. bis 28. Juli Geranien auf Geranisch: Es geht um Sprache und Literatur 29. bis 4. August: Geranien in Feierlaune. Es finden verschiedene Konzerte und Partys statt. Infos im Internet: weimar.raumstation.org

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