Gera: Weiße Elster wird zur Flusslandschaft des Jahres 2020/21 gekürt

Gera.  Was der Fluss zu bieten hat und was dort in Zukunft geplant ist. Eröffnungskonferenz im Rathaus Gera.

Im Rathaussaal fand die Eröffnungskonferenz zum Thema „Flusslandschaft des Jahres 2020/21“ statt. Referenten waren (von links) Thomas Hennicke vom Kreisangelvereins "Weiße Elster" Zeitz, Frank Schirmer von der Thüringer Landgesellschaft, Martin Dittrich vom Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz, Matthias Prasse, Vorsitzender des Verbandes Historische Häuser und Gärten Sachsen-Anhalt. Vorne ist Tilo Wetzel von den Natur-Freunden Gera.

Im Rathaussaal fand die Eröffnungskonferenz zum Thema „Flusslandschaft des Jahres 2020/21“ statt. Referenten waren (von links) Thomas Hennicke vom Kreisangelvereins "Weiße Elster" Zeitz, Frank Schirmer von der Thüringer Landgesellschaft, Martin Dittrich vom Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz, Matthias Prasse, Vorsitzender des Verbandes Historische Häuser und Gärten Sachsen-Anhalt. Vorne ist Tilo Wetzel von den Natur-Freunden Gera.

Foto: Marvin Reinhart

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Den Kulturraum „Weiße Elster“ gibt es nicht, sagt Matthias Prasse, Kulturhistoriker und Vorsitzender des Verbandes historische Häuser und Gärten Sachsen-Anhalt. Dennoch hat der Fluss Potenzial. „Wussten, Sie, dass es an der Weißen Elster 83 Burgen, Schlösser und Herrenhäuser gibt?“, fragt er ins Publikum. „Bei 257 Kilometern Länge ist das die selbe Schlösserdichte wie an der Loire“, sagt er. Anlässlich der Ernennung der Weiße Elster zur „Flusslandschaft des Jahres 2020/21“ am 21. März durch das Bundesumweltministerium fand am Montagabend im Geraer Rathaussaal eine Eröffnungskonferenz mit Interessenten und Vertretern aus Politik, Kultur, Naturinitiativen und Tourismus statt. In vier Fachvorträgen wurde der Fluss von Tschechien bis nach Halle an der Saale aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Durchs Programm führte unter anderem der Geraer SPD-Stadtrat Tilo Wetzel von den Naturfreunden Gera, die federführend die Bewerbung erarbeiteten.

Die Weiße Elster ist für Fische unbefriedigend

Nur den Thüringer Teil des Flusses betrachtet, gibt es nach Martin Dittrich vom Thüringer Umweltamt, Handlungsbedarf. „Für Fische ist die Flussökologie unbefriedigend“, sagt er. Seine These: Nur naturnahe Fließgewässer sind ökologisch intakt. Er verweist auf die Beschaffenheit des Flussbettes. Dort müsse es sogenannte Kieslücken geben, die Fische wie die Äsche zur Laichablage nutzen können. Ziel müsse es sein, den Fluss in Teilen zu renaturieren. Naturnahe Seitenausläufer könnten zudem zum Kanufahren, Wandern oder Fliegenfischen genutzt werden.

Hochwasserschutz seit 2013 wichtiger denn je

Der Gedanke der Renaturierung trifft bei Frank Schirmer von der Thüringer Landgesellschaft auf Zuspruch. In Milbitz beispielsweise sollen Maßnahmen zur Förderung des natürlichen Rückhalts erbracht werden. Das dortige Tierheim und die Reithalle haben indes schon einen neuen Platz bekommen. Auch im Vogelschutzgebiet nahe Caaschwitz soll der Flusslauf strukturreicher und damit natürlicher gestaltet werden. In Gera-Untermhaus soll das Profil soweit ausgebaut werden, dass 600 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abfließen können.

Tourismusförderung aus historischem Blickwinkel

Durch die Aufmerksamkeitssteigerung wachse die Region zusammen, sagt Landtagsmitglied Andreas Schubert (Die Linke). Flüsse sind Lebensadern, das betrifft den Lebensraum für Pflanzen und Tiere ebenso, wie den Tourismus. Finanzministerin Heike Taubert (SPD) betont ebenfalls die touristische Bedeutung des Projekts. „Für Gewässerunterhaltung soll weiterhin Geld ausgegeben werden“, sagt sie. Mögliche historische, touristische Ziele stellt indes Matthias Prasse vor: Bekannte wie das Schloss Osterstein und unbekannte, wie die 1000 Jahre alte Veitskirche in Wünschendorf. Ein Vorteil: „Innerhalb von zweieinhalb Stunden können motorisierte Besucher alle Punkte am Fluss erreichen“, sagt er. „Aber man muss sie eben ausschildern“, so der Kulturhistoriker.

Die Nase wieder heimisch machen

Auch der Kreisangelvereins „Weiße Elster" Zeitz engagiert sich für das Projekt. Vom 12. bis zum 14. Juni soll mit einer Veranstaltung am Zeitzer Bahnhof auf den Fluss aufmerksam gemacht werden. Im Oktober vergangenen Jahres sorgte der Verein für Schlagzeilein mit einer Müll-Sammelaktion am Elster-Ufer. Zudem wolle er wieder heimische Fischarten ansiedeln, wie beispielsweise die Nase.

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