Historisches

Gera will Walter Müller berühmt machen

Gera.  Späte Würdigung für einen Zeichner, Lithograph, Drucker und Verleger in seiner Heimatstadt.

Die Kabinettausstellung erinnert an Leben und Wirken des Zeichners, Lithographen, Druckers und Verlegers Walter Wilhelm Müller (1845-1927) aus Gera. Andrea Geithner, Hartmut Baade, Harald Frank von der Arbeitsgruppe „Walter Müller“ und die Ururenkelin des Zeichners Anna Saß (v.li.).

Die Kabinettausstellung erinnert an Leben und Wirken des Zeichners, Lithographen, Druckers und Verlegers Walter Wilhelm Müller (1845-1927) aus Gera. Andrea Geithner, Hartmut Baade, Harald Frank von der Arbeitsgruppe „Walter Müller“ und die Ururenkelin des Zeichners Anna Saß (v.li.).

Foto: Peter Michaelis

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Faszinierend echt erscheinen die Pflanzen, Früchte und Insekten auf den ausgestellten Drucken. Ihr Schöpfer war Walter Müller (1845-1927), dessen Werke weltweit bekannt sind, ohne dass man sich in Gera der Leistung dieses Mannes bewusst ist. So sieht es die Arbeitsgruppe, die seit 2015 die Kabinettausstellung „Walter Müller – verkanntes Genie, Zeichner, Lithograph, Drucker und Verleger“ vorbereitet hat. Sie ist jetzt im Museum für Naturkunde Gera zu sehen.

Zum Anbeißen sind die gemalten Birnensorten von 1909/10, die in einer Vitrine mit Modellen aus dem Deutschen Gartenbaumuseum Erfurt liegen. Gudrun und Peter Schuh aus Gera hatten 2017 das im Jahr 1900 erschienene Buch „Abbildungen der in Deutschland und den angrenzenden Gebieten vorkommenden Grundformen der Orchideen-Arten“ dem Museum geschenkt. Es vereint 60 Orchideentafeln und ist ausgestellt. Gelungen ist das Nachstecken der Druckvorlage in einem Insektenkasten. Malte Jänicke ließ damit eine Seite aus dem 1901 erschienen Buch „Die Geradflüger Deutschlands“ plastisch werden. „Das ist das Buch von Walter Müller mit dem größten Detailreichtum“, schätzt Harald Frank ein. Der Geraer ist Geschäftsführer der Gebr. Frank GmbH & Co. KG und produziert heute mit seinem Betrieb an dem Ort, an dem schon Walter Müller seine Werke druckte. 1892 hatte er die Druckerei in der Schillerstraße gekauft.

Sechs Macher mit Sinn für Botanisches

Harald Frank bewahrt den botanisch-wissenschaftlichen Nachlass des Geraer Genies und er war es auch, der die Arbeitsgruppe angeschoben hatte. Die Wissenschaftler Hartmut Baade aus Altenburg und Wolfgang Heinrich aus Jena, die Ururenkelin Anna Saß aus Berlin und die beiden Geraerinnen Andrea Geithner und Kornelia Meyer gehören zur Gruppe. Die beiden Letzteren übernahmen gemeinsam mit Harald Frank die museale Umsetzung. In der Geraer Kunstsammlung fand man Skizzenbücher und Zeichnungen, die ausgestellt sind. „Jedes Mal, wenn eine Antwort gefunden wird, gibt es neue Fragen“, beschreibt Harald Frank die Arbeit der Gruppe. Er erläutert zum Beispiel in einer Vitrine die damals von Walter Müller verwendete und perfektionierte Technik des Steindrucks.

„Naturkunde ist keine Kunst. Hier kommt es darauf an, sich haargenau an das Original zu halten“, sagt Rainer Michelson. Der Präparator weiß wovon er spricht. Die Pilz-Vitrine hat er gestaltet. Ihn ärgert, dass „lumpiger Weise“, wie er in den Worten zur Eröffnung der Ausstellung sagt, Künstler als Quelle von botanischen Zeichnungen oft nicht genannt werden. Dass Müller in seinem eigenen, in fremden und internationalen Verlagen veröffentlichte, daran erinnerte Geras Bürgermeister Kurt Dannenberg (CDU) und sprach von der „ersten Würdigung“ in Gera.

Darüber freuten sich vor allem auch Anna Saß (60), die in Berlin lebende Ururenkelin. Aus Köln war Urenkelin Katharina Zimmer (53) zur Eröffnung gekommen. Deren Opa war der Maler Willy Müller-Gera (1887-1981), der später in Pößneck lebte. An ihn, der auch als Werbegrafiker arbeitete, erinnert das Museum Pößnecker Stadtgeschichte mit einer Sonderausstellung, die am 30. November eröffnet wird.

„Ich habe ein Versprechen eingelöst“, sagt Harald Frank mit Genugtuung. Dem im vorigen Jahr in Pößneck gestorben Klaus Müller, Sohn des mit seinem Geburtsort signierenden Müller, hatte er zugesagt, die Nachlässe von Walter und Willy zusammenzuführen.

Die Ausstellung im Museum für Naturkunde Gera ist bis zum 23. Februar 2020 zu sehen. Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen 12 bis 17 Uhr, Nicolaiberg 3, 07545 Gera

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