Geraer Bäcker empört über Bon-Zwang

Gera.  Ab 2020 müssen allen Kunden gesetzlich Kassenbelege ausgegeben werden. Bäcker-Innung Gera kämpft für branchenweite Befreiung.

Die Bäckerinnung Gera – hier das Logo auf frischem Backwerk – kämpft gegen den Bon-Zwang ab 2020.

Die Bäckerinnung Gera – hier das Logo auf frischem Backwerk – kämpft gegen den Bon-Zwang ab 2020.

Foto: Peter Michaelis

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Dem Geraer Bäcker Michael Möbius steht es bis zum Hals. „Das treibt uns die Zornesröte ins Gesicht“, sagt er. „Ich bin nur gespannt, wie die Kunden reagieren. Die werden nur den Kopf schütteln.“

Worum geht es? Ab dem 1. Januar 2020 muss jedem Kunde zwingend ein Kassenbeleg in Papierform oder elektronisch ausgegeben werden. Das sieht das „Gesetz zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen“, kurz Kassengesetz 2020, vor. Die Ausgabepflicht solle verschiedene Arten von Steuerhinterziehung und Betrugsszenarien verhindern, teilt das Finanzministerium Thüringen mit. „Jeder Kassenbeleg kann letztlich als Kontrollmitteilung beim Finanzamt landen“, heißt es. Versucht werde Steuerbetrug mittels einer Zweitkasse sowie nachträgliche Manipulation an den aufgezeichneten Geschäftsvorgängen aufzuspüren, so ein Sprecher des Ministeriums.

Für Michael Möbius und etlich weitere Bäcker ist das grober Unsinn. „Wir haben viel Geld in ein digitales Kassensystem investiert. Die sind voll auslesbar, völlig unabhängig, ob ich den Kassenbeleg drucke“, sagt er. Kunden, gerade in Bäckereien, verzichten zudem meist auf den Kassenzettel. „Zwei bis drei Kunden am Tag fragen nach dem Beleg“, sagt Sandra Seide, Angestellte im Schloss und Straßen Café in Gera. „Und wir haben am Tag rund 800 Kunden.“

32 Kilometer Kassenbelege am Tag

„Hier werden nur die Kosten in die Höhe getrieben“, sagt Stefan Haase, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Gera. Die bleiben letztlich beim Endverbraucher hängen. Zusammen mit der Bäckerinnung versucht er eine branchenweite Befreiung in Thüringen zu erreichen. Die bestehe zumindest im Einzelfall bei sachlicher oder persönlicher Härte, wie das Ministerium mitteilt.

Neben dem finanziellen Aspekt spielen ökologische Faktoren eine Rolle. „Rein in den Bäckereien in Thüringen werden dann am Tag 32 Kilometer Kassenbelege ausgedruckt und in den Müll geworfen“, sagt Michael Möbius in seiner Rolle als Bäcker-Innungs-Vorstand. Denn annehmen – wie in Italien – müssen die Kunden den Bon nicht.

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