Geraerin spendet Geige des Großvaters für das Projekt „Musik statt Straße“ in Sliven

Gera  Beate Tschirlei spendet das Instrument für Kinder in der bulgarischen Partnerstadt. Bernd Krüger übergibt es zum Konzert im Kirow-Theater.

Bernd Krüger (l.), der seit zehn Jahren in Sliven das Projekt Musik statt Straße unterstützt, bekommt von Beate Tschirlei die Geige ihres Großvaters geschenkt, die Geigenbaumeister Thomas Niedan auf seine Kosten repariert hat.

Bernd Krüger (l.), der seit zehn Jahren in Sliven das Projekt Musik statt Straße unterstützt, bekommt von Beate Tschirlei die Geige ihres Großvaters geschenkt, die Geigenbaumeister Thomas Niedan auf seine Kosten repariert hat.

Foto: Sylvia Eigenrauch

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Ihren Bruder und ihre Kinder hat die Geraerin Beate Tschirlei gefragt, bevor sie sich zu diesem Schritt entschloss. Die Geige ihres Großvaters Hermann Kahlert spendet sie für die Kinder in der bulgarischen Partnerstadt Sliven, die in dem auch aus Gera unterstützen Projekt „Musik statt Straße“ ein Instrument lernen. Für viele ist es ein Anfang, sich aus dem Ghetto zu lösen. Für die meisten ein Schritt in ein neues Leben.

Im Orchester der Riebeck-Brauerei gespielt

Lange lag die Geige schon in der Ecke. Einen Kostenvoranschlag für die Reparatur gab es, nachdem sich Beate Tschirlei zu ihrem 60. Geburtstag die eigene Geige in der Werkstatt von Thomas Niedan hat überholen lassen. Ihr Großvater hat das gute Stück von Schuster & Co. aus Markneukirchen zuletzt im Arbeiter-Sinfonieorchester der Riebeck-Brauerei gespielt. Der Geigenbaumeister schätzt das 100 Jahre alte Instrument heute auf 1000 Euro.

„Ich war ganz wuschig“, erinnert sich Beate Tschirlei. Ausgerechnet in der Augustwoche, in der junge Slivener Musiker in Gera zu Besuch waren und auch im Rathaussaal ein Konzert gaben, war sie mit ihrer Freundin auf Radtour. Einen Einblick vom Besuch erhielt sie aus der Fernsehsendung „Aspekte“. „Das hat mich so berührt. Ich gebe die Geige von Herzen gern weg“, sagt die 65-Jährige und knüpft eine Bedingung daran.

„Ich möchte zu gern sehen, wer die Geige spielt. Vielleicht kann ich den Jungen oder das Mädchen sogar treffen, wenn sie wieder einmal nach Gera kommen“, wendet sie sich an Bernd Krüger. Der sagte zu, sich dafür einzusetzen, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht.

Beim Übergabetermin hatte er Spendengeld für die Reparatur dabei, konnte es aber stecken lassen. Meister Niedan spendet seine Arbeitsleistung sowie einen neuen Kasten und Bogen. Risse hat er geschlossen, einen neuen Steg aufgesetzt und neue Saiten gespannt. Von „knapp 300 Euro“ spricht er, der nicht das erste Mal ein Instrument für Sliven aufarbeitete.

Wenn Bernd Krüger als einziger Geraer am 7. November nach Sliven reist, wird er auch eine zweite, reparierte Geige, im Handgepäck haben. Gestiftet hat sie Dagmar Kunze, ehemalige Dramaturgin am Theater Gera. Auch über die dafür nötigen 125 Euro werde Niedan keine Rechnung schreiben, wie er sagt.

Anlass für den Besuch in Sliven, so berichtet Bernd Krüger, ist ein Konzert der Kinder aus dem Ghetto Nadeshda am 9. November im staatlichen Kirow-Theater der Stadt. Es soll aus Anlass des zehnjährigen Bestehens von „Musik statt Straße“ stattfinden. „Das ist eine wichtige Zäsur, weil die Slivener Verwaltung bisher eher desinteressiert zu dem Projekt stand“, sagt Krüger, der von Gera aus die Kontakte pflegt. Bei diesem Festkonzert wolle er beide Geigen als Solidaritätsgeschenk aus Gera übergeben und Spenden, darunter auch jene 600 Euro, die Katja Paunack anlässlich einer Firmenfeier einnahm.

Endlich, so Krüger, werde auch die Leistung des Gründers von „Musik statt Straße“ in Bulgarien anerkannt. Der Geiger Georgi Kalaidjiev erhält den Dobri-Chintulov-Preis 2019. Er sei damit der erste Musiker, der diese seit 1967 verliehene Auszeichnung bekommt.

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