Grauer November für Geras Gastronomie und Kultur

Gera.  Umgehört in Gaststätten und bei Kultur-Anbietern in Gera zur angekündigten Corona-Zwangspause

Gastronom Klaus Rüdiger vom Geraer Waldhaus. Ab 2. November müssen Restaurants und Kneipen bis vorerst Ende November schließen.

Gastronom Klaus Rüdiger vom Geraer Waldhaus. Ab 2. November müssen Restaurants und Kneipen bis vorerst Ende November schließen.

Foto: Peter Michaelis

Sorge, Frust, Enttäuschung, aber auch Hoffnung – Das ist auch in Gera die Gefühlslage in der Gastronomie und in der Veranstaltungs- und Kulturbranche, nachdem erneut weitreichende Einschränkungen und Schließungen zur Eindämmung der Corona-Infektionen ab Montag und zunächst für den November angekündigt wurden. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog.

„Ausknipsen geht schnell, aber man kann nicht einfach mal schnell im Dezember wieder anknipsen“, sagt Caren Peil, Leiterin der Metropol-Kinos. Das Kino und viele Kulturschaffende, die sie kenne, hätten unter großen Anstrengungen wieder etwas anbieten können. „Und ich weiß, es ist sicher nicht so gemeint, aber es fühlt sich so an, als sei man der Sündenbock.“ Ihr werde „himmelangst“ um einzelne Menschen, sie habe Angst, was ein erneuter kultureller Kahlschlag mit den Seelen mache. „Es ist nun festgelegt und wir müssen es machen“, sagt sie. Und natürlich hoffe man auf den Dezember, doch jetzt sei die Zeit, diesen vorzubereiten und dafür fehle die Planungssicherheit.

Das unterstreicht auch Ronny Grosser vom Köstritzer Bierhaus in Gera. „Jetzt kommen die Absagen für den Dezember; selbst wenn wir dann wieder öffnen dürften, stehen wir erstmal vor leeren Büchern.“ Ihm fehlt der Glaube daran, dass sich die Lage im Dezember für die Branche verbessert. „Wir leben – und leiden – mit den Hygienekonzepten, mit weniger Sitzplätzen; wir sind nachweislich nicht die Infektionstreiber und müssen trotzdem schließen“, sagt Grosser: „Wozu haben wir das denn so lange geprobt? Ich kann es nicht nachvollziehen.“

Geraer Gastronom will sich einer Klage anschließen

Auch, wenn es um zugesagte finanzielle Hilfen geht. Die letzten hätten nicht richtig funktioniert und ihm schwant Ähnliches mit der nun angekündigten Hilfe. „Es hat sich doch abgezeichnet, dann hätte man das doch alles vorbereitet haben können. So wirkt es wie blinder Aktionismus.“ Der Gastronom kündigt an, sich einer Klage auf Landesebene anzuschließen, will dafür viele Gastronomen aus Gera hinter sich versammeln. Nun warte man auf die Verfügung des Landes und darauf, wie die Schließung der Gaststätten begründet wird.

Eine Befürchtung Grossers: „Jetzt sehe ich noch mehr die Gefahr, dass sich die Treffen in den unkontrollierbaren privaten Bereich verlagern.“ Diese Sorge schwingt auch bei Wilfried Kutschbach vom Gasthaus und Hotel in Gera-Collis mit, wenn er sagt: „Man hofft, dass die Zahlen dann auch wieder runtergehen.“ Um überhaupt wieder öffnen zu können, „von Weihnachts-Geschäft will ich gar nicht reden, viele Weihnachtsfeiern wurden schon abgesagt“. Es sei eine schwierige Situation für das Familienunternehmen und er hoffe, dass die Mitarbeiter trotz erneuter Kurzarbeit bei der Stange blieben. „Wir haben nicht gerade wenig in die Hygiene investiert“, sagt Kutschbach. Ohne Gasthof, Kegelbahn und touristische Übernachtungen bliebe nur eine überschaubare Zahl geschäftlicher Hotelgäste. „Wir hoffen, dass das mit den Zuwendungen klappt.“

Viele Feiern bereits abgesagt

„Einfach nur traurig“ nennt Klaus Rüdiger von der Geraer Gaststätte Waldhaus die Situation. „Die Gastronomen, die ich kenne, haben die Plätze reduziert, in Hygiene investiert, Daten erfasst. Wir haben alles umgesetzt, was verlangt war.“ Das Geschäft sei inzwischen wieder halbwegs normal gelaufen, auch wenn zuletzt wieder viele größere Feiern abgesagt wurden. Jetzt stünden vier Wochen Zwangspause an, auch, weil das Waldhaus in der Hofer Straße nicht die potenzielle Laufkundschaft der Innenstadt habe. „Wir richten uns jetzt darauf ein, an Weihnachten für Abholung beziehungsweise Lieferung zu kochen.“

Im erst im Februar 2020 eröffneten privaten Boulevardtheater „Kleine Komödie“ sei man „relativ aufgeräumt“, da es zumindest eine klare Ansage gab, sagt Juliette Engler. Sicherlich sei die Situation nicht einfach, man gehe aber fest davon aus, dass man im Dezember wieder öffnen und unter Hygienebedingungen spielen darf. Bis dahin steht am Sonntag die vorerst letzte Vorstellung an, der ausverkaufte und ins Comma verlegte Auftritt von Uwe Steimle.

Wichtig ist, gesund zu bleiben

Es wird kulturell ein grauer November, da stimmt Lutz Piller zu, der mit seiner Veranstaltungs- und Booking-Agentur Varia Service über 30 Künstler vertritt, noch wesentlich mehr vermittelt. „Es ist schmerzlich für viele, viele Künstler, egal ob voll- oder halbprofessionell, ich kann das nachempfinden.“ Er kenne manche Künstlergruppe, die es inzwischen nicht mehr gibt, andere Künstler würden in ihrem alten Beruf arbeiten oder jobben, um über die Runden zu kommen. Es sei schwer für ihn einzuschätzen, ob die jüngsten Entscheidungen angemessen und wirksam sind, er habe aber das Vertrauen in die Maßnahmen und die Zuversicht, dass man auch diese Zeit übersteht. „Ich bin hoffnungsvoll“, sagt er: „Das Wichtigste ist, dass wir gesund bleiben.“