Härtefallkommission hat entschieden: Mucci bleibt in Gera

Gera  Der JFC Gera hat erfolgreich dafür gekämpft, dass ihr Trainer und Spieler Mouctar Diallo nicht abgeschoben wird

Freude und Erleichterung: Mouctar Diallo und Steffen Hadlich, Vorsitzender des JFC Gera, nach dem Training. 

Freude und Erleichterung: Mouctar Diallo und Steffen Hadlich, Vorsitzender des JFC Gera, nach dem Training. 

Foto: Andreas Rabel

Training beim JFC Gera. Mouctar Diallo, den sie alle nur „Mucci“ rufen, zeigt den jungen Kickern, wie man mit dem Ball umgehen muss. Geduldig. Freundlich. Als Trainer lobt er, kritisiert er, muntert auf – und zeigt alles noch einmal. Eigentlich scheint alles wie immer. Doch für Mouctar Diallo ist dieser Trainingsabend in Heinrichsgrün ein besonderer. „Ich bin so glücklich, dass alles gut ausgegangen ist, dass ich in Gera bleiben kann.“ Der 19-Jährige, geboren in Guinea, aufgewachsen in der Elfenbeinküste und seit vier Jahren in Gera, ist eine feste Größe beim JFC Gera, er bringt sich ein, übernimmt das Training, hatte als Stürmer auch schon die ersten Einsätze beim Thüringenliga-Aufsteiger SG TSV Westvororte, geht in die zehnte Klasse der Berufsschule in Gera-Bieblach Ost. Doch ging es nach dem Willen der Politik, sollte Mouctar Diallo abgeschoben werden. Doch was wäre aus ihm geworden? In Afrika wäre er ein Fremder, seine Zukunft ungewiss. Er wollte bleiben, sollte bleiben – so der Wunsch des JFC Gera, der für ihn kämpfte. Am 21. Mai nahm er die Möglichkeit wahr, bei der Beauftragten für Integration, Migration und Flüchtlinge in Thüringen einen Härtefallantrag bei der Härtefallkommission zu stellen.

Dann hieß es warten, warten, warten. „Ich war schon optimistisch, dass der Antrag nicht abgelehnt wird. So viele haben mir Mut gemacht, mir geholfen, sich für mich eingesetzt. Ich bin dem JFC Gera von Herzen dankbar“, sagt er. „Von seinem Schlag bräuchten wir noch mehr. Mouctar ist freundlich, immer da, wenn er gebraucht wird“, sagt Steffen Hadlich, der Vorsitzende des JFC Gera.

Und Heidi Tiesler, Teil des Org-Teams im Verein, kümmerte sich besonders um ihn, stellte einen dicken Ordner zusammen, den die Geraer der Härtefallkommission vorlegen konnten. Im Hefter Blatt für Blatt Statements pro Mouctar Diallo. Trainer, Betreuer, Spieler des Vereins, auch anderer Geraer Vereine, Vertreter der Stadt, der Wirtschaft, bis hin zum Oberbürgermeister Julian Vonarb – sie alle wollten, dass Mouctar Diallo bleiben kann. „Als Montag die Schule begann, konnte ich mich nicht auf die Aufgaben konzentrieren. Ich habe immer daran gedacht, wann die Kommission meinen Fall entscheidet. An einem 21. habe ich den Antrag gestellt, am 21. August hat sie entschieden. Ich darf bleiben“, sagt er und ist froh, dass die Ungewissheit ein Ende hat. Der junge Mann hat schon einiges hinter sich, bevor nach Europa kam. Er hat in Libyen im Gefängnis gesessen, ist zwei Wochen mit dem Boot nach Italien gefahren. Vater und Mutter sind tot. In Deutschland baut er sich ein neues Leben auf. Und der Fußball spielt dabei eine wichtige Rolle. Als er fünf war, hat ihm sein Vater einen Ball geschenkt. „Den habe ich gehütet, jahrelang habe ich ihn gehabt.“ Nach der Schule möchte er eine Ausbildung zum Physiotherapeuten beginnen – und natürlich weiter Fußball spielen, als Trainer arbeiten. „Jetzt wird alles gut“, sagt er, strahlt und jongliert locker und leicht mit dem Ball und freut sich auf das heutige Ortsderby in der Thüringenliga zwischen dem TSV Westvororte und BSG Wismut Gera.

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