Hauptwohnsitz Campingplatz: In Gera-Aga entsteht Minihaussiedlung

Gera.  32 Stück sollen bald auf der 3,2 Hektar großen, unteren Wiese des Campingplatzes stehen, zwischen den Bungalows aus DDR-Zeiten und altem Baumbestand.

Markus und Robert Helmer vor der neu erschlossenen Fläche, auf der bald 32 Minihäuser stehen sollen.

Markus und Robert Helmer vor der neu erschlossenen Fläche, auf der bald 32 Minihäuser stehen sollen.

Foto: Luise Giggel

Wer sich nun fragt, was genau ein Minihaus sein soll, trifft des Pudels Kern. Und wer an die hippen Tiny-Houses denkt, die gerade vor allem bei jüngeren Menschen mit Öko-Bewusstsein, Freiheitsdrang und Hang zum Minimalismus beliebt werden, liegt nicht völlig daneben. Die Abgrenzungen sind fließend, es existieren verschiedene Begriffe für die kleinen Häuschen, die an eine Mischung aus Bungalow und Wohnwagen erinnern.

„Minihäuser“ nennt Robert Helmer die Exemplare, die bald auf der neu erschlossenen Fläche seines Campingplatzes in Gera-Aga Platz finden sollen. „Mobilheime“ heißen sie auf der Website des Anbieters, mit dem Helmer einen Exklusivvertrag für den Vertrieb abgeschlossen hat. 32 Stück sollen bald auf der 3,2 Hektar großen, unteren Wiese des Campingplatzes stehen, zwischen den Bungalows aus DDR-Zeiten, der oberen Zeltplatzwiese und dem alten Baumbestand ringsum.

30 bis 40 Quadratmeter bieten die Häuschen auf Rädern, die ähnlich aufgeteilt sind, wie eine moderne Zwei-Zimmer-Wohnung: Offene Küche mit Wohnbereich, Bad, schmalem Flur, zwei Schlafzimmer. Dusche und Toilette befinden sich oft in separaten Räumen. Der Unterschied zu einigen älteren Bungalows: Sie sind gedämmt und haben Heizungen. Damit können Bewohner das ganze Jahr über drin leben und es ist möglich, in diesen Häuschen seinen Hauptwohnsitz anzumelden. Obwohl Räder montiert sind, sind die Mobilheime aber gar nicht ganz so mobil: Um mit ihnen durchs Land zu reisen, ist ein Tieflader nötig, da sie keine Straßenzulassung besitzen. Soll aber doch mal der Wohnort gewechselt werden, kann das Haus im Gegensatz zu einem befestigten Bungalow mitgenommen werden. Tiny-Houses können eine Straßenzulassung erhalten und an einen Pkw gekoppelt werden, denn sie sind in der Regel schmaler.

Einzug im Frühjahr möglich

Die Idee für diese Nutzung der Fläche hatte Robert Helmer im vergangenen Jahr. Daraufhin wurde sie mit Wasser, Abwasser und Elektroleitungen erschlossen. Nach dem Antrag im Mai und Abstimmungen in verschiedenen Ausschüssen, hat der Stadtrat in der jüngsten Sitzung die Einleitung des Planverfahrens für eine Erweiterung des Campingplatzes um 32 Stellplätze für Mobilheime einstimmig beschlossen.

Die Vermarktung habe bereits begonnen, sagt Robert Helmer, der Pächter für die jeweils 150 Quadratmeter großen Parzellen finden will. Zielgruppe seien die Sorte Mensch, die Wert auf Natur legen. Im Frühjahr könnten die Mobilheime aufgestellt werden, die wahlweise selbst bewohnt oder auch vermietet werden können. „Das wäre auch eine gute Geldanlage“, betont Robert Helmer. Acht Vorreservierungen gibt es derzeit.

Bereits seit 1990 ist der gebürtige Augsburger Betreiber des Campingplatzes in Gera-Aga. Die ersten Mobilheime entdeckt habe er schon als Kind im Familienurlaub in Süd-Frankreich. Inzwischen besitzt er auch ein eigenes Mobilheim – allerdings ein gebrauchtes Modell. Wer bei ihm eines der neuen Mobilheime erwerben möchte, kann viel individuell gestalten und bezahlt je nach Ausführung etwa 40.000 bis 80.000 Euro pro Haus.

Alternative zum Baugrundstück

„Das ist für meine Frau und mich ein Kompromiss, weil es keine bezahlbaren Grundstücke gibt“, sagt der erste Eigentümer eines Mobilheims in Gera-Aga. Seit einer Woche, nur einen Tag nach Beschluss im Stadtrat, steht sein neues Eigenheim auf dem Rasen. Die ersten Kartons sind schon eingezogen. Auf lange Sicht will er seine Wohnung in Gera aufgeben und das Mobilheim auf dem Campingplatz den Sommer über bewohnen. Im Winter geht es dann mit dem wirklich mobilen Wohnwagen gen Süden – „wie bei den Zugvögeln“.

Robert Helmer ist überzeugt von seinem Plan der Minihaussiedlung und dem Nutzen für die künftigen Bewohner: „Man kann Geld sparen und Baustress vermeiden“. Außerdem bedürfe es nun keiner Baugenehmigung mehr, denn die habe er ja schon für die Fläche. 250.000 Euro habe er für die Erschließung und Planung ins Projekt investiert. Dass nur wenige Meter zwischen den Häusern liegen, würde seine Kundschaft nicht stören. Gegen unliebsame Nachbarn könne man in einer Reihenhaussiedlung auch nichts machen. Zur Not zieht man einfach samt Haus woanders hin.