Wort zum Sonntag

Hilfe beim Heilen

Christian Kurzke, Pfarrer in Rüdersdorf-Kraftsdorf

Christian Kurzke

Christian Kurzke

Foto: Wolfgang Hesse

Eine Freundin rief an: „Kannst Du kommen, jetzt schnell gleich. Mir geht es nicht gut.“ Wenige, ganz aufgeregte Worte waren das am Telefon. Sofort fahre ich zu ihr. Ganz bleich sieht sie aus. Vor einigen Wochen hatte sie einen neuen Job mit viel Verantwortung und Engagement übernommen. Sie hatte sich reingekniet in Beruf und in Familie. Alles sollte perfekt sein. Aber sie blieb Getriebene ihrer Termine, ihres zugebauten Alltages. „Die Angst kommt, wenn ich merke, das schaffe ich alles nicht mehr. Das ist einfach zu viel für mich.“ Dann kommt der kalte Schweiß auf die Stirn, das Herz rast, der Kreislauf spielt verrückt. „Ich muss was ändern. So wie‘s ist, kann es nicht weiter gehen“ - dachten wir beide.

Sie fährt zur Kur, lernt dort neu, Nein zu sagen, in aller Planerei zwischen Beruf und Familie auch mal Ruhezeiten nur für sich einzubauen. Auch das gehört zur Struktur des Alltags. Gestern besuchte ich sie wieder unangemeldet und spontan, weil ich ihr Auto vor der Türe stehen sah. „Heute ist mein freier Tag“, sagt sie. „An einem anderen Tag in der Woche mache ich jetzt Home-Office.“ Sie macht Kaffee wie früher. Dann erzählen wir voneinander, lachen viel. Dass sie redet wie ein Wasserfall, ist gleichgeblieben. Die Themen gehen uns nie aus. Wir erinnern uns auch wie es war. Und ich erzähle ihr, dass ich noch für die Zeitung was über den Wochenspruch aus dem 3. Klagelied des Jeremia schreiben muss: Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ (Jer. 17,14). „Mit Heilung hab ich es gerade nicht so“, sage ich zu ihr. „Ich schon!“ sagt sie. „Ihm habe ich viel zu verdanken. Ich habe gemerkt, allein schaffe ich das nicht. Aber ich hab‘s geschafft, weil einer an meiner Seite mitgegangen ist. Noch ist nicht alles perfekt. Ich muss aufpassen, nicht wieder in die alten Muster zurückzufallen.“