Ideen für einen Geraer Demokratiecampus

Gera.  Im Geraer Stadtzentrum wollen die Gedenkstätte Amthordurchgang und die Stasi-Unterlagenbehörde in der Geschichtsaufarbeitung kooperieren.

Die Gedenkstätte Amthordurchgang in Gera, daneben die Fläche des ehemaligen Vernehmungs- und Zellentraktes.

Die Gedenkstätte Amthordurchgang in Gera, daneben die Fläche des ehemaligen Vernehmungs- und Zellentraktes.

Foto: Peter Michaelis

Der Verein Gedenkstätte Amthordurchgang arbeitet an einem Konzept für ein Zentrum für Erinnerungsarbeit und Demokratiebildung in Gera. Es soll die Arbeit des Vereins mit jener der in Gera verbleibenden Mitarbeiter der Stasiunterlagenbehörde verknüpfen und die der Bundeszentrale für politische Bildung ergänzen.

Vereinsvorsitzender Frank Karbstein sprach diese Woche im Bildungsausschuss des Geraer Stadtrates von der „Gründung eines Demokratiecampus“, für den es Vorgespräche mit dem Bundesbeauftragten Roland Jahn und dem Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Peter Wurschi, gegeben habe. Wenn die Stasi-Akten ins Bundesarchiv nach Erfurt gehen, würden sechs Mitarbeiter in Gera bleiben, erklärten die Vereinsvertreter.

Letztlich erhofft sich der Verein kein Geld, sondern einen politischen Beschluss des Stadtrates, dieses Vorhaben zu unterstützen. Schon einmal habe das funktioniert, so Karbstein, als sich der Verein 1997 gründete und mit Unterstützung von Bund und Land die Gedenkstätte aufbaute und ab 2005 betreibt.

Platzmangel als großes Problem

Die Ausstellung ist inzwischen 15 Jahre alt, sagt Gedenkstättenleiterin Franziska Hädicke. Eine neue sei überfällig und brauche mehr Platz, um die „Regionalgeschichte vom Kaiserreich bis in die Gegenwart in einen europäischen Kontext“ zu stellen. Im Moment liegt ein Schwergewicht auf der Aufarbeitung der SED-Diktatur. Außerdem gebe es aktuell nur einen größeren Veranstaltungsraum.

Den Platzmangel zu beheben, schlägt der Verein drei Varianten vor. Erstens, die Rudolf-Diener-Straße 4 zu sanieren und teilweise zu nutzen, zweites, einen Neubau am ehemaligen Standort des Vernehmungs- und Zellentraktes zu errichten und drittens wäre laut Hädicke „die eleganteste Variante“ beides, Diener-Straße 4 und Neubau, zu kombinieren.

„Umso größer wir sind, umso interessanter werden wir für Schülergruppen“, so Hädicke. Die Kulturwissenschaftlerin erklärte, dass methodisch der biografische Zugang gewählt werden soll. „Uns geht es nicht nur um die Geschichte der Verfolgten, sondern auch um die der Verfolger“, sagt sie.