Kränkelndes Zentrum: Geras Neue Mitte soll bebaut und belebt werden

Gera  Geras Neue Mitte, die 2,5 Hektar große Brachfläche vor dem Kultur- und Kongresszentrum, soll belebt werden. Laut Volker Tauchert, der das IBA-Projekt initiierte, eine Schlüsselinvestition für das kränkelnde Zentrum.

Blick auf die Brache in Geras Innenstadt. Beim IBA-Projekt Neue Mitte arbeiten drei Partner Hand in Hand: die Stadt Gera, die Internationale Bauausstellung Thüringen und der Verein „Ja - für Gera“.

Blick auf die Brache in Geras Innenstadt. Beim IBA-Projekt Neue Mitte arbeiten drei Partner Hand in Hand: die Stadt Gera, die Internationale Bauausstellung Thüringen und der Verein „Ja - für Gera“.

Foto: Thomas Müller

Die Freifläche neben dem Geraer Kultur- und Kongresszentrum (KuK) ist eine der größten innerstädtischen Brachen in Thüringen. Gerade jetzt, im trockenen Sommer, wirken die 2,5 Hektar wie ein verdorrtes Stück Steppe mitten in der Stadt. Es gab schon einige Ideen, wie man das Areal beleben könnte, von der Radrennbahn bis zum Altenheim. Inzwischen ist Geras Neue Mitte ein Projekt der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen. Die IBA ist ein auf zehn Jahre angelegtes Architekturentwicklungsprogramm, das Stadtentwicklung einmal anders angehen möchte. Die Bauvorhaben würden in Koproduktion mit den Bürgern und in Kooperation mit Ämtern, Stadtverwaltung und Bürgermeistern entwickelt, erläutert Bertram Schiffers, IBA-Projektleiter für Geras Neue Mitte.

Bis zum IBA-Abschluss im Jahr 2023 soll das Geraer Großprojekt soweit vorangeschritten sein, dass erste Bauten stehen, ein grüner Gürtel angelegt und der Platz vor dem KuK gestaltet ist. Initiiert wurde das IBA-Vorhaben 2014 von Volker Tauchert und seinem Verein „Ja - für Gera“. Für ihn ist die Neue Mitte eine der Schlüsselinvestitionen, mit der die krankende, wenig belebte Innenstand endlich wieder funktionieren könnte.

Mittlerweile sind erste wichtige Hürden genommen: Nach einem internationalen Ideenwettbewerb, Präsentationen im KuK und Aktionen mit Bürgerbeteiligung hat der Geraer Stadtrat im vergangenen Jahr den Rahmenplan beschlossen.

Brücke zwischen Arcaden und Einkaufsstraße Sorge

Gemäß dem Plan soll die Freifläche zur Breitscheidstraße hin perspektivisch mit vier größeren Gebäudeensembles bebaut werden. Hinter den Bauten durchzieht ein Grünzug das Areal. Die Neugestaltung des Platzes vor dem KuK sowie die Errichtung eines sogenannten Hauses am KuK, das Hotel oder Gastronomie für das Kongresszentrum beherbergen könnte, gehören ebenfalls zum Konzept.

Nächste Schritte sind Ausschreibungen für das sogenannte Haus am Brühl sowie für die Neugestaltung des Platzes vor dem KuK nebst Ideenwettbewerb für den Grünzug. Beim Haus am Brühl handelt es sich um einen Bau, der architektonisch die Brücke zwischen dem Einkaufszentrum Gera-Arcaden und der historischen Einkaufsstraße Sorge schlagen soll. „Hier geht’s in die Innenstadt soll das Gebäude aussagen“, erläutert Projektleiter Schiffers. Es ist als Schaufenster der Region und seiner Wirtschaft angedacht, soll aber auch Gastronomie, Dienstleistungen und Präsenzen von Bildungseinrichtungen beherbergen.

Im Gegensatz zu gewöhnlichen Bauabläufen stehe bei der Vergabe dieses städtischen Schlüsselgrundstücks das inhaltliche Konzept im Vordergrund, sagt Bertram Schiffers. Im Winter startet dazu die Ausschreibung. Investoren sind aufgerufen, Nutzungskonzepte sowie mehrere Architekturvorschläge einzureichen. Es gibt laut Schiffers bereits Interesse seitens mittelständischer Unternehmer aus Gera. Gerüchte, wonach der Investor längst feststehe, verweist der IBA-Mitarbeiter ins Reich der Verschwörungstheorien. Derartigen Entscheidungen müsste schließlich der Stadtrat zustimmen.

Neue Bauweisen sollen erprobt werden

Zuvor jedoch, im Herbst, wird es einen Realisierungswettbewerb für den Platz am KuK zuzüglich Ideenteil für den Grünzug geben. Dann sind Freiraumarchitekten und Landschaftsarchitekten gefragt, dezidierte Pläne einzureichen, bis hin zur Baum- und Hochbeetauswahl. Bedingung ist bei der Platzgestaltung, dass dort auch weiterhin Events wie bisher das Winterdorf stattfinden können.

Geras neue Mitte soll schrittweise entwickelt werden, neben Platz, Grünzug und Haus am Brühl sollen bis 2023 auch die so genannten Gera-Häuser, die sich an das Haus am Brühl anschließen, möglichst weit gediehen sein. In dem Ensemble mit Innenhof sollen laut Schiffers beispielhaft neue Bauweisen erprobt werden. Er kann sich hier eine stark von Holz geprägte Modulbauweise vorstellen - errichtet aus ökologischen und regionalen Baustoffen. In den derzeitigen Plänen ist der Komplex zudem sehr kleinteilig angelegt.

In zwei weiteren Etappen sollen sukzessive die beiden Bauensembles neben der Bibliothek entstehen, inklusive eines neuen Hochhauses am Puschkinplatz. Der grüne Gürtel soll später zudem um einen Wasserlauf ergänzt werden. Die IBA gibt sich optimistisch, dass 2026 auch das KuK saniert sein könnte. Bis 2030 soll ein „vielfältiges Quartier“ entstanden sein mit dem Augenmerk auf innovatives Wohnen, neuartige Arbeits- und Gewerbeflächen für kleinen Handel und Dienstleistungen sowie belebende Außenanlagen nebst Kultur. Das Haus am KuK sei eine weitere Bauoption.

Kritiker präferieren mehr Grünflächen

Wichtig ist der IBA, dass die Brachfläche durch „Inkulturnahme“ immer wieder eine Zwischennutzung erfährt. Noch bis 3. August läuft das Freiraumprojekt Geranien. In etwa 35 Veranstaltungen - von Sport und Spiel bis zu Kunstevents - sollen verschiedene Aspekte einer möglichen künftigen Nutzung der „Mitte“ beleuchtet werden.

Es gibt jedoch auch einzelne Kritiker des Projektes. Ihnen stößt etwa die Größe des Hauses am Brühl auf, sie präferieren mehr Grünflächen. Darauf habe man bereits reagiert und die Bebauungsfläche flexibler gestaltet, sagt Initiator Tauchert. Auch an Grünfläche werde es nicht mangeln. Der grüne Gürtel sei in Summe Fußballfeld-groß. Projektleiter Schiffers ist überzeugt, dass die Kritik erst abebbt, wenn konkrete Entwürfe vorliegen.

Ob tatsächlich Baumaschinen am KuK vorrollen, hängt letztlich von der Handlungsbereitschaft der Stadt ab sowie dem Interesse potenzieller Investoren.

„Diese Riesenchance darf nicht vertan werden“, betont Volker Tauchert. Er setzt sein ganzes Vertrauen auch in den neuen Stadtrat, dessen Mehrheiten durch die Wahl deutlich verschoben wurden.

Geranien

Genarien ist eine interaktive Woche auf dem Areal der Neuen Mitte, hier eine Auswahl der Aktionen:

  • 15. bis 21. Juli Kunstinstallation
  • 17. Juli Bücherflohmarkt (11 bis 17 Uhr)
  • 18. Juli spanisch-arabisches Konzert (19 Uhr)
  • 25. Juli Goethe-Lesung (17 Uhr)
  • 27. Juli Poetry-Slam-Workshop (11 bis 16 Uhr, 17 Uhr Auftritt der Teilnehmer)
  • 27. Juli Spielenachmittag (14 bis 21 Uhr)
  • 28. Juli Vorlesenachmittag (16 bis 18 Uhr)
  • 1. August Konzert: Spätkauf Pakila (19 Uhr)
  • 2. August Lichtinstallation mit DJ Floppy (21.30 Uhr)
  • 3. August Abschlussfeier mit Mitbringpicknick

Stadt und Land: 28 IBA-Vorhaben

  • Die Internationale Bauausstellung (IBA) Thüringen wurde 2012 auf Beschluss der Landesregierung gegründet, der Freistaat ist einziger Gesellschafter.
  • 2014 erfolgte der Aufruf Zukunft „StadtLand“. Von den aktuell 28 IBA-Vorhaben haben sich bereits 12 als Projekt qualifiziert. IBA-Kandidat wird, wer gute Ideen und Konzepte für die Wechselwirkung von Stadt und Land vorweisen kann, für Beziehungen zwischen Individuen und Natur, Siedlung und Landschaft, Gesellschaft und Ressourcen.
  • Die IBA dauert bis 2023, die regionalen Projekte sollen darüber hinaus wirken. Wir stellen Einzelne vor.
  • Weitere Infos im Internet unter www.iba-thueringen.de

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