Lederwerke Weida in vorläufiger Insolvenzverwaltung

Weida.  Am Dienstag wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Bereits seit Anfang September gab es starke Einschränkungen der Produktion.

Der Weidaer Lederwerke-Betreiber Pro Tannery ist in vorläufiger Insolvenzverwaltung. Von bis zu 80 Mitarbeitern war zuletzt die Rede, die in der Weidaer Gerberei arbeiten.

Der Weidaer Lederwerke-Betreiber Pro Tannery ist in vorläufiger Insolvenzverwaltung. Von bis zu 80 Mitarbeitern war zuletzt die Rede, die in der Weidaer Gerberei arbeiten.

Foto: Marcel Hilbert

Eigentlich wollten sie mit dem Wechsel an der Spitze der Arbeitsgruppe „Gestank in Weida“ eine gute Nachricht verbinden. Nämlich die, dass inzwischen seit über zwei Monaten nahezu keine Beschwerden mehr über Geruchsbelästigungen eingegangen seien. „Seit 4. September ist Ruhe, seither sind bei uns keine Meldungen mehr eingegangen“, erklärten Bürgermeister Heinz Hopfe (FWG) und der 2. Beigeordnete Udo Geldner (Pro Kommune-FWG) am Dienstag in einem Pressegespräch. Allerdings kommt mit der guten eine schlechte Nachricht.

Kaum noch Beschwerden nach Einschränkung der Produktion

Der Zeitraum der Beruhigung, erklärte Heinz Hopfe am Dienstag, fällt zusammen mit Einschränkungen in der Produktion der Weidaer Pro Tannery GmbH. Während vereinzelt nach wie vor eine Mitverantwortung des Zweckverbandes Wasser/Abwasser Mittleres Elstertal betont wird, gilt der Lederwerke-Betreiber als Hauptverursacher der Geruchsproblematik -- nicht zuletzt durch ein Gutachten des Landes. Das Unternehmen habe Anfang September die Einarbeitung von Rohware eingestellt, sagt Hopfe.

Er und Udo Geldner, der vorige Woche als Nachfolger des CDU-Stadtratsmitgliedes Gunnar Raffke zum neuen Leiter der Gestank-Arbeitsgruppe bestellt wurde, hatten Mitte September ein Gespräch mit der Geschäftsführung von Pro Tannery. Dort hätten sie von verstärkten coronabedingten Auftragsrückgängen seit Juli erfahren, die die Umstellung der Produktion erforderlich gemacht hätten.

Erschwerend in dieser Situation seien die Auflagen aus der Geruchsproblematik und deren Kosten dazu gekommen, berichtet Udo Geldner aus dem damaligen Gespräch. Dennoch waren Vorbereitungen für beauflagte bauliche Maßnahmen getroffen, die Fundamente für einen Biofilter waren fertig und für Oktober die Installation ins Auge gefasst. „Eine Aussage zur Zukunft des Unternehmens gab es bis dato nicht“, sagte Hopfe am Dienstag, auch wenn es Befürchtungen über eine drohende Insolvenz gab.

Weitere Investitionen zur Geruchsvermeidung waren vorbereitet

Diese haben sich nun offenbar bewahrheitet. Wie inzwischen über das amtliche Portal www.insolvenzbekanntmachungen.de mitgeteilt wird, wurde am Amtsgericht Gera am 17. November, um 13 Uhr, – und damit fast zeitgleich mit dem Pressegespräch im Rathaus -- die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. „Zur Sicherung des Schuldnervermögens vor nachteiligen Veränderungen“, wie es in der Bekanntmachung heißt. Den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das eigene Vermögen habe demnach die Pro Tannery GmbH selbst gestellt. Schriftliche Nachfragen unserer Redaktion an deren Geschäftsführer Cedric Evers blieben am Donnerstag zunächst unbeantwortet. Auch der bestellte vorläufige Insolvenzverwalter Bernd Krumbholz aus Gera war am Donnerstag kurzfristig nicht zu erreichen.

Bürgermeister Hopfe kannte am Donnerstag bis auf die Nachricht noch keine Details. Auch er habe versucht, die Geschäftsleitung zu erreichen, sagte er. „Ich bin nicht glücklich, denn natürlich bin ich wie alle daran interessiert, Arbeitsplätze in Weida zu erhalten“, sagt er. Sicherlich müsse dies verträglich und mit Rücksicht auf die Bewohner der Stadt geschehen, aber gerade, weil ja schon Investitionen in den Schutz vor Geruchsbelästigungen getätigt oder auf den Weg gebracht wurden, hatte er die Hoffnung, hier einen Weg zu finden. Nun müsse man erst einmal abwarten, wie es weitergeht. „Ich kenne die Stadt nicht ohne Lederwerke“, sagt der Bürgermeister.

Während das Landratsamt Greiz die Entspannung in der Gestankproblematik bestätigen kann, wird auf Nachfrage erklärt, dass es keine Anordnung des Amtes gab, die Produktion herunterzufahren. Aber, so das Landratsamt, „es gibt eine rechtskräftige Anordnung der zuständigen Überwachungsbehörde, wonach ab dem 1. September 2020 unter anderem die Überschreitung eines festgesetzten Geruchsimmissionswertes vom Gesamtstandort untersagt ist“. Zudem war die Errichtung und der Betrieb von Abgasreinigungseinrichtungen für die Abwasserbehandlungsanlage bereits zum 30. April 2020 gefordert.