Lehrer bei Gericht

Thüringer Pädagogen verbringen im Geraer Justizzentrum ihre Herbstferien, um Rechtsprechung hautnah zu erleben

Sie ziehen ein positives Resümee nach Praktikumsende (von links): Die Lehrer Gunnar Pfeil, Sascha Zenner, Tamara Liebold Foto: Martin Gerlach

Sie ziehen ein positives Resümee nach Praktikumsende (von links): Die Lehrer Gunnar Pfeil, Sascha Zenner, Tamara Liebold Foto: Martin Gerlach

Foto: zgt

Gera. Das Lob reißt nicht ab. Eine Woche lang haben sich knapp 20 Lehrer aus ganz Thüringen im Geraer Justizzentrum umgesehen - sie saßen in Verhandlungen, haben Hintergrundgespräche geführt, erfahren wie Justiz praktisch funktioniert.

Am Freitag zogen sie Bilanz. Was ist besonders in Erinnerung geblieben? Was brauchen sie für den Schul­alltag?

Ganz großartig fand Tamara Liebold, Berufsschullehrerin in Sömmerda, die praktische Woche. Nicht nur weil sie Einblick in Bereiche erhalten hat, die sie sonst nicht zu Gesicht bekommt, sondern auch weil es viele Informationen gab, die sie auch in der Schule nutzen kann.

Eine Neuerung für die Sömmerdaerin ist der Umgang mit Schulverweisen. Den Erhalt sollte man sich von den Schülern lieber quittieren lassen, erfuhr die Lehrerin während ihres Praktikums. Und so will sie es auch fortan handhaben - einfach, um mehr Rechtssicherheit zu erhalten.

Das Praktikum am Justizzentrum gehört zu Juregio, einem Kooperationsprojekt zwischen Kultusministerium, Justizministerium und dem Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Thillm). Die Aktion, so die Initiatoren, sei einmalig in Deutschland. Lehrer sollen mit dem Praktikum Rechts- und Handlungssicherheit bei ihrer Arbeit in den Schulen erhalten, sagt Richter Bernd Amelung.

Lehrer empfehlen Teilnahme am Programm

Noch mehr Lehrer sollten an dem Programm teilnehmen, empfiehlt Gunnar Pfeil. Er unterrichtet an einer berufsbildenden Schule in Erfurt. Und lobt ebenfalls die vielen praktischen Erfahrungen, die er im Justizzentrum während der Herbstferien erfuhr. Es seien Einblicke gewesen, die man sonst nicht erhalte. Das bringe viel für den Schulalltag, schon allein weil man in den Verfahren hautnah erlebte, wie mit Angeklagten umgegangen wird.

Um eine möglichst große Bandbreite der Juristen-Arbeit zu erleben, konnten sich die Lehrer im Verwaltungs-, Arbeits-, im Landgericht und der Staatsanwaltschaft umsehen. Gunnar Pfeil möchte sich auch im kommenden Jahr um einem Platz in dem Projekt bemühen.

Eine Empfehlung für die Praxiswoche kommt auch von Sascha Zenner, Berufsschullehrer für Sozialkunde und Recht in Gera. Zwar ist Zenner von Haus aus Anwalt, bevor er vor acht Jahren Lehrer wurde, aber selbst er als Fachmann erfuhr Neues.

Denn auch wenn die Gesetze deutschlandweit die gleichen sind, unterscheiden sich die Menschen und das soziale Umfeld. Das habe er beim Besuch im Justizzentrum eindrucksvoll gespürt. Auch im Unterricht könne er nun die Kontakte zu Anwälten und Richtern nutzen.

Zu den Kommentaren