Erfahrungsaustausch

Mehr Verantwortung stärkt das Selbstwertgefühl

Gera.  Mit ihren Qualifizierungen zum Produktionsassistenten betraten die Lebenshilfe Werkstätten Gera 2015 thüringenweit Neuland. Jetzt gab es Besuch von den Ideengebern aus Eschwege.

Vorn von links: Manfred Freudenberg und Kerstin Zipfel aus Eschwege, Sandra Hielscher aus Gera; Hinten von links: Christin Bojack aus Eschwege, Daniel Schwenker und Thomas Jander aus Gera.

Vorn von links: Manfred Freudenberg und Kerstin Zipfel aus Eschwege, Sandra Hielscher aus Gera; Hinten von links: Christin Bojack aus Eschwege, Daniel Schwenker und Thomas Jander aus Gera.

Foto: Christiane Kneisel

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Von allein hätte sich Daniel Schwenker, Beschäftigter der Lebenshilfe Werkstätten Gera gGmbH, wohl nie für den Weiterbildungskurs zum Produktionsassistenten angemeldet. „Aber er hat sich immer schon vorausschauend um Mitarbeiter gekümmert. Wir waren uns sicher, diese Aufgabe ist etwas für ihn. Mancher braucht einen Schubs“, so Kursleiterin Corina Rascher rückblickend. Der junge Mann traute sich und beendete im März 2019 mit Zertifikat die anderthalbjährige Ausbildung. Seitdem unterstützt er im Bereich Grünpflege seinen Gruppenleiter. So teilt er selbstständig Mitarbeiter für diverse Arbeiten ein und überwacht das Erledigen von Aufträgen. „Es läuft sehr gut. Schritt für Schritt bin ich in die Aufgabe hineingewachsen und werde von den Kollegen auch akzeptiert“, freute sich Daniel Schwenker. Natürlich sei seine Arbeit wesentlich anspruchsvoller geworden. „Man hat Verantwortung, muss mitdenken und für die anderen mit einstehen“, berichtete er.

Insgesamt 12 Lebenshilfe-Mitarbeiter absolvierten einen der zwei Kurse zum Produktionsassistenten, mit denen die Lebenshilfe Werkstätten Gera 2015 thüringenweit Neuland betraten. Nach wie vor ist es die einzige Einrichtung ihrer Art im Freistaat, die Menschen mit Handicap eine solche Qualifizierungsmöglichkeit bietet. Ideengeber waren die Werraland-Werkststätten Eschwege, die seit 2004 Produktionsassistenten – zudem neuerdings Betreuungsassistenten – ausbilden. In der vorigen Woche besuchten die Eschweger die Geraer Einrichtung. Sie schauten sich unter anderem das Lebenshilfe-Biogewächshaus in Aga an, wo derzeit beispielsweise im Auftrag einer Firma aus Magdala 8000 Flaschen für Bio-Brühe etikettiert und versandfertig gemacht werden. Natürlich wurde sich über die Produktionsassistenten-Kurse ausgetauscht: Wie laufen die Prüfungen ab? Wie lässt sich mit Erfolgsdruck umgehen? „Wir hatten bisher fünf Lehrgänge für Produktionsassistenten und einen für Betreuungsassistenten. Letztere helfen, Werkstatt-Beschäftigte zu betreuen, reichen Essen, helfen beim Anziehen, begleiten sie“, erzählte Martin Hofmockel, Psychologe, Seminarleiter sowie Chef der Europa-Akademie, dem Institut für Teilhabe und Inklusion von Werraland. Seit Beginn vor 15 Jahren qualifizierten sich 27 Menschen mit Handicap. Einige von ihnen wechselten in den ersten Arbeitsmarkt.

„Wenn Beschäftigte diese Möglichkeit für die persönliche Weiterentwicklung haben und ergreifen, wenn sie geschätzt und in ihrer neuen Funktion selbst in anderen Werkstätten anerkannt werden, stärkt das ungemein ihr Selbstwertgefühl“, beschrieb Corina Rascher den Erfolg, der längst über den Werkstätten-Alltag hinausreicht. Im März 2020 beginnt in Gera der nächste Produktionsassistenten-Kurs, der dritte. Die sechs Teilnehmer stehen fest. Als Auftakt werden sie mit ihren Gruppenleitern die Werraland-Werkstätten besuchen.

Den Geraer Produktionsassistenten Daniel Schwenker hätten die Eschweger übrigens am liebsten in ihre Werkstätten mitgenommen, so sehr waren sie von ihm angetan. „Aber unser Gruppenleiter Steffen Eichhorn meinte sofort, den gebe er nicht wieder her“, resümierte schmunzelnd Corina Rascher.

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