Meine Woche: Vorsicht mit den Worten

Je länger der Krisenzustand anhält, desto mehr Kandidaten fürs „Unwort der Coronakrise“ tauchen auf.

Marcel Hilbert, Lokalredaktion Gera

Marcel Hilbert, Lokalredaktion Gera

Foto: Peter Michaelis

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„Systemrelevant“ ist ja nach wie vor mein Favorit im Rennen um das „Unwort der Coronakrise“. Selten findet man einen Begriff, der so erbarmungslos das eine vom anderen trennt und dabei ganzen Branchen und Berufszweigen ihre Bedeutung abspricht. Doch je länger der Krisenzustand anhält, desto mehr würdige Unwort-Kandidaten tauchen auf.

„Corona-Party“ zum Beispiel oder „Öffnungsdiskussionsorgie“, die „neue Normalität“, oder auch das „Schlafschaf“ für all jene, die die einzig wirklich wahre Wahrheit und den Masterplan von Bill Gates, den Illuminati und den Echsenmenschen noch immer nicht durchschaut haben.

Einen Platz in meinem Lieblingswörter-Buch hat sich in kürzester Zeit der „eingeschränkte Regelbetrieb“ ergattert. Ich glaube, die Gelehrten nennen es Oxymoron. „Dunkel war‘s, der Mond schien helle…“ Und auch, wenn ich verstehe, dass man die Nuancen zwischen Chaos und Ordnung, zwischen Not- und Normalbetrieb benennen will, um die (kleinen) Schritte nach vorn deutlich zu machen, ist diese widersprüchliche Formulierung für mich vor allem ein Euphemismus.

Ab 2. Juni soll in den Geraer Kindergärten dieser kleine Bruder des Regelbetriebs, dieser „Regelbetrieb light“ Einzug halten. Man kann nur hoffen, dass das einschränkende Vor-Wort „eingeschränkt“ auch wirklich wahrgenommen wird. Denn im Zweifelsfall ist es eben noch nicht der „Regel“-Betrieb, den viele Eltern herbeisehnen. Auch wenn seitens der Träger sicher alles getan wird, so nah wie möglich ran zu kommen an die „alte Normalität“.

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