Millionen-Ansiedlung in Gera: Neue Möbelmärkte nehmen Stadtrats-Hürde

Gera.  Mit dem Bebauungsplan für XXXLutz und Mömax stellt der Geraer Stadtrat die Weichen für eine über 60 Millionen Euro schwere Investition.

Ein Foto vom XXXL-Spatenstich im Gewerbegebiet Erfurter Kreuz. Der Spatenstich in Gera rückt nun auch immer näher.

Ein Foto vom XXXL-Spatenstich im Gewerbegebiet Erfurter Kreuz. Der Spatenstich in Gera rückt nun auch immer näher.

Foto: Hans-Peter Stadermann

Mit großer Mehrheit bei einer Gegenstimme hat der Geraer Stadtrat den Weg frei gemacht für die Ansiedlung der XXXL-Gruppe im Gewerbegebiet Tinz an der A4. In seiner Sitzung am Donnerstag im KuK stimmte der Stadtrat sowohl für die Änderung des Flächennutzungsplans an dieser Stelle als auch für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan für ein XXXLutz-Einrichtungshaus und einen Mömax-Mitnahmemarkt.

Zuletzt hatte die XXXL-Gruppe auf Nachfrage die Eckpunkte ihres Vorhabens aus ihrer Ankündigung vom Januar 2017 bestätigt. Demnach sollen im Gewerbegebiet Tinzer Straße an der A4-Anschlussstelle Gera-Langenberg rund 62 Millionen Euro investiert und bis zu 240 Arbeitsplätze geschaffen werden. Geplant sind 36.000 Quadratmeter Verkaufsfläche und 18.000 Quadratmeter Lagerfläche. Kosten entstünden der Stadt nach Angaben der Verwaltung aus dem B-Plan nicht, da sich der Investor zur vollständigen Übernahme der Planungs- und Erschließungskosten verpflichtet habe. Dies umfasst auch den laut Baudezernent Michael Sonntag (parteilos) zur Verkehrserschließung notwendigen Ausbau der Kreuzung Siemensstraße/Tinzer Straße.

Gegen das Vorhaben stimmte einzig AfD-Stadtratsmitglied Eike Voigtsberger, der befürchtet, dass durch die Neuansiedlung in der Nachbarschaft das alteingesessene Möbelhaus Rieger „eingehen“ werde und der Stadt die nächste Investruine drohe. Ein Bedenken, das schon 2018 intensiv diskutiert und ausgeräumt wurde, als Voigtsberger noch nicht im Stadtrat saß, wie OB Julian Vonarb (parteilos) entgegnete. Vielmehr, und da stimmten ihm Norbert Geißler (CDU), Ralf Kirchner (Für Gera) und Heiner Fritzsche (SPD) zu, sei davon auszugehen, dass hier die Konkurrenz das Geschäft belebe. Geißler sprach von einer wachsenden Strahlwirkung und einem künftigen Einzugsgebiet von 100 Kilometern, was laut Fritzsche eben auch eine positive Auswirkung auf Rieger haben könnte. Kirchner nannte das Beispiel Heilbronn, wo Möbel Rieger und XXXLutz auch unmittelbar nebeneinander existieren.

Das Votum des Stadtrates sei ein „echter Meilenstein für unser Bauvorhaben“, heißt es von der XXXL-Gruppe auf unsere Nachfrage. Der Beschluss sei der Startschuss, um die weiteren planungsrelevanten Detail-Prozesse anzustoßen und mit Leben zu füllen. „Wir werden unsere Genehmigungsplanungen mit allen beteiligten Fachplanern konkretisieren, parallel dazu die Ausschreibungen der einzelnen Gewerke und damit ein Bieterverfahren vorbereiten“, heißt es.

Eine zeitliche Vorhersage lasse sich wegen vieler nicht kalkulierbarer Faktoren aktuell nicht treffen. So müsse zuvorderst das Genehmigungsverfahren mit all seinen Facetten durchgeführt werden, zudem spiele die Auftragslage der Firmen ebenso eine Rolle wie mögliche Auswirkungen der Corona-Pandemie. „Dies sind nur einige von ganz vielen Faktoren“, heißt es.