Mit Filmmagie und Leander Haußmann wird Gera zu Ostberlin

Gera  Für sein Projekt unter dem Arbeitstitel „Leander Haußmanns Stasikomödie“ dreht der Filmemacher in der Region.

Vor einem langen Drehtag waren noch ein paar Minuten Zeit, in Erinnerungen zu schwelgen an die Zeit, als der Regisseur und Schauspieler Leander Haußmann am Geraer Theater engagiert war.

Vor einem langen Drehtag waren noch ein paar Minuten Zeit, in Erinnerungen zu schwelgen an die Zeit, als der Regisseur und Schauspieler Leander Haußmann am Geraer Theater engagiert war.

Foto: Peter Michaelis

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„Der Süße Winkel war unser Stammlokal, hier haben wir in der Mittagspause schon Wein getrunken. Und auf dem Osterstein waren wir gerne. Gibt’s den noch?“

Ein wenig hatte er sich am Freitag noch in der Stadt umschauen können, in der er, sozusagen auf der Zielgeraden der DDR, 1986 bis ’88 als Schauspieler am Theater beschäftigt war. Eine Zeit, die geprägt war „von Ärger und Missverständnissen, von politischen und ethischen Auseinandersetzungen“ mit der Theaterleitung, erinnert sich Leander Haußmann, während er auf einer Fensterbank am Kornmarkt sitzt, den dringend benötigten Kaffee in der Hand. Die Arbeit führt den 60-jährigen Regisseur und Schauspieler („Sonnenallee“, „Herr Lehmann“, „NVA“) nun wieder nach Gera.

Aufwendige Dreharbeiten für Leander Haußmanns Stasikomödie in Gera

Eine Film-Wohnung unterm Rathaus-Dach

Es ist früher Nachmittag am Freitag. Schon seit dem Morgen herrscht großes Räumen auf dem Geraer Kornmarkt. Mehrere Lkws stehen hier schon seit ein paar Tagen, Schilder an den Zufahrten künden von Einschränkungen beim Parken bis Sonnabend. Eine Hebebühne wird mit Lichttechnik bestückt, dicke Kabel sind ins Dachgeschoss des Rathauses gezogen. Auf einem Blatt an zwischengelagertem Equipment ist das Wort „Stasikomödie“ zu lesen. „Leander Haußmanns Stasi­komödie“ ist der Arbeitstitel für das neue Filmprojekt, dessen Drehstart der Filmemacher im Juni für den Herbst ankündigte.

„Fast ein Viertel des Films drehen wir hier in Gera“, verrät er. Allerdings wird man das im fertigen Film wohl nur noch erkennen, wenn man es weiß, denn spielen soll er in Ostberlin in den Achtzigern. „Wir kommen gerade aus Polen, wo wir die Straßen im Prenzlauer Berg gedreht haben“, sagt Leander Haußmann. Auf die ironische Frage, ob man die nicht auch in Gera gefunden hätte, meint er, die Satelliten-Schüsseln seien das Problem.

Dafür wurde man für Szenen fündig, die in der Gethsemanekirche und in der Stasizentrale in der Normannenstraße spielen. Auch eine „Indianer-Szene“ werde in der Region gedreht. Für Szenen in einer Ostberliner Dachboden-Wohnung ist man schließlich im Geraer Rathaus zu Gast. Hier wurde zwar „nur“ von Freitagnachmittag bis Sonnabend gegen 4 Uhr früh gedreht. Insgesamt sei das Filmteam aber etwa zweieinhalb Wochen in der Stadt, sagt der Regisseur und Drehbuchautor.

Film kommt frühestens 2020 ins Kino

Gefördert wird die von der Ufa Fiction produzierte Komödie von der Mitteldeutschen Filmförderung. Wie es auf deren Internetseite heißt, geht es in dem Film um einen Mitarbeiter der Staatssicherheit, der in die Künstlerszene am Prenzlauer Berg eingeschleust wird und dort zum Star avanciert. Zu sehen sein sollen unter anderem David Kross, Henry Hübchen, Jörg Schüttauf und Ilka Bessin (Cindy aus Marzahn).

Ins Kino kommt der Film sicherlich frühestens 2020. Seit etwa sechs Jahren arbeite er bereits an der „Stasikomödie“, hatte Haußmann im Juni der Deutschen Presse-Agentur gesagt.

Dass die Crew auch im Rathaus dreht habe sich aus einer Anfrage zu einem anderen Drehort in der Stadt ergeben, sagt Monique Hubka von der Pressestelle der Stadtverwaltung, die seit März mit den Filmleuten in Kontakt sei. Sie freut sich natürlich, „dass relativ viele Aufnahmen in Gera gedreht werden“. Der Dachboden des Rathauses sei ansonsten ungenutzt, erklärt sie und ist selbst beeindruckt über den Aufwand der Filmemacher.

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