Mit gedämpften Erwartungen startet Wismut-Arbeitsgruppe

SPD-Landtagsfraktionen von Thüringen und Sachsen gründen Wismut-Arbeitsgruppe. Was sie erreichen kann, ist noch offen.

Ronneburg. Die SPD-Landtagsfraktionen von Sachsen und Thüringen wollen erstmals in Sachen Wismut zusammenarbeiten und haben am Donnerstagabend eine Wismut-Arbeitsgruppe gegründet. Federführend und Ansprechpartner werden hier die beiden umweltpolitischen Sprecher der jeweiligen SPD-Landtagsfraktionen sein: Marie-Luise Apostel für Sachsen und Frank Weber für Thüringen.

Um die Bewahrung und Weitergabe des Sanierungswissens, die Erinnerung an den Uranerzbergbau in Mitteldeutschland und die Traditionspflege geht es den Sozialdemokraten. "Es gibt natürlich auch offene Fragen, die an den Bund gestellt werden müssen", ergänzte Frank Weber. Doch Erwartungen von Bürgerinitiativen wie "Strahlungsfreies Waldsachsen" oder von Interessengruppen wie dem Bund zur Unterstützung Strahlengeschädigter dämpften die beiden Landtagsabgeordneten. Eine Gesetzesinitiative zum flächendeckenden Ausbau von Wismut-Schotter aus ostthüringischen oder westsächsischen Straßen wird es nicht geben. Auch bei der Anerkennung von Krebs und anderen Strahlenschäden als Berufskrankheit wird die Arbeitsgruppe wohl wenig ausrichten - auch wenn man sich für eine dauerhafte Lösung des Wismut-Archivs einsetzen möchte. Die medizinischen Unterlagen, so klärte Wismut-Archivleiter Thomas Hennicke auf, befinden sich allerdings nicht mehr im Besitz des Unternehmens, sondern unter anderem bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Der Geraer SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Lemb schlug immerhin vor, in den Arbeitsauftrag der SPD-Wismut-gruppe auch die sozialen und gesundheitlichen Belange der Wismut-Kumpel mitaufzunehmen.

Tilo Wetzel, Ex-Wismuter und Geras SPD-Chef, brachte die für die Thüringen ungelöste Altlasten-Frage ins Spiel. Während es im Freistaat Sachsen ein Verwaltungsabkommen zur Sanierung mit dem Bund gibt, werden Thüringer Wismut-Altstandorte wie Dittrichshütte ausgeblendet, so Wetzel. Rolf Schwanitz - gebürtiger Geraer, ehemaliger Ost-Beauftragter der Bundesregierung und mit Wismut-Angelegenheiten bestens vertraut - sieht dafür hingegen keine Lösung. "Das ist gelaufen", sagte er und plädierte dafür, die Arbeitsgruppe nicht zum Kummerkasten werden zu lassen, sondern sich Problemen anzunehmen, für die man zuständig sei und die lösbar seien. Zum Beispiel: Was passiert nach dem Sanierungsende mit dem umfangreichen Wismut-Archiv und dem riesigen Kunst-Bestand? Beide gelten als bundesweit einzigartig.

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