Multimillionär Maschmeyer muss in Gera aussagen

Der ehemalige Chef des Finanzdienstleisters AWD, Carsten Maschmeyer, muss im März vor dem Landgericht Gera als Zeuge aussagen. Er ist in einem Verfahren geladen, bei dem ein Mann aus Münchenbernsdorf 153 500 Euro wegen Falschberatung zurückfordert.

Der ehemalige Chef des Finanzdienstleisters AWD, Carsten Maschmeyer, muss im März vor dem Landgericht Gera als Zeuge aussagen. Er ist in einem Verfahren geladen, bei dem ein Mann aus Münchenbernsdorf 153 500 Euro wegen Falschberatung zurückfordert.

Foto: zgt

Gera/Münchenbernsdorf. Konkret geht es um einen Filmfonds, dessen Anteile sein Mandant in den Jahren 2001 bis 2003 über eine AWD-Tochterfirma erworben habe, sagt der Hamburger Rechtsanwalt Rolf W. Thiel. Insgesamt habe sich der Ostthüringer mit 150 000 Euro am Fonds IMF 3 beteiligt. Der Berater habe damals versichert, dass auch die Vorgängerprodukte mit guter Rendite gelaufen seien. "Das war eine Fehlauskunft", sagt Thiel mit Verweis auf die damals schon sichtbare schlechte Wertentwicklung.

Und auch der IMF 3 stürzte ab. Zwar gab es in den Anfangsjahren zwei Ausschüttungen. Inzwischen zeichne sich aber ein Totalverlust ab. Zusammengenommen mit den möglichen entgangenen Gewinnen aus einer seriösen Anlage kommt der Anwalt auf einen Schaden von 153 500 Euro, den er nun über das Landgericht Gera einklagt.

Aufhänger für die Klage und auch für die Vorladung Maschmeyers ist ein Detail. Finanzdienstleister müssen den Kunden ungefragt informieren, falls ihre Provision für ein Anlageprodukt mehr als 15 Prozent beträgt. Im Fall von IMF 3 soll die Provision nach Angaben des Anwaltes bei 16 Prozent gelegen haben, eine Information darüber sei aber vor Vertragsabschluss nicht erfolgt und auch nicht in Prospekten enthalten gewesen. Darauf stützt er die Hoffnung, das Geschäft zugunsten seines Mandanten rückabwickeln zu können.

Thiel vertritt etwa 800 Anleger, die sich nach dem Kauf von Fondsanteilen über die AWD-Tochter geprellt fühlen. Je nach Wohnort reichte er die Klagen ein – das Landgericht Gera gehörte zu den schnellsten in der Bearbeitung und Terminierung. Schon für Mitte März ist die Verhandlung angesetzt, bei der auch der ehemalige Geschäftsführer der AWD-Tochter geladen ist. Er hatte schon bei anderen Verfahren bestätigt, dass die Provision höher als 15 Prozent war. Aber auch Maschmeyer steht auf der Zeugenliste.

Der Multimillionär war zuletzt mehrfach in den Schlagzeilen. So hatte er ein Buchprojekt des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) durch eine Anzeigenkampagne unterstützt. Angeblich ohne Wissen des heutigen Ex-Bundespräsidenten. Im Jahr 1998 war Maschmeyer noch als Wahlkampfhelfer des Niedersachsen Gerhard Schröder (SPD) aufgetreten.

Maschmeyer, der mit einer bekannten Schauspielerin verheiratet ist, tritt häufig bei Wohltätigkeitsgalas ins Rampenlicht und fällt durch hohe Geldspenden auf. Inzwischen ist er Vorstand der MaschmeyerRürup AG. Diese hatte er mit Bert Rürup gegründet, dem Initiator der gleichnamigen staatlich geförderten Rente.

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