Nach langem Anlauf und mit 6,5 Mio Euro: Künftig studieren im Schloss in Gera-Tinz

Nach langem Anlauf wegen des fehlendes Geldes im Land haben die letzten Bauabschnitte auf dem Campus der Berufsakademie Gera begonnen. Im Sommer 2015 soll das Tinzer Wasserschloss saniert und modernisiert sein und dem dualen Studium mehr Raum bieten.

Die BA-Mitarbeiter Horst Kretzschmar, Stefan Dorendorf und Sabine Weidehase (von links) sehen sich die Pläne für die denkmalgerechte Modernisierung des Wasserschlosses Tinz an Foto: Angelika Munteanu

Die BA-Mitarbeiter Horst Kretzschmar, Stefan Dorendorf und Sabine Weidehase (von links) sehen sich die Pläne für die denkmalgerechte Modernisierung des Wasserschlosses Tinz an Foto: Angelika Munteanu

Foto: zgt

Gera. Gleich zwei Ministern und etlichen Landtagsabgeordneten verschiedener Parteien dazu war es gestern wichtig, nach Gera zu kommen. Nachdem das Tinzer Wasserschloss Jahre auf die Sanierung und Modernisierung warten musste, hieß es gestern ganz offiziell und feierlich Start für die letzten Abschnitte des Ausbaus des Campus der Berufsakademie Gera in Tinz.

Etwa 6,4 Millionen Euro wird das Land in den denkmalgerechten Umbau des Tinzer Wasserschlosses und die Fertigstellung der Außenanlagen im Campus investieren. Drei Viertel des Geldes sind Fördermittel der Europäischen Union. "Die Sanierung des Wasserschlosses ist ein wichtiger Baustein für Gera und für die Bildungslandschaft", sagte Thüringens Bauminister Christian Carius (CDU). Kultusminister Christoph Matschie (SPD) erinnerte auch an die Geschichte des Schlosses, das in den 1920er Jahren schon einmal Bildungseinrichtung war und als Heimvolkshochschule jungen Menschen Chancen für den beruflichen Aufstieg geboten habe. Nun solle es - nach verschiedenen Zwischenstationen der Nutzung, so als Lazarett, für Militär und Politik und als Gerichtsgebäude - wieder der Bildung offen stehen.

Matschie würdigte die Stärke der Berufsakademie (BA), die seit 1998 Erfolgsgeschichte in Thüringen geschrieben habe. Von Anfangs 200 Studenten an den beiden Standorten Gera und Eisenach habe sich die Zahl der Studierenden auf 1300 gesteigert. Und 90 Prozent der Absolventen würden nach ihrem dualen Studium in der Region bleiben. Damit sei die Berufsakademie auch eine wichtige Einrichtung zur Wirtschaftsförderung in Thüringen. Ziel sei es, die BA zur einer dualen Hochschule zu entwickeln und sie in ein neues Hochschulgesetz in Thüringen zu integrieren. Den Entwurf für eine strategische Hochschulplanung bis zum Jahr 2020, die auch die BA einschließen soll, will Matschie bis zum Jahresende vorlegen. Damit Absolventen des dualen Studiums auch ein fortführendes Masterstudium absolvieren können, sei die Kooperation der BA mit der Fachhochschule Schmalkalden ein wichtiger Schritt.

"Das Schloss wird den Campus vollenden", freute sich BA-Direktor Professor Burkhard"Utecht. Mit der Erweiterung der Räume würden wichtige Rahmenbedingungen für die Zukunft des dualen Studiums in Gera geschaffen. Die BA bereite zwei neue Studiengänge vor. Ab Herbst 2014 sollen Studenten in Gera und in Eisenach auch in Sozialwirtschaft beziehungsweise Wirtschaftsingenieurwesen ausgebildet werden, kündigte Utecht an. Auch für Gera sei die Sanierung des Tinzer Wasserschlosses wichtig als Eingangstor und Visitenkarten für die Stadt, bedankte sich Oberbürgermeisterin Viola Hahn (parteilos) beim Land für die Investition in Gera.

"Errichtet wurde das Schloss im Jahr 1748 vom reussischen Fürstenhaus in italienischem Barock", erläuterte Marcus Johannson von der Worschech Architekten Planungsgesellschaft. Der Festsaal inmitten des stattlichen Gebäudes solle wieder hergerichtet und die eingezogen Zwischendecke entfernt werden. Dort soll die Bibliothek der Berufsakademie Einzug halten. Auf der Galerie könnten Computerplätze entstehen. Damit könnte die Aula im Neubau auf dem BA-Campus entlastet und wieder für ihren Zweck genutzt werden. Stuck an den Decken des Schlosses, Säulen, Lüster und Wandfarben in pastellenem Grün sollen denkmalgerecht wiederhergestellt werden. Das Parkett auf den Böden ist zu erneuen. Dem Betrachter bleibt angesichts aufgerissener Dielen und Absperrbändern vor den Zimmern eine vage Ahnung von der Arbeit, die vor Bauleuten und Restauratoren liegt.

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