Stadtgeschichte und Kriminalfälle: Eine besondere Gästeführung in Gera

Gera  Am 1. September hat eine Gästeführung der besonderen Art Premiere in Gera: Mit Kriminalrat a.D. Hans Thiers und Gästeführer Ulrich Braumann geht es auf kriminalistische Spurensuche in Gera.

Bei der Führung in Gera wird Stadtgeschichte mit Kriminalfällen zusammengebracht (Symbolfoto).

Bei der Führung in Gera wird Stadtgeschichte mit Kriminalfällen zusammengebracht (Symbolfoto).

Foto: Peter Michaelis

Stoßen Sympathie und Interesse aufeinander, gibt es den „Urknall“, meint Ulrich Braumann. Der Stadtführer und der Kriminalrat a.D. Hans Thiers wollen als Rentner nicht auf dem Sofa sitzen. Dafür sind sie zu jung. Der eine zählt gerade mal 67 Lenze, der andere 73. Zudem wohnen die Männer fast in Sichtweite. So viele Gemeinsamkeiten verbinden.

Beide treffen sich, denken über eine besondere Gästeführung nach, die schnell Gestalt annimmt. Einmalig könnte sie in Deutschland sein. Zwar lernen Hamburg-Besucher bei einer Krimi-Tour die Schauplätze für Gewalt, Verbrechen und fiese Geschäfte in St. Pauli kennen. Aber in Gera wird Stadtgeschichte mit Kriminalfällen zusammengebracht. Ein ehemaliger Kriminalrat und ein profunder Stadtführer gehen zu Tat- und Fundorten. „Hans Thiers als Experte und authentische Person steht im Mittelpunkt“, sagt Ulrich Braumann. Er moderiert, stellt Fragen und lässt auf dem Weg die Teilnehmer in die Kulturhistorie von Gera-Untermhaus bis ins Zentrum eintauchen. In der Innenstadt erzählt er etwas über die mittelalterliche Rechtsprechung.

Manche launige Anekdote habe Braumann bei seinen Recherchen gefunden. So sei Buffalo Bill mit einer Show auf dem heutigen Gelände des Hofwiesenparkes aufgetreten. Mehr wird nicht preisgeben. Es soll ja spannend bleiben.

Sieben Tat- und Fundorte werden aufgesucht. So berichtet Hans Thiers über den Stadtwaldmord und wie es gelang, diesen schnell aufzuklären. Die Leiche eines neunjährigen Mädchens wurde da entdeckt. Zwei Stunden sind für die Tour eingeplant.

„Nach der Premiere wartet auf uns der Totenschmaus“, sagt Hans Thiers und kann ein Lachen nicht unterdrücken. Schwarzer Humor eines 73-Jährigen, der beruflich oft in menschliche Abgründe schauen musste. Die Arbeit von damals lässt ihn dennoch nicht ganz los. Bereits drei Bücher sind erschienen. „Seit der ersten Veröffentlichung Mordfälle im Bezirk Gera im September 2014 habe ich 300 Lesungen mit 20.000 Besuchern durchgeführt.“ Als ehemaliger Leiter der Morduntersuchungskommission im Bezirk Gera ist er ein gefragter Fachmann fürs Fernsehen.

Krimis schaue er selten. „Zu viele Gewaltverbrechen.“ Und er schüttelt den Kopf, wenn Ermittler in Tatorten herumstapfen. „Spurenzertretkommando“ nennt er diese. Ulrich Braumann mag schlüssige Handlungen in dem Genre und Action, wenn sie dazugehört.

Premiere am 1. September: Führung um 10 Uhr ist ausverkauft, für die zweite um 15 Uhr gibt es noch Karten. Teilnahme ab 16 Jahren, Karten in der Gera-Information unter 0365/8 38 11 11

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