Neue Methode am SRH-Waldklinikum Gera bei Prostata-Bestrahlung schützt Nachbarorgane

Der Prostatakrebs ist die häufigste bösartige Erkrankung bei Männern. Zu den wichtigen Therapien gehört die Bestrahlung des Tumors. Dabei schont jetzt ein neues Gel das umgebende Gewebe.

Strahlentherapeuten und Urologen bei der Fallbesprechung: Der Einsatz von Hydrogel ist das neueste Verfahren zum Schutz der Patienten. Foto: Katrin Wiesner

Strahlentherapeuten und Urologen bei der Fallbesprechung: Der Einsatz von Hydrogel ist das neueste Verfahren zum Schutz der Patienten. Foto: Katrin Wiesner

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Gera. Das SRH Wald-Klinikum Gera bietet als erstes Krankenhaus in Thüringen das Verfahren an.

Moderne Linearbeschleuniger, die dank Bildsteuerung und einer auf das zu behandelnde Tumorvolumen angepasste Intensität hochpräzise zielen - das ist Standard in der Strahlentherapie des Prostatakrebses. "Ziel der technischen Entwicklung ist, den Tumor mit hoher Dosis zu zerstören, dabei aber das umliegende Gewebe so wenig wie möglich zu belasten", erklärt Dr. Jürgen Füller, Chefarzt der Strahlentherapie am SRH Wald-Klinikum Gera.

Gel dient als Abstandhalter

Hier wurde bereits viel erreicht, aber eine letzte Belastung der Organe in unmittelbarer Nachbarschaft wie Enddarm und Blase blieb. Entzündungen am Enddarm und Durchfall können die Folge sein. Besonders dann, wenn sehr hohe Strahlendosen aufgrund eines fortgeschrittenen Tumorstadiums eingestrahlt werden müssen.

Jetzt gibt es einen neuen Ansatz, der bei der Behandlung des Prostatakarzinoms Nebenwirkungen noch einmal deutlich verringern soll, das so genannte SpaceOAR-System. Das Augenmerk liegt hier nicht auf der Bestrahlungstechnik, vielmehr werden während der Behandlung die benachbarten Organe auf Abstand zum bestrahlten Tumor gebracht.

Dafür wird ein wasserhaltiges Gel als Abstandhalter zwischen die Vorderwand des Enddarms und die Prostata injiziert. Bis zu 15 Millimeter drückt das Gel-Depot die Organe auseinander. Die Strahlung verliert mit jedem Millimeter an Wirkung.

"Das reicht aus, um strahlenbedingte Reizungen des Enddarms, frühe und späte oder gar dauerhafte Nebenwirkungen deutlich zu verringern", sagt Strahlentherapeut Oberarzt Torsten Heil. Sollte es notwendig sein, könnte dank der besseren Verträglichkeit die Bestrahlungsdosis auch erhöht werden, um die Heilungschancen zu verbessern.

Das Gel selbst wird unter Vollnarkose in einem nur wenige Minuten dauernden Eingriff mit einer Implantationsnadel eingebracht, erklärt Urologe Dr. Andreas Auge.

In der Regel werden dabei zugleich winzige Goldmarker zur präzisen Tumorbestrahlung gesetzt.

Die Injektion muss nur einmal durchgeführt werden, das reicht für die achtwöchige Bestrahlungstherapie aus. Das gutverträgliche Gel wird erst innerhalb von sechs Monaten im Körper abgebaut und ohne Rückstand ausgeschieden.

Rund 400 Patienten im Jahr

Das Prostatakarzinomzentrum am SRH Wald-Klinikum Gera, in dem Strahlentherapeuten und Urologen eng zusammen arbeiten, ist die erste Einrichtung in Thüringen, die das neue System verwendet. "Davon werden viele unserer Patienten profitieren können", verspricht Dr. Auge.

Im Jahr werden etwa 400 Prostatakrebs-Patienten behandelt.

Das Zentrum bietet dafür die komplette Bandbreite von Therapiemöglichkeiten - von der aktiven Beobachtung über die Operation bis zu allen modernen Bestrahlungsmethoden. Künftig sollen alle Patienten, die eine äußere Bestrahlung erhalten, mit dem neuen Hydrogel einen besonderen Schutz erhalten.